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Grenzkontrollen: Automobilindustrie befürchtet Werksschließungen

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Grenzkontrollen: Automobilindustrie warnt vor Werksschließungen

Die verschärften Grenzkontrollen haben offenbar Konsequenzen für die Produktion der deutschen Automobilindustrie. Der Verband VDA erwartet sogar Werksschließungen bereits am Montag. 800.000 Beschäftigte seien betroffen.

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Von
  • Tobias Betz
  • BR24 Redaktion

Wegen der seit Sonntag verschärften Kontrollen an der Grenze zu Tschechien und Tirol könnte es am Montag für viele Arbeiter in der Autoindustrie heißen: Freizeit oder Homeoffice. Denn die deutsche Autoindustrie befürchtet durch die Kontrollen und Corona-Testpflicht an mehreren Grenzen erhebliche Lieferprobleme.

VDA befürchtet schon ab Montag Werksschließungen

Zu erwarten seien bereits an diesem Montag Werksschließungen, teilte ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) mit. Durch die vorhersehbaren Probleme an den Grenzübergängen werde die Automobilproduktion ab Montagmittag größtenteils zum Erliegen kommen, als erste betroffen seien dem VDA-Sprecher zufolge die Werke in Ingolstadt, Regensburg, Dingolfing, Zwickau und Leipzig.

Audi kann Montag noch produzieren

Noch am Sonntagabend sagte ein Sprecher von Audi in Ingolstadt dem BR, dass man am Montag noch ohne Einschränkungen produzieren werden könne. Offenbar sind also vor allem Zulieferer betroffen von den Grenzkontrollen.

Bauteile aus Tschechien und Slowakei werden sofort benötigt

Der VDA-Sprecher sprach von einer dramatischen Lage. 800.000 Beschäftige in der Automobilindustrie seien betroffen. Denn die deutsche Automobilindustrie werde unter anderem etwa aus Tschechien, Ungarn, Rumänien oder der Slowakei "just-In-Time" beliefert.

Das bedeutet: Die Komponenten werden direkt ans Montageband geliefert. Wenn ein Bauteil nicht durchkomme, stünden die Bänder still, so der Sprecher. Denn aufgrund der kurzfristig angekündigten Grenzkontrollen sei es nicht möglich gewesen, eine entsprechende Bevorratung zu schaffen.

Grenzschließung seit Sonntag

Nach der Ausbreitung neuer Virusvarianten hat Deutschland die Regeln für die Einreise aus EU-Staaten erneut verschärft und teilweise Kontrollen an der Grenze angeordnet. Seit Sonntag dürfen aus Tschechien und weiten Teilen von Tirol in Österreich nur noch Deutsche, Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland, landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte und Gesundheitspersonal einreisen.

Testpflicht für Lkw-Fahrer "so kurzfristig nicht umzusetzen"

Lkw-Fahrer müssen laut VDA ein negatives Coronatestergebnis aus den letzten 48 Stunden vorweisen. Das müsse ärztlich bestätigt sein und dreisprachig vorliegen. Man habe Verständnis für "energische Maßnahmen", aber diese neue Testpflicht für Lkw-Fahrer sei so kurzfristig gar nicht umzusetzen, so der VDA-Sprecher.

Die Autoindustrie fordert, bis zum Aufbau ausreichender Testkapazitäten an den Grenzen auf eine ärztliche Testbestätigung zu verzichten - zumindest für die nächsten vier Tage. Ersatzweise fordert der VDA-Sprecher Selbstschnelltests für Fahrer.

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Innenminister Herrmann und Bayerns Ministerpräsident Söder haben die Grenzkontrollen zu Tschechien und Tirol verteidigt. Am bayerisch- tschechischen Übergang Schirnding verwies Söder auf die höheren Corona-Zahlen jenseits der Grenze.

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