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Goldpreis auf Allzeithoch: Das sollten Anleger jetzt wissen | BR24

© Felix Lincke

Fiskus plant ab 2021 Besteuerung von goldgedeckten Schuldverschreibungen wie Xetra-Gold

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Goldpreis auf Allzeithoch: Das sollten Anleger jetzt wissen

Die Anti-Krisen-Währung Gold springt von einem Rekord zum nächsten. Zum Wochenanfang erreichte der Goldpreis ein neues Allzeithoch. Der Konflikt zwischen den USA und China sowie steigende Corona-Neuinfektionen lassen die Anleger zugreifen.

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Neben den klassischen Käufern wie Notenbanken und Schmuckindustrie ist die Nachfrage nach "Papiergold" sehr hoch und damit preistreibend. Goldgedeckte, börsennotierte Fonds (ETFs) und ähnliche Produkte machen einen deutlichen Teil des Goldmarktes aus. Solche Fonds kaufen Edelmetalle und richten sich an Anleger, die Lagerkosten und die zur Zeit hohe Aufgelder scheuen. Steigt der Preis für eine Feinunze Gold oder andere Edelmetalle, steigen auch die ETF-Anteile.

Die weltweiten Bestände von Gold-ETFs stiegen von 82,9 Mio. Unzen Ende 2019 auf zuletzt 106,8 Mio. Unzen. Die Silber-ETFs stiegen seit Januar 2020 um 598 Mio. auf zuletzt 868,2 Mio. Unzen.

Kein Wunder, dass der Staat an diesem Aufschwung mitverdienen will. Ab kommendem Jahr sollen bislang steuerfreie Gewinne mit Edelmetall-Zertifikaten wie Xetra-Gold besteuert werden. Das geht zumindest aus einem Entwurf des Jahressteuergesetzes 2020 hervor.

Großanleger kommen auf den Markt

Edelmetallhändler stellen darüber hinaus einen Wandel bei den Käuferprofilen fest. Waren es früher vor allem kleinere und mittlere Anleger, die Münzen oder einzelne Barren kauften, steigen nun Großvermögen vermehrt ein. Früher bedeuteten sinkende Aktienmärkte oft steigende Edelmetallpreise und umgekehrt. Seit dem coronabedingten Absturz im Frühjahr gilt diese inverse Beziehung nicht mehr. Seither steigen Edelmetalle mit den Aktienmärkten synchron. Vermutlich trauen die Anleger dem Aufschwung am Aktienmarkt nicht, befürchten aber gleichzeitig, einen Aufschwung zu verpassen. Hinzu kommen Inflationssorgen. Edelmetalle dienen in dieser Gemengelage als Absicherung. Denn Gold (und andere Edelmetalle) sind Werte, die nicht auf Rückzahlung durch einen Schuldner angewiesen sind (wie Mieten, Anleihen usw.).Sie haben schlicht kein Gegenparteirisiko, vorausgesetzt sie sind physisch als Münzen oder Barren vorhanden.

Physisch oder "Papiergold": Ein bedeutsamer Unterschied

Wer Gold nur in Papierform (etwa als ETF oder Zertifikat) besitzt, hat dieses Gegenpartei-Risiko sehr wohl. Denn viele Goldtransaktionen, wie Futures-Kontrakte, Zertifikate und ETFs sind nichts mehr als Papierersatz oder Derivate von Gold. Sie repräsentieren nicht den rechtlichen Besitz des Goldes. Einerlei, in welches "Papiergold"-Angebot man investieren will, stellen sich drei Fragen, die vorausschauende Anleger unbedingt vorher im Kleingedruckten überprüfen sollten.

1. Bekomme ich auf Verlangen mein Edelmetall tatsächlich ausgeliefert?

2. Ist klar, wer mir das Edelmetall liefern muss und sind versteckte Kosten dafür ausgeschlossen?

3. Wer überprüft regelmäßig den Bestand und die Echtheit der Edelmetalle?

Falschgold, Lagerprobleme und Goldverbot

Denn auch physisches Edelmetall hat ernst zu nehmende Schwachstellen. Was, wenn der Goldbarren oder die Münze gefälscht ist, zum Beispiel mit einem Kern aus Wolfram?

Gegen Fake-Gold hilft der Kauf beim integren Händler. Integer ist, wer immer frisch geprägtes Gold direkt von Veredlern bezieht. Die Schweizer Veredler stehen im Ruf, die qualitativ besten Goldbarren der Welt herzustellen.

Beim Rückverkauf an den Händler würde das Gold des Kunden wieder an denselben Veredler verkauft. Um für Qualität zu garantieren, würde der Veredler alle Barren wieder einschmelzen, selbst wenn diese Barren in denselben versiegelten Boxen zurückkämen, in denen der Veredler sie geliefert hatte. Vorsichtige Goldkäufer fragen ihren Händler danach, ob er diese Qualitätssicherung garantieren kann.

Und was, wenn die Regierung auf die Idee kommt, Goldbesitz zu verbieten, hoch zu besteuern oder gar zu enteignen? Auch hier kommt die Schweiz ins Spiel. Noch nie hat die Schweiz Gold verboten oder konfisziert und dazu braucht es eine Volksabstimmung. Schweizer Goldveredler sind Weltmarktführer in ihrem Bereich, sie veredeln 70 Prozent aller Goldbarren der Welt. Zudem bestehen die Schweizer Gesamtexporte zu 29 Prozent aus Gold, was dem Sektor strategische Bedeutung verleiht. Diese Faktoren sorgen in der Summe dafür, dass Goldkonfiszierungen durch den Schweizer Staat zumindest unwahrscheinlicher sind als in manchen anderen Staaten.

Schließlich: Wo kann Gold sicher gelagert werden ?

Edelmetalle wie Gold und Silber sollten in den sichersten privaten Tresoranlagen verwahrt werden, in einem sicheren Rechtsgebiet und außerhalb des Bankensystems. Auch die Versicherung durch ein zuverlässiges Versicherungsunternehmen ist ganz entscheidend. Diese Versicherung muss auch Diebstahl durch Angestellte abdecken, was nicht immer der Fall ist.

Was ist mit den anderen Edelmetallen ?

Egal ob Silber, Platin oder Palladium: Deutsche Anleger sollten bedenken, dass der Erwerb umsatzsteuerpflichtig ist. Anders als bei Gold verringert sich damit der mögliche Gewinn bereits beim Einkauf. Während Platin seitwärts tendierte war vor allem Palladium (+ 36 Prozent) in den vergangenen 12 Monaten dennoch eine glänzende Anlage. Silber jedoch erlebt gerade einen enormen Preisanstieg auf über 24 US-Dollar bzw. 20,65 Euro. Zwischen Silber und Gold gibt es in der historischen Rückschau eine relativ robuste Beziehung: Steigt der Goldpreis, steigt Silber umso stärker. Das 2011er Allzeithoch von über 50 US-Dollar macht den Markt anfällig für Spekulanten. Dazu passt, dass die Silber-Leitbörse COMEX jetzt die Summen erhöht hat, die Händler für zukünftige Transaktionen als Sicherheiten hinterlegen müssen.

Edelmetalle mehr Vermögenssicherung als Spekulation

Wer Edelmetalle nicht als Spekulation zum Verdienen von Papiergeld sieht, sondern eine langfristige Absicherung in unsicheren Zeiten sucht, kann mögliche Preisübertreibungen durch stetige Zukäufe ausgleichen. Aber Achtung: Preisunterschiede und Aufschläge im Goldhandel sind teils sehr groß. Eine minutenaktuelle Übersicht über die Marktpreise für deutsche Anleger bietet das Portal gold.de.

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