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Bayer
© dpa-Bildfunk/Oliver Berg
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Ein US-Gericht hat im Prozess um angebliche Krebsrisiken durch glyphosathaltige Unkrautvernichter die Strafe gegen die Bayer-Tochter Monsanto die Strafe deutlich reduziert. Der Konzern kündigte dennoch an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

Richterin Suzanne Bolanos bekräftigte zwar ein Urteil vom August, wonach das Monsanto-Mittel verantwortlich ist für die Krebserkrankung eines Mannes. Wie aus Gerichtsunterlagen weiter hervorgeht, entschied sie aber auch, dass die von den Geschworenen ursprünglich zugesprochene Schadensersatzsumme von weit über 200 Millionen Dollar verringert werden müsse. Sollten die Anwälte des Klägers zustimmen, werde sie die Strafe auf insgesamt 78 Millionen Dollar reduzieren.

Die "richtige Richtung"

Bayer, das Monsanto erst kürzlich übernommen hatte, bezeichnete das Urteil als "Schritt in die richtige Richtung". Man sei aber nach wie vor überzeugt, dass das Urteil im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen stehe. Das Unternehmen werde deshalb Berufung einlegen.

Wie es jetzt weitergeht, liegt nach der Entscheidung der Richterin maßgeblich am erkrankten Kläger Dewayne "Lee" Johnson, der Monsanto-Unkrautvernichter wie Roundup und Ranger Pro für seinen Lymphdrüsenkrebs verantwortlich macht. Er muss bis 7. Dezember mitteilen, ob er weniger Schadenersatz akzeptiert. Johnson dürfte nach Einschätzung seiner Ärzte wegen der Krebskrankheit nicht mehr lange leben, deshalb hatte er in Kalifornien Anrecht auf einen schnelleren Prozessbeginn. In den USA laufen Tausende weiterer Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch Glyphosat gegen Monsanto.

Geschworene für hohe Strafe

Die Jury hatte weitgehend der Klägerseite zugestimmt und es nicht nur als erwiesen angesehen, dass Monsantos Produkte Krebs verursachen, sondern auch, dass der Hersteller vor den Risiken nicht ausreichend gewarnt und dabei sogar vorsätzlich gehandelt habe. Die Richterin empfand jedoch insbesondere den sogenannten Strafschadenersatz von 250 Millionen Dollar - der Großteil der zunächst verhängten Gesamtzahlung - als zu hoch.

Ob Monsantos Verkaufsschlager Roundup Krebs verursacht, ist hoch umstritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte den Unkrautvernichter 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen ein. Monsanto und Bayer weisen dies vehement zurück und verweisen auf "mehr als 800 wissenschaftliche Studien, die US-Umweltbehörde EPA, die nationalen Gesundheitsinstitute und Aufseher weltweit", die dem Unternehmen zufolge besagen, dass Glyphosat keine Krebsrisiken birgt.

Ein heikles Urteil für Bayer

Für Monsantos Konzernmutter Bayer, die den US-Saatgutriesen mit Sitz in St. Louis erst Mitte des Jahres für rund 63 Milliarden Dollar übernommen hatte, ist die Entscheidung des Gerichts von enormer Bedeutung. Denn in den USA laufen rund 8700 Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch Glyphosat gegen Monsanto.

Bayer muss sich nun mit ihnen auseinandersetzen. Der Fall Johnson ist besonders brisant, da es sich um das erste Urteil handelt, das richtungsweisend für die zahlreichen weiteren Klagen sein könnte. An der Börse zeigten sich die Folgen des Urteils unmittelbar: Der Kurs der Bayer-Aktie gab in Frankfurt am Morgen um mehr als acht Prozent nach.