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Glyphosat-Prozess: Bayer muss Milliarden zahlen | BR24

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Bayer verliert dritten wichtigen Prozess um Glyphosat: Eine Jury in Kalifornien hat den Chemiekonzern zu rund 1,8 Milliarden Euro Schadenersatz verurteilt. Geklagt hatten zwei krebskranke Rentner.

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Glyphosat-Prozess: Bayer muss Milliarden zahlen

Der Pharmakonzern Bayer hat in den USA den dritten Prozess um den Unkrautvernichter Roundup verloren. Bayer-Tochter Monsanto muss zwei Milliarden Dollar Schadenersatz zahlen. Der Konzern will in Berufung gehen.

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Die Summe ist gewaltig, in den USA aber durchaus üblich. Mehr als zwei Milliarden US-Dollar soll die Bayer-Tochter Monsanto an Strafschadenersatz zahlen. Damit soll im US-Recht ein Täter bestraft und davon abgehalten werden, eine Tat zu wiederholen.

Hinzukommen kommen nochmals 55 Millionen Dollar als Schadenersatz für das betroffene Ehepaar. "Monsanto leugnet weiter, dass das Mittel Krebs verursacht", sagte deren Rechtsanwalt Brent Wisner. "Diese zwei rechtschaffenen Menschen sind Opfer dieser Annahme geworden." Monsanto, beziehungsweise Konzernmutter Bayer, müsse endlich Verantwortung für ihr Produkt übernehmen.

Beide Kläger mehrfach an Krebs erkrankt

Geklagt hatten Alva und Alberta Pilliod, ein Renterehepaar aus Livermore, einer Kleinstadt 70 Kilometer östlich von San Francisco. Er ist 76 Jahre alt, sie ist 74. Beide waren in den vergangenen Jahren mehrfach an Krebs erkrankt, so Rechtsanwalt Michael Miller. "1982 haben sich beiden ein Haus gekauft und wollten vor der Garageneinfahrt das Unkraut fernhalten. Sie haben Roundup versprüht."

Niemand hätte dem Paar gesagt, dass Roundup gefährlich sei, sagte Miller. "Sie haben die TV-Werbung gesehen und gedacht, sie könnten der Firma vertrauen."

Nach Darstellung seiner Anwälte ist das Ehepaar am sogenannten Non-Hodgin Lymphom erkrankt, einer bösartigen Krebsform des lympahtischen Systems. "Alva hatte Non-Hodgin Lymphome im Jahr 2011. Sie haben dennoch weitergesprüht. Bei Alberta traten 2015 im Gehirn Non-Hodgin-Lymphome auf. 2016 ist sie ein weiteres Mal daran erkrankt.

Die Jury beriet zwei Tage lang

Erst als sie die Anzeige eines Rechtsanwalts gesehen hätten sei ihnen klar geworden, dass es eine Verbindung zwischen Non-Hodgin und Roundup gebe. "Alberta braucht jeden Monat Medikamente im Wert von 21.000 Dollar oder sie stirbt."

Die Jury des Obersten Gerichts in Oakland hatte nicht einmal zwei Tage für seine Beratungen gebraucht. Es ist bereits der dritte Schuldspruch innerhalb weniger Monate für Monsanto. Weitere Prozesse werden folgen. Inzwischen liegen in den USA mehr als 13.000 Klagen gegen Monsanto vor.

"Das heutige Urteil hätte nicht deutlicher ausfallen können" sagte Rechtsanwalt Wisner. Bayer müsse sein Verhalten ändern, so könne der Konzern nicht weitermachen, appellierte er. "Ich hoffe in Gottes Namen, dass ich hier nicht nochmal in sechs Monaten oder einem Jahr mit einer anderen Person stehen muss, die ein Opfer dieses Betrugs wurde. Monsanto muss sich ändern. Drei Urteile sind gesprochen."

Bayer von der Entscheidung "enttäuscht"

Man sei von der Entscheidung enttäuscht, erklärte Bayer in einer Stellungnahme. Das Urteil der Jury stehe in direktem Widerspruch zu der Einschätzung der US-Umweltbehörde EPA, die erst im vergangenen Monat im Rahmen der vorläufigen Zulassungsüberprüfung veröffentlicht worden sei.

Deshalb wolle man dieses Urteil anfechten. Unterstützung erhält Bayer von Juraprofessor David Levine von der Universität von Kalifornien. Levine glaubt, dass das Urteil revidiert wird: Der Strafschadenersatz in Höhe von zwei Milliarden und der Schadenersatz in Höhe von 55 Millionen Dollar stünden in keinem Verhältnis.

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  • Marcus Schuler
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