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Globale Forschung: Söder befürchtet "kalten technischen Krieg" | BR24

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Mehr Tempo wünscht sich Bayerns Staatsregierung für Wissenschaft und Forschung. Ministerpräsident Söder hatte dafür bereits eine 2 Milliarden Euro schwere Hightech-Agenda vorgelegt.

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Globale Forschung: Söder befürchtet "kalten technischen Krieg"

Beim Hightech-Gipfel in München kamen hunderte Wissenschaftler zusammen. Ministerpräsident Söder betonte vor Ort, es entwickle sich ein neuer globaler Wettbewerb um Technologie und Forschung, womöglich sogar ein "kleiner, kalter technischer Krieg".

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Unter dem Slogan "Vorfahrt für Forschung" möchte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den Freistaat als Wissenschafts- und Innovationsstandort zukunftsfest machen. Die Investitionen sind für Söder im neuartigen globalen Wettbewerb schlicht notwendig, denn es gebe "einen Wettbewerb, nicht wie früher ums Wettrüsten oder ein Wettbewerb um niedrigere, schlechtere Arbeitsbedingungen. Sondern es gibt einen Wettbewerb um Technologie und Forschung und ich befürchte auch, um technologische Dominanz", sagte Söder auf dem sogenannten "Hightech-Summit" in München. Wenn man sich anschaue, wie sich die Welt in der Forschung bipolar – zwischen Partnern in den USA und in China – entwickle, könne daraus ein neuer Wettbewerb entstehen, schlussfolgerte Söder und sagte: "Vielleicht sogar ein kleiner, kalter technischer Krieg."

Söder für mehr High-Tech-Investitionen

Damit Deutschland in der technologischen Entwicklung vorne bleibt, braucht es für Markus Söder größere High-Tech-Investitionen in ganz Deutschland. Beim ultraschnellen Druckluft-Röhrenzug etwa seien die Forscher der Münchner TU Weltspitze, so Söder. Wenn man dann aber sehe, dass den Hyperloop die Chinesen bauten, da brauche es schon ein bisschen mehr "Schwung und Dampf und Kraft und Bereitschaft dafür", sagte der Ministerpräsident. Deshalb sieht Söder den Hightech-Gipfel auch als Signal in Richtung Deutschland: "Es muss nicht sein, dass die Bayern es immer besser machen. Aber einen kleinen Impuls zu setzen, wie man es machen kann, das wollen wir ehrlich gesagt schon", so Söder.

"Forschen, wo andere Urlaub machen"

Ob Künstliche Intelligenz oder Robotik – in Bayern sollen die besten Forscher arbeiten, damit Mittelstand und Großbetriebe wie BMW, Microsoft oder Siemens auch in Zukunft Fachkräfte finden und erfolgreiche Produkte entwickeln. Ministerpräsident Söder will die Forscherelite aber nicht nur mit Geld und 100 neuen Lehrstühlen für Künstliche Intelligenz in die vernetzte bayerische Hochschullandschaft locken – für Bayern sprächen auch Hochkultur und schöne Landschaft. "Jeder, der sich in Großbritannien nicht mehr wohl fühlt: zu uns. Jeder, der in seinem Land glaubt, dass seine Forschung ständig reguliert und geleitet wird und vielleicht auch politisch bewertete wird: zu uns. Bei uns gibt es für alles die Freiheit zu forschen. Forschen, wo andere Urlaub machen. Was für eine gute Idee", sagte Ministerpräsident Söder.

Siemens-Chef Kaeser: "Den sozialen Frieden nicht vergessen"

Joe Kaeser, Chef des Siemens-Konzerns, der allein in Bayern 62.000 Menschen beschäftigt, lobte die bayerische HighTech-Initiative. Er warnte aber, man dürfe bei aller HighTech-Euphorie die Menschen und den sozialen Frieden nicht vergessen. Beispiel Silicon Valley in Kalifornien, mit seinen vielen Obdachlosen: Dort habe sich die Hightech-Branche von der normalen Bevölkerung abgegrenzt, so Kaeser. Es gebe keine Symbiotik der Gesellschaft mehr. Und wenn die Symbiotik in der Gesellschaft nicht mehr da sei, dann gefährde das auf Dauer den sozialen Frieden, sagte Joe Kaeser: "Das ist eine ganz wichtige Geschichte, wenn man über Innovation spricht, das ist auch das Thema Lebensqualität, dass wir miteinander auch umgehen in der Gesellschaft. Und je mehr das abgebildet werden kann, desto stärker ist auch der Wirtschaftsstandort."

Innovation brauche aber auch Geschäft so Joe Kaeser. Der Siemens-Chef appellierte deshalb an die Deutschen künftig die hier erfundenen Hightech-Produkte auch anzunehmen, denn sonst könne man sie später auch nicht erfolgreich ins Ausland verkaufen. Als Beispiel nannte Kaeser hocheffiziente Gasturbinen, wie sie etwa im bayerischen Kraftwerk Irsching stillstehen.