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Kommt hierzulande Fleisch auf den Tisch, dann am liebsten vom Schwein. Landwirte fordern einen angemessen Fleisch-Preis. Nur so könnten sie Tierwohl und Qualität gewährleisten.

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Gierig auf Fleisch – geizig im Preis?

Kommt hierzulande Fleisch auf den Tisch, dann am liebsten vom Schwein. Auch, weil es billig ist. Der Schlachtpreis pro Kilo: unter zwei Euro. Landwirte fordern einen angemessen Fleisch-Preis. Nur so könnten sie Tierwohl und Qualität gewährleisten.

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Von
  • Susanne Fiedler
  • Diana Isabel Geier

Oberflächlich gesehen sieht das Geschäft für Landwirte und Metzger nicht schlecht aus: Obwohl der Verzicht von Fleisch ein vieldiskutiertes Thema ist, essen immer noch rund 88 Prozent aller Menschen in Deutschland Fleisch. Das hat eine Umfrage der Statista Global Consumer Survey ergeben. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland täglich über zwei Millionen Tiere geschlachtet - darunter 1,7 Millionen Hühner und 151.000 Schweine.

Wie billig darf Fleisch sein?

Discounter werben jede Woche mit billigen Fleischangeboten – oft aus fernen Ländern importiert. Immer wieder gerät Billigfleisch in die Schlagzeilen. Die prekären Zustände und Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen wurden im Zuge der Corona-Pandemie wieder öffentlich – auch das eine Nebenwirkung der billigen Fleischpreise. All das setzt landwirtschaftliche Betriebe unter Druck.

Wie Landwirt Reinhard Herb aus Sielenbach. Er ist einer der großen Bauern in der Gegend, den Betrieb hat er bereits an seinen Sohn weitergegeben. Die Herbs halten 1.500 Schweine, 40.000 Hühner und 150 Mastbullen. Gerade haben Vater und Sohn 200.000 Euro in einen neuen Schweinestall investiert. Sie sind Bauern mit Leib und Seele.

Dass der Schweinefleischpreis trotz der harten Arbeit im Keller ist, macht dem Landwirt schwer zu schaffen: "Die Bauern sind aktiv, sie wollen den Tieren mehr Platz, mehr Licht und Raufutter geben - alles, was gefordert wird. Der Verbrauer will das ja gerne bezahlen, sagt man so, aber warum funktioniert es nicht?" Das eigentliche Problem seien Discounter und Supermärkte, ist Reinhard Herb überzeugt: "Daher kommt dann das 'Geiz ist Geil' - aber wir brauchen einfach mehr Geld, um Tiere so gut halten zu können wie hier."

Proteste der Landwirte für faire Preise

Landwirte in ganz Deutschland hatten im Dezember 2020 mit Traktoren vor den Discounter-Zentrallagern für höhere Preise ihrer Erzeugnisse demonstriert. Insbesondere der Preis für Schweinefleisch ist stark gesunken. Verantwortlich dafür ist vor allem der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest unter deutschen Wildschweinen – viele Länder importieren aktuell deshalb kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland. Die Preise brechen ein.

Der Deutsche Bauernverband forderte im Dezember 2020, die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Handel bedürfe "neuer Rahmenbedingungen und einer grundlegenden Veränderung". Das Forderungspapier richtete sich an die großen Discounter in Deutschland.

Der Fleischhunger in Deutschland

Die Gier nach Fleisch ist in Deutschland groß. Etwa 60 Kilo Rind, Kalb und Schwein verspeist jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr. In der Metzgerei von Werner Braun in Wiedenzhausen stammt jedes geschlachtete Tier aus der Region. Massenware möchte Braun seinen Kunden nicht bieten: "'Der Metzger ist teurer' - das kann ich so nicht gelten lassen. Wir bewerben ja: 'Leute, esst weniger Fleisch. Aber esst bewusster Fleisch und dann nur einmal die Woche.'" Für Metzger Braun das Credo von Nachhaltigkeit und Umweltschutz. "Der Kunde muss bewusster werden oder wir müssen das beim Kunden erreichen, dass er bewusster wird und das er einfach das Regionale zu schätzen lernt." Denn Qualität hat ihren Preis.

Landwirt Reinhard Herb hofft auf 10 bis 20 Cent mehr pro Kilogramm Schweinefleisch. Eigentlich eine geringe Summe. Wenn die Preise weiterhin gedrückt werden, rechnet der Bayerische Bauernverband damit, dass immer mehr der landwirtschaftlichen Betriebe aufgeben müssen. Noch kümmern sich zu viele Verbraucher zu wenig um die Produktionsbedingen von Fleisch. Wenn der Grill tausend Euro kostet, ist das für viele kein Problem – dafür spart man offenbar am Fleisch, das dann darauf landet.

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