BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Gewerkschaften und Arbeitgeber begrüßen Homeoffice-Verordnung | BR24

© BR / Birgit Harprath
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie müssen Arbeitgeber Homeoffice überall ermöglichen - wenn es die Tätigkeit zulässt.

22
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Gewerkschaften und Arbeitgeber begrüßen Homeoffice-Verordnung

Zu den Maßnahmen, die Bund und Länder gestern zum Infektionsschutz verabschiedet haben, gehört auch die Pflicht für Arbeitgeber, wo möglich, Homeoffice anzubieten. Arbeitgeber und Gewerkschaften in Bayern reagieren unterschiedlich.

22
Per Mail sharen
Von
  • Birgit Harprath
  • Stefanie Wagner

Wer zu Hause arbeitet, der kann Kolleginnen und Kollegen nicht anstecken - und auch keine anderen Fahrgäste auf dem Weg mit Bus oder Tram zur Arbeit. Darum müssen – befristet bis 15. März – Arbeitgeber den Beschäftigten Homeoffice ermöglichen. Darauf haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten am Montagabend geeinigt. Allerdings gilt die Verordnung nur, wenn die Tätigkeit es auch zulässt und keine betriebsbedingten Gründe zwingend dagegen sprechen.

Das ist nicht der Zwang ohne Ausnahme, den Arbeitgeber befürchtet hatten. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, betont, dass die Unternehmen sich ihrer Verantwortung bewusst sind und Homeoffice nutzen, wo es möglich sei. Er begrüßt vor allem, dass etliche erst angedachten Auflagen nicht weiterverfolgt werden und die Verordnung bis Mitte März befristet ist. Die geplanten steuerlichen Anreize seien besser als gesetzliche Regelungen.

DGB Bayern begrüßt Homeoffice-Verordnung

Der DGB in Bayern steht hinter der Verordnung aus dem Bundesarbeitsministerium. Ihm ist wichtig, dass Mitarbeiter nicht zum Homeoffice gezwungen werden können. Die Arbeitsform muss freiwillig bleiben, sagt Verena di Pasquale, DGB-Vize in Bayern, auf BR-Anfrage. Dass Beschäftigte nicht zum Homeoffice gezwungen werden können, hängt mit dem Grundgesetz zusammen. Das garantiert den Schutz der eigenen Wohnung - und nicht jede eignet sich für das Arbeiten von zu Hause aus.

Die Gewerkschaften rufen die Beschäftigten aber auf, vom Angebot auf Homeoffice nun auch Gebrauch zu machen, um Kontakte entscheidend zu reduzieren und das Infektionsgeschehen deutlich zu senken. So forderte etwa die Gewerkschaft Verdi Bayern am Mittwoch, insbesondere die öffentlichen Verwaltungen sollten beim Thema Homeoffice mit gutem Beispiel vorangehen.

Viele kommunale Mitarbeiter arbeiten bereits im Homeoffice

Denn genau das tun schon zahlreiche Kommunen. In den Verwaltungen von Ingolstadt und Eichstätt beispielsweise sind mittlerweile 40 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice. In Augsburg sind es rund ein Drittel der 6.700 städtischen Beschäftigten. Und im schwäbischen Dillingen arbeitet sogar die Hälfte der Verwaltung von zuhause, sagt Oberbürgermeister Frank Kunz. Auch wenn das natürlich nicht in allen Arbeitsbereichen möglich sei. "Da wo es geht wollen wir es als Stadt auch machen, seit März 2020 bieten wir Homeoffice an", so Kunz.

Nicht für alle Branchen ist Homeoffice möglich

Doch es gibt auch Grenzen: Für Beschäftigte beispielsweise von Bauhof, Müllabfuhr oder Zulassungsstelle ist das Arbeiten zuhause schlicht nicht machbar. Und unter anderem im Landkreis Rosenheim gibt es noch ein weiteres Problem: Es fehlt an Hardware fürs Homeoffice, sprich an Laptops und Computern. Die Mitarbeiter müssen so teils mit ihren privaten Geräten arbeiten. An denen wiederum nicht alle Zugänge funktionieren.

Abgesehen von der technischen Herausforderung sieht die Industrie- und Handelskammer Oberpfalz eine Homeoffice-Pflicht besonders für Industrie-Betriebe kritisch."Eine Krankenschwester kann genauso wenig ins Homeoffice wie die produzierenden Kollegen in der gewerblichen Wirtschaft. Da wo es nicht geht, geht’s halt nicht", meint Geschäftsführer Jürgen Helmes.

Und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hält die Verpflichtung zum Homeoffice gar für nicht notwendig: Schon jetzt würden rund 72 Prozent der Beschäftigten, bei denen Homeoffice möglich ist, auch tatsächlich von zu Hause aus arbeiten. Das entspreche der Quote vom Frühjahr. Zu einem anderen Ergebnis kommt die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, laut einer jüngsten Umfrage arbeitet nur jeder fünfte bisher von zu Hause aus.

Bei Fragen zum Homeoffice an Betriebsrat oder Vorgesetzte wenden

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat gleich heute im Kabinett die beschlossene Verordnung zum Homeoffice präsentiert. Er rät den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sich zunächst einmal an den Vorgesetzten zu wenden oder den Betriebsrat, sofern vorhanden, anzusprechen. Ob die Betriebe ihrer Pflicht zum Homeoffice nachkommen, soll kontrolliert werden. Nur im allergrößten Notfall seien auch Bußgelder denkbar.

Arbeitsschutz soll ausgebaut werden

Wo Homeoffice nicht möglich ist, soll der Arbeitsschutz entsprechend ausgebaut werden. Dazu gehören Mund-Nase-Masken, die der Arbeitgeber stellen muss.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!