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Gesunde Ernährung: Kinderpunsch besser selber machen | BR24

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Kinderpunsch aus dem Supermarkt - eine bequeme Variante für die Adventszeit. Doch Verbraucherschützer warnen: In den Discounterprodukten steckt viel Zucker. Eine Münchner Schulklasse hat Produkte unter die Lupe genommen.

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Gesunde Ernährung: Kinderpunsch besser selber machen

Kinderpunsch aus dem Supermarkt - eine bequeme Variante für die Adventszeit. Doch Verbraucherschützer warnen: In den Discounterprodukten steckt viel Zucker. Eine Münchner Schulklasse hat Produkte unter die Lupe genommen.

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Was für die Großen der Glühwein, ist für die Kleinen der Kinderpunsch. Alkoholfrei natürlich, und jetzt vor Weihnachten besonders beliebt. Auch bei den Mädchen und Jungen der Klasse 2b der Münchner Bernaysschule. Mit ihrer Lehrerin Helge Retzler nehmen sie das Thema Ernährung durch. Die Frage: Wie gesund ist ein Kinderpunsch vom Discounter?

Bevor die jungen Forscher die Inhaltsstoffe analysieren, wollen sie natürlich erst mal probieren. "Ich finde, dass der ein bisschen süß ist, und mit viel Tee und auch viel Zucker“, sagt ein Junge aus der Klasse. "Der schmeckt grauenvoll", findet eine Mitschülerin. Wir wollten wissen, woran das liegt.

Viel höherer Zuckergehalt in Discounterprodukten

Am Münchner und auch am Nürnberger Weihnachsmarkt haben wir zum Vergleich an zwei Ständen Kinderpunsch gekauft und in Probefläschchen gefüllt. Alle Proben haben wir ins Weinlabor nach Kitzingen gebracht. Das kann die Zuckerwerte genau analysieren. "Unsere Analyse zeigt, dass wir deutlich weniger Zucker gefunden haben als bei der Flaschenware aus dem Supermarkt", so Laborleiter Peter Vogel.

"Wir haben da ein Drittel weniger Zucker gefunden. In den Flaschen im Supermarkt haben wir 110 bis 120 Gramm gefunden. Und wir haben jetzt bei der ersten Probe vom Weihnachtsmarkt zum Beispiel 53 Gramm Zucker, das ist ja schon weniger als die Hälfte." Peter Vogel, Das Weinlabor, Kitzingen

Verbraucherexpertin: Kinderpunsch vom Discounter kann zu unausgewogener Ernährung führen

Was wir im Weinlabor feststellen, deckt sich durchaus mit der Erfahrung der Kinder der Klasse 2b in München. Sie haben drei Sorten Kinderpunsch aus dem Supermarkt probiert. Alle drei sind ihnen zu süß. Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern ist zu Gast. 35 Würfel Zucker, berichtet sie den Kindern, stecken in einer der Proben. In den beiden anderen sogar noch mehr. Im Bio-Produkt sind es am meisten: 38 Stück pro Liter.

Kinderpunsch enthält oft extrem zuckerhaltige Bestandteile wie Trauben- oder Holundersaft. Die Expertin erklärt die negative Auswirkung auf die Ernährung so:

"Das große Problem beim Zucker ist ja, dass er uns Kalorien, also Energie liefert, aber keine Vitamine oder Mineralstoffe. Die Ernährungswissenschaftler nennen das auch gerne 'leere Kalorien'. Und je mehr ich von diesen leeren Kalorien aufnehme, desto problematischer wird es, meinen Vitamin- und Mineralstoffbedarf täglich zu decken. Deswegen sagt man, dass Kinder möglichst wenig Zucker aufnehmen sollten, also, zuckerhaltige Lebensmittel. Man gibt da immer die Faustregel: eine Handvoll Zuckerwaren, Süßwaren, reicht am Tag." Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

In Getränken wie im Kinderpunsch aus dem Supermarkt ist oft schon mit einer Tasse die empfohlene Zucker-Tagesdosis erreicht. Teils enthalte der Discounter-Kinderpunsch sogar mehr Zucker als Cola, so Daniela Krehl. "Es ist schnell getrunken und man hat sehr schnell Kalorien aufgenommen, die dann doch auch zur Fettleibigkeit bei Kindern führen können", gibt die Verbraucherexpertin zu bedenken.

Problemlösung: Punsch selber machen

Gut, dass es für die Klasse 2b noch eine ganz andere Möglichkeit gibt: den selbstgemachten Kinderpunsch von Nicole Linner, der Mutter eines der Schulkinder.

Eigentlich geht es ganz einfach: Man erwärme keine Fertigware, sondern bereite mit Teemischung und frischgepresstem Orangensaft einen eigenen Trunk zu. Bei den Kindern der Klasse 2b kommt das Ergebnis gut an. Auch die Lehrerin ist zufrieden. Sie möchte die Kinder darin unterstützen, sich bei zuckerhaltiger Nahrung eigenständig Grenzen zu setzen.

"Gerade zu Weihnachten gehört es ja auch zu unserer Tradition, dass wir Plätzchen und Lebkuchen essen und dann eben auch Kinderpunsch dazu trinken. Und da kommt schon eine ganze Menge Zucker zusammen. Natürlich kann man es den Kindern nicht gänzlich verbieten, aber es ist schon wichtig, dass die Kinder reflektiert damit umgehen und ein Gespür dafür bekommen, was ist jetzt zu viel und was kann ich mit gutem Gewissen genießen." Helge Retzler, Grundschule an der Bernaysstraße, München

Nicole Linners Kinderpunsch-Variation enthält auf einen ganzen Liter gerade mal 18 Gramm Zucker. Ein weiterer Vorteil: Von diesem Trunk können die Kinder völlig bedenkenlos eine zweite Tasse genießen.