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Germania-Insolvenz: Das sind die Rechte der Fluggäste | BR24

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Die Insolvenz von Germania hat viele Kunden völlig unvorbereitet getroffen. Viele Fluggäste erfuhren erst in der Abflughalle von der Pleite der Berliner Airline.

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Germania-Insolvenz: Das sind die Rechte der Fluggäste

Wie geht es nach dem Insolvenzantrag der Airline Germania weiter? Hier erfahren Fluggäste, wer ihre Ticket-Preise erstattet, ob Schadenersatz-Ansprüche bestehen und welche Kosten ein Reiseveranstalter erstatten muss.

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Wer erstattet die Ticket-Preise?

Laut Gesetzeslage haben die Fluggäste nach der Insolvenz einer Fluggesellschaft einen Anspruch auf Rückzahlung der Ticket-Kosten. Der Haken: Germania zahlt nicht direkt aus, sondern alle Ansprüche wandern zuerst einmal zum Insolvenzverwalter. Der nimmt alle Forderungen entgegen. Am Ende des Insolvenzverfahrens bekommen die Fluggäste dann erst Bescheid, wie hoch der Erstattungsbetrag ist. Im Fall der Fluggesellschaft Germania prüft derzeit das Amtsgericht Charlottenburg ein Insolvenzverfahren und wird bald einen vorläufigen Insolvenzberater einsetzen – das Amtsgericht hat bereits Erfahrungen aus der Pleite von Air Berlin. Trotzdem heißt es erstmal abwarten, bis der vorläufige Insolvenzverwalter feststeht.

"Wenn Sie ein Ticket gekauft haben, ist der Vertragspartner Germania leider quasi dahingeschieden. Kein Erbe nimmt die anfallenden Kosten in Haftung. Diese Kosten kann der Fluggast nur beim Insolvenzverwalter anmelden – Wie hoch die Ansprüche letztlich sind kommt darauf an, wie hoch die Fluggesellschaft insgesamt verschuldet ist und welche Gläubiger bedient werden müssen." Paul Degott, Spezialanwalt für Tourismusrecht

Flug als Teil einer Pauschalreise - Ansprüche gegen Reiseveranstalter?

Besser sieht die Sache für die Fluggäste aus, wenn das Germania-Ticket Teil einer Pauschalreise war. Da hat nämlich der Fluggast keinen Vertrag mit der Fluggesellschaft, sondern mit dem Reiseveranstalter. Im Rahmen dessen ist der Reiseveranstalter verpflichtet, die vereinbarten Flugleistungen zu erbringen - in den Urlaubsort und auch wieder zurück.

"Pauschalreisen sind eine völlig andere Hausnummer: Der Veranstalter ist in der Pflicht, denn er hat sich ja den Vertragspartner ausgesucht. Jetzt muss er Geld aus der eigenen Tasche in die Hand nehmen und sich um eine Umbuchung kümmern oder den Kunden entschädigen." Paul Degott, Spezialanwalt für Tourismusrecht

Denn welche Fluggesellschaften der Reiseveranstalter engagiert, ist letzten Endes sein unternehmerisches Risiko. Engagiert er eine Pleite-Airline, ist er verpflichtet, Ersatz zu schaffen.

Wie sieht es mit Schadenersatz gegenüber der Airline und dem Reiseveranstalter aus?

Hat der Fluggast bei einem Reiseveranstalter ein Gesamtpaket gebucht, in dem ein Germania-Flug inbegriffen war, muss sich der Reiseveranstalter um Ersatz kümmern. Und wichtig: Dabei können sogenannte „Minderungsansprüche“ der Reisekunden aus dem jeweiligen Pauschalreisevertrag entstehen. Sprich: Auch Ansprüche auf Schadenersatz. Dann nämlich, wenn nutzlos Urlaubszeit verstreicht, also Urlaubstage verloren gehen oder der Fluggast den Transfer vom Heimatflughafen zum geänderten Flughafen bezahlen musste. Schadenersatz gegen die Airline Germania selbst kann man als Fluggast allerdings vergessen. Grund: Dadurch, dass die Fluggesellschaft Insolvenz beantragt hat, sei der Vertragspartner quasi ausgelöscht und damit auch der Anspruch auf Schadenersatz, so der Spezialanwalt für Tourismusrecht Paul Degott.

Sendung

B5 Wirtschaft und Börse

Autor
  • Johannes Lenz
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