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German Property Group: Immobilienskandal größer als angenommen

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    German Property Group: Immobilienskandal größer als angenommen

    Der mutmaßliche Anlegerbetrug um die Immobilienfirma German Property Group weitet sich aus: Der Insolvenzverwalter spricht von Geldflüssen im Milliardenbereich. Unter Druck gerät nun auch die Bafin, die sich lange Zeit nicht zuständig fühlte.

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    Von
    • Nils Naber
    • Anna Klühspies

    In dem mutmaßlichen Betrugsskandal um den insolventen Immobilienentwickler German Property Group (GPG), ehemals Dolphin Trust, geht es offenbar um deutlich mehr Geld als bislang angenommen. Es könnte sich um Zahlungsströme von bis zu drei Milliarden Euro handeln, die über ein Unternehmen der Firmengruppe abgewickelt wurden, das ergaben Recherchen von NDR, BR und SZ.

    Der Insolvenzverwalter der German Property Group, Justus von Buchwaldt, spricht von Geldflüssen im Milliardenbereich, die schwer nachvollziehbar seien. Über seinen Anwalt bestreitet der frühere Geschäftsführer und Gründer Charles Smethurst allerdings Zahlungsströme in einer Höhe von mehr als drei Milliarden Euro.

    Geld in die Karibik abgeflossen?

    Die Spuren des Geldes führen nach neuesten Recherchen bis in die Karibik. In Irland ist ein Anwalt über einen Zufallsfund auf dutzende Kisten mit Dokumenten gestoßen, die möglicherweise das Ausmaß der Geldschiebereien der niedersächsischen Firma deutlich machen. Es sieht so aus, als seien von Irland aus innerhalb weniger Monate viele Millionen Euro auf Konten einer Firma mit dem Namen DT Cayman auf den Cayman Islands geflossen. Wie viel Geld insgesamt diesen Weg genommen hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Charles Smethurst räumt über seinen Anwalt ein, Geschäftsführer der DT Cayman zu sein, bestreitet aber, dass die DT Cayman jemals ein Konto besaß.

    Verbleib von Anlegergeldern unklar

    Hunderte Millionen Euro Anlegergeld sind weiterhin unauffindbar. Dem gegenüber stehen Immobilien, die Dolphin im Namen der Anleger in Deutschland erworben hatte, viele der Gebäude sind verfallen. In Bayern sind unter anderem denkmalgeschützte Gebäude in Bamberg, Augsburg, Bad Aibling und Reichertshofen bei Ingolstadt betroffen. In Schönthal in der Nähe von Cham verfällt seit Jahren das Wahrzeichen des kleinen Ortes, das ehemalige Kloster.

    Bürgermeister Ludwig Wallinger hat sich schon immer über den Immobilienentwickler aus der Nähe von Hannover gewundert: "Man hat dieses Objekt gekauft für eine Millionen Euro und hat es vorher überhaupt nicht angeschaut." Es sei ihm suspekt vorgekommen, eine Immobilie zu kaufen, ohne zu wissen, was man da genau erwerbe. Durch das Insolvenzverfahren könnte das Kloster nun einen neuen Eigentümer finden, es gibt wohl schon einen Interessenten, der das Kloster in ein Hotel umbauen möchte.

    Isolvenzverwalter vermutet Schneeballsystem

    Der Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt schätzt, dass durch den Verkauf von rund 50 Immobilien der GPG wahrscheinlich rund hundert Millionen Euro eingenommen werden könnten. "Das ist ein Bruchteil dessen, was bei den Anlegern irgendwann eingeworben worden ist", sagt von Buchwaldt.

    Smethurst geht dagegen von einem weit höheren Wert der Immobilien aus. Nach bisherigen Erkenntnissen des Insolvenzverwalters wurden bei den Anlegern etwas mehr als eine Milliarde Euro eingeworben. Justus von Buchwaldt geht davon aus, dass es sich bei dem Geschäftsmodell der GPG um ein Schneeballsystem handele, da das Geld der Anleger nicht wie versprochen in Immobilien investiert, sondern zur Befriedung anderer Anleger verwendet worden sei.

    Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt

    Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt derzeit gegen Charles Smethurst wegen des Verdachts des Betrugs und der Insolvenzverschleppung. Obwohl seit Ende 2019 Strafanzeigen vorliegen, fanden erst im März 2021 Hausdurchsuchungen statt, unter anderem in Smethursts Privathaus in Niedersachsen.

    Sein Anwalt bestätigt die Hausdurchsuchung. Es sei dabei um die "bekannten gegenüber unserem Mandanten erhobenen Vorwürfe" gegangen. Smethurst ist weiterhin auf freiem Fuß, da er sich gegenüber der Staatsanwaltschaft kooperativ zeige, sehe man bei der Behörde keinen Anlass für einen Haftbefehl, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft gegenüber dem NDR. Es gilt die Unschuldsvermutung.

    Die Rolle der Bafin

    Im Skandal um die German Property Group steht auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) unter Druck. Nach Recherchen von NDR, BR und SZ sah sich die Behörde lange Zeit nicht für die Kontrolle der German Property Group zuständig. Auf Nachfrage räumt die Bafin nun allerdings ein, dass das Geschäftsmodell der GPG wahrscheinlich doch ein "erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft" gewesen sei, damit hätte Dolphin von der Bafin eine Bankerlaubnis benötigt. Eine Erlaubnis durch die Bafin hatte die GPG nicht.

    Die Aufsichtsbehörde weist darauf hin, dass sie von den Unregelmäßigkeiten "jedoch erst seit Juni 2020" wisse und damit "zeitlich unmittelbar bevor die German Property Group in Insolvenz ging." Anlegeranwalt Peter Mattil wirft der Behörde vor, viel zu spät reagiert zu haben: "Da hätte sie ganz früh die Notbremse ziehen müssen." Aktuell beobachtet die Bafin weitere Firmen aus dem Umfeld von Smethurst.

    Versprechen an Anleger: Renditen bis zu 15 Prozent

    Nach Recherchen von NDR, BR und SZ hat der ehemalige Geschäftsführer und Gründer der GPG gegenüber der Staatsanwaltschaft bereits "Fehler" eingeräumt. In einem Brief an einen Anleger-Anwalt schreibt er, er habe bei Investoren noch Geld eingeworben, als bereits klar war, dass "kein weiteres Kapital eingesammelt werden durfte".

    Die German Property Group aus Langenhagen bei Hannover warb jahrelang damit, ein Spezialist für die Entwicklung denkmalgeschützter Immobilien in Deutschland zu sein. Diese sollten renoviert und dann teuer an zahlungskräftige Kunden hierzulande verkauft werden. Für das Geschäft warb das Unternehmen jahrelang nahezu ausschließlich im Ausland um Anleger und bot Renditen von bis zu 15 Prozent innerhalb weniger Jahren an. Faktisch wurde nach Recherchen von NDR, BR uns SZ bei vielen Objekten nicht nennenswert gebaut oder renoviert.

    Am Ende glaubten rund 15.000 bis 20.000 Anleger den Versprechen der GPG. Viele Anleger stammen aus Großbritannien und Irland sowie aus Asien. Im Sommer vergangenen Jahres musste die GPG schließlich Insolvenz anmelden.

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