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Geldwäsche: Ermittler sichern Unterlagen bei Deutscher Bank | BR24

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Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat bei der Deutschen Bank Unterlagen gesichert, wie ein Sprecher der Behörde dem BR auf Anfrage bestätigte. Hintergrund ist der Geldwäscheskandal bei der dänischen Dankse Bank.

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Geldwäsche: Ermittler sichern Unterlagen bei Deutscher Bank

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat bei der Deutschen Bank Unterlagen gesichert, wie ein Sprecher der Behörde dem BR auf Anfrage bestätigte. Hintergrund ist der Geldwäscheskandal bei der dänischen Danske Bank.

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Die Deutsche Bank war Ende letzten Jahres ins Visier der Ermittler geraten. Der Ausgangspunkt: ein Geldwäscheskandal in Estland, in den die Danske Bank verwickelt sein soll. Die Ermittler gingen dem Verdacht nach, dass das Institut Geldwäscheverdachtsmeldungen zu spät abgegeben habe.

Staatsanwaltschaft: Deutsche Bank kooperiert mit den Behörden

Auf BR-Anfrage betonte die Staatsanwaltschaft Frankfurt, dass die Deutsche Bank mit den Behörden kooperiere.

Die Bank selbst habe proaktiv 1,1 Millionen Transaktionen als verdächtig gemeldet, sagte ein Behörden-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Bei einer zweistelligen Anzahl von Transaktionen im Gesamtvolumen von 12,5 Millionen Euro, so der Sprecher, gebe es den Verdacht, dass die Deutsche Bank die Verdachtsmeldungen zu spät abgegeben habe oder die Zahlungen von vornherein hätte stoppen müsse.

Die Deutsche Bank war Korrespondenzbank der Danske Bank in Estland. Das deutsche Kreditinstitut erklärte, sie habe den Sachverhalt selbst umfassend aufgearbeitet und die angeforderten Unterlagen soweit möglich freiwillig herausgegeben. Sie werde weiter mit der Staatsanwaltschaft kooperieren.

Spuren nach Dänemark und Estland

Ein Ex-Mitarbeiter der dänischen Bank hatte vor einem Parlamentsausschuss in Kopenhagen das deutsche Kreditinstitut zusammen mit einer US-Tochter schwer belastet. Er sprach von einer großen europäischen Bank, bei der es sich Beobachtern zufolge nur um die Deutsche Bank handeln konnte. Allein sie soll bis zu 150 Milliarden Euro von Estland in die USA weitergeleitet haben.

Das Institut räumte damals ein, man sei als Korrespondenzbank der Danske Bank in Estland tätig gewesen, für die man Zahlungen abgewickelt habe. Man habe die Geschäftsbeziehung aber 2015 beendet, weil verdächtige Aktivitäten festgestellt wurden, heißt es in einer Stellungnahme.

Wie lange die Aktivitäten gingen, und um wie viel Geld es sich handelte, ließ die Deutsche Bank offen. In den USA soll es zwei weitere Korrespondenzbanken gegeben haben. Im bisher größten bekannten Fall von Geldwäsche in Europa, bei dem inzwischen Summen von bis zu 150 Milliarden Euro genannt werden, könnte die Deutsche Bank eine zentrale Rolle gespielt haben. Der frühere Chef der estnischen Filiale, Aivar Rehe, wurde am Mittwoch von der Polizei tot aufgefunden. Sie hatte den Mann seit Montag gesucht.

Drehscheibe für russisches Schwarzgeld

Die Danske Bank hat von 2007 bis 2014 in ihrer Filiale in Estland viele Milliarden unbekannter Herkunft eingesammelt und weitergeleitet. Die baltischen Staaten wurden nach ihrem Euro-Beitritt vor allem von russischen Anlegern als Drehscheibe für Schwarzgeld genutzt. Allein bei der Danske Bank-Filiale in Tallinn sollen 2013 in 80.000 Transaktionen aus Russland und Ländern der früheren Sowjetunion Gelder im Wert von 30 Milliarden Euro gewaschen worden sein.