Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Geldanlage: Vorsicht beim Versprechen "mündelsicher" | BR24

© Rigobert Kaiser, BR

"Mündelsicher" - das klingt vertrauenerweckend und nach hohen Sicherheitsstandards. Anlageberater werben gern mit dem schönen Schlagwort. Doch wer darauf blind vertraut, kann eine böse Überraschung erleben.

1
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Geldanlage: Vorsicht beim Versprechen "mündelsicher"

"Mündelsicher" - das klingt vertrauenerweckend und nach hohen Sicherheitsstandards. Anlageberater werben gern mit dem schönen Schlagwort. Doch wer darauf blind vertraut, kann eine böse Überraschung erleben.

1
Per Mail sharen
Teilen

Seit Jahren leiden deutsche Sparer darunter, dass sie für ihre Guthaben keine Zinsen mehr bekommen. Ein Umstand, der wohl noch einige Jahre andauern wird - zumindest, wenn man auf die aktuelle Zinspolitik der EZB in Frankfurt schaut. Höhere Zinsen gibt es nur bei riskanten Anlagen. Weil viele Anbieter von Investmentfonds genau diesen Zwiespalt kennen, bewerben sie ihre Produkte mit "mündelsicher".

"Mündelsicher": Das steckt dahinter

Mündelsicher ist ein Begriff, der aus dem Vormundschaftsrecht kommt und eine Anlageklasse beschreibt, die als besonders sicher gilt. Genaueres lässt sich im Bürgerlichen Gesetzbuch nachlesen. Im Bürgerlichen Gesetzbuch sind die Vormundschaft, die Pflegschaft und die rechtliche Betreuung geregelt. § 1807 BGB zählt eine Reihe von Anlagemöglichkeiten auf, die alle sehr sicher sind. Aktien und Fonds werden nicht erwähnt.

Stattdessen: Bundesanleihen, Sparbriefe, Tagesgeld bei der Sparkasse oder anderen Kreditinstituten. Aber genau das sind die Kapitalanlagen, die derzeit nur extrem niedrige Zinsen von wenigen Zehntelprozent abwerfen.

Das BGB erlaubt Ausnahmen für riskante Anlagen

Anlageberater haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gerichtlich genehmigen lassen, riskantere Geldanlagen unter dem Stichwort "mündelsicher" anbieten zu können. Auf der Internetseite des Fondsverbandes BVI finden sich unter dem Stichwort "Mündelgeld-Liste" hunderte Urteile, in denen Richter die Anlage in Aktien, Immobilienfonds oder auch Gold gestattet haben.

"Mündelsicher“ sollte im Beratungsprotokoll stehen

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Begriff "mündelsicher"am Ende nicht im Beratungsprotokoll steht, sei hoch, heißt es von der Verbraucherzentrale. Der Anleger kann sich dann vor Gericht nicht darauf berufen oder er hat erhebliche Probleme, das zu beweisen. Deshalb sollte der Begriff "mündelsicher" im Beratungsprotokoll stehen.

"Es wird uns von Verbrauchern geschildert, dass im Beratungsgespräch bei der Finanzberatung der Begriff "mündelsicher" für Produkte verwendet wird. Man muss sich aber klarmachen, da steht aber immer nur die Beurteilung eines Einzelfalls dahinter." Matthias Schmid, Verbraucherzentrale Bayern

Das zu wissen, ist für jeden Sparer wichtig. Sparer sollten noch einmal persönlich oder mit einem Berater von einer Verbraucherzentrale überprüfen, ob die angepriesene Kapitalanlage tatsächlich die geeignete ist.