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Symbolbild: Geldanlegen am Aktienmarkt
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Autoren

Karsten Böhne
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Symbolbild: Geldanlegen am Aktienmarkt

Der Markt der Robo-Adviser wächst derzeit schnell. Einer der größten Anbieter kommt dabei aus München: Scalable Capital.

Am Anfang: Fragen über Fragen

Als erstes müssten die Kunden am Computer eine Menge Daten eingeben. Wie hoch ist der Verdienst, wie viel Geld soll angelegt werden? Und ganz wichtig: Wie hoch darf das Risiko sein? Ist man eher der konservative Anlegertyp oder möchte man zocken?

Diese Daten landen dann zum Beispiel bei Scalable Capital in München, europaweit der Marktführer bei robotergesteuerter Geldanlage. Die Computer stellen mit den Informationen der Kunden eine Anlagestrategie zusammen - und das von ganz allein, auf der Basis von speziellen Algorithmen. Die Mindestanlagesumme liegt bei 10.000 Euro.

Schneller, günstiger und vor allem ohne Emotionen

Erik Poduzweit hat früher bei Goldmann Sachs gearbeitet und dann vor einigen Jahren Scalabale Capital mitgegründet. Sind Computer wirklich die besseren Anlageberater?

"Computer können hier langfristig einen besseren Job machen. Sie sind unemotional und deutlich günstiger. Und sie können Daten und Information schneller und besser auswerten als Menschen." Erik Podzuweit, Scalabale Capital

Der Computer verfällt eben nicht in Panik, wenn die Kurse in den Keller gehen, er analysiert die Situation rein auf der Basis von Daten. Und er passt je nach Entwicklung das Portfolio der Anleger an. Die Menschen sind nur noch da, um die Computer zu programmieren. Das sei für die Kunden günstiger als der Bankberater, sagt Judit Maertsch, die beim Verbraucherservice Bayern das Finanzteam leitet.

"In den Banken bekommen wir oft Produkte, die mit hohen Provisionen belastet sind. Bei den Robo Advisors sind das kostengünstige und transparente Produkte." Judit Maertsch, Verbraucherservice Bayern

Transparent ist auch das Depot. Die Kunden können am Computer ständig nachverfolgen, wie sich die erworbenen Papiere im Wert entwickeln.

Finanztest teilweise zufrieden

Die Zeitschrift Finanztest hat dieses Jahr 14 Robo-Advisors genauer unter die Lupe genommen. Testsieger waren Quirion und Whitebox. Scalable Capital aus München hat ein befriedigend bekommen, drei weitere Anbieter haben mangelhaft abgeschnitten, vor allem wegen ihrer vergleichsweise hohen Kosten.

Auch wenn manch ein Verbraucher noch skeptisch ist, kann die Roboter-Anlage für den Einstieg am Aktienmarkt gut geeignet sein, so der Finanzprofessor Andreas Hackethal von der Goethe Universität Frankfurt.

“Sie kriegen dort ein vorgefertigtes und breit gestreutes Depot. Und das ist erst einmal eine sehr gute Idee. Bei den großen Robo Advisors können sie also erstmal wenig falsch machen. Trotzdem sollte man am Anfang nicht sein ganzes Geld dort anlegen.“ Andreas Hackethal, Goethe Universität Frankfurt

Langsam angehen lassen

Also erst einmal vorsichtig herantasten. Ob die Robo Advisors bei der Wertentwicklung besser oder schlechter als andere Geldanlagen abschneiden, lässt sich übrigens noch nicht sagen, dafür sind sie zu kurz am Markt. Firmengründer Erik Podzuweit weiß, dass er nicht jeden Anleger für sich gewinnen kann.

"Wer nur für ein zwei Jahre Geld anlegen will und keine Risiken aushalten kann, dem ist da generell vom Kapitalmarkt abzuraten. Aber grundsätzlich ist es so, dass Vermögen auf Tagesgeld- und Girokonten derzeit eine Negativverzinsung hat." Erik Podzuweit, Scalabale Capital

Denn die Rendite vieler Anlageformen liegt unter der Inflationsrate – das Vermögen schrumpft. Und deshalb glaubt der Firmengründer an sein Modell und daran, dass es in Zukunft noch mehr Menschen gibt, die auf die Roboter-Geldanlage setzen.

Bei Fragen kann man übrigens auch bei der Hotline der Firma anrufen und mit echten Menschen telefonieren. Denn auch wenn Roboter den Großteil der Arbeit erledigen, ganz auf Beratung verzichten will man dann doch nicht.