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Wer kurzfristig Geld zur Überbrückung braucht und einen Wertgegenstand besitzt, fährt eventuell beim Pfandleiher besser als bei der Bank.

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    Geld gegen Pfand: Eine Alternative zum Ratenkredit

    Selbst während des Lockdowns hatten die Pfandleih-Häuser geöffnet: Wer dringend Bargeld braucht, kann bei ihnen wertvolle Gegenstände abgeben und bekommt dafür einen Geldbetrag ausgezahlt. Für manche ist Pfandleihe besser als ein Ratenkredit.

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    Von
    • Hanna Heim

    Wer sich einmal ganz grundsätzliche Gedanken über Geld machen möchte, dem sei ein Besuch im Pfandleihhaus empfohlen. Noch besser: ein Gespräch mit Thomas Käfer, dem Inhaber eines der größten Pfandleihhäuser in München. Auf der riesigen roten Ledercouch in seinem Büro philosophiert er mit Inbrunst über unsere Konsumgesellschaft. Die hat seiner Meinung nach den Bezug zum Wert des Geldes verloren:

    "Gib nicht mehr Geld aus als du verdienst – eigentlich so eine ganz simple Grundregel. Und diese simple Grundregel, die gibt’s nicht mehr. Die gibt’s nicht mehr bei Staaten, die gibt’s nicht mehr bei Firmen, die gibt’s nicht mehr bei Einzelpersonen. Die ganze Welt ist verschuldet." Thomas Käfer, Käfer's Leihhaus

    Viele überschuldete Kunden

    Dabei gehört auch zur Wahrheit, dass überschuldete Menschen zur Kernklientel des Geschäftsmanns Käfer gehören. Denn wer dringend und kurzfristig Bargeld braucht, der bringt seine Kostbarkeiten gerne zum Pfandleiher. Das System funktioniert ganz anders als ein Ratenkredit von der Bank.

    "Generell ist der Pfandkredit – sagen wir mal so – der gerechteste Kredit, den es überhaupt gibt auf dieser Welt. Sie geben irgendeinen Gegenstand ab. Und das ist ja meistens irgendein Luxusgegenstand. Ob das jetzt ein Smartphone ist für 1.500 Euro, eine Goldkette für 2.000, eine hochwertige Uhr oder eine hochwertige Tasche – das sind alles Luxusgegenstände. Keine Dinge, die irgendein Mensch für seine Existenz benötigt. Das geben Sie in einem Pfandleihhaus ab, dafür kriegen Sie einen Betrag X. Und sollten Sie das nicht mehr abholen können, aus irgendwelchen Gründen, dann sind Ihre Schulden weg und der Gegenstand ist auch weg. Aber Sie sind weiterhin ein freier Mensch." Thomas Käfer

    Pfandleihe als diskrete Bargeld-Beschaffung

    Was Thomas Käfer beschreibt, ist das Prinzip der reinen Sachhaftung. Das ist in der deutschen Pfandleiher-Verordnung festgelegt. Es besagt, dass für das Darlehen, für die Zinsen und Gebühren ausschließlich das Pfand haftet und nicht der Kunde oder die Kundin. Deshalb gilt die Pfandleihe auch als sehr diskrete Bargeld-Beschaffung: kein Hintergrundcheck, keine Schuldenfalle und kein Schufa-Eintrag.

    Einzige Voraussetzung ist, dass der Gegenstand dem Kunden selbst gehört und dass er echt ist. Käfers Aufgabe ist dann das Bewerten. Je höher er den Gegenstand bewertet, desto mehr Zinsen bekommt er vom Pfandgeber. Bewertet er das Pfand aber zu hoch, wird er es womöglich bei einer Versteigerung nicht mehr los und macht so ein Minusgeschäft. Deshalb zählt für ihn auch die Menschenkenntnis. Wer kommt zu ihm?

    "Das sind Leute, die, sagen wir mal so, gerne spontan leben. Spontan auch Geld ausgeben. Viele Frauen auch darunter, die gerne mal irgendwelche Schuhe oder irgendwelche Schmuckstücke sehen und sagen: Die brauche ich jetzt unbedingt. Und das passt halt nicht mehr rein in mein Budget in diesem Monat und die nutzen das Leihhaus einfach als Zwischenfinanzierung." Thomas Käfer, Käfer's Leihhaus

    Zinsen und Gebühren bis 300 Euro sind festgelegt

    Sein eigenes Geld verdient Thomas Käfer über Zinsen und Gebühren. Die sind eindeutig in der Pfandleiher-Verordnung festgelegt. Der Zins darf immer nur ein Prozent betragen. Und die Gebühren sind bei Darlehen bis 300 Euro gestaffelt. Maximal bekommt Herr Käfer nach der Verordnung 6,50 Euro pro Monat, pro Gegenstand. Verleiht er mehr als 300 Euro, sind die Gebühren Verhandlungssache.

    "Es ist ein Massengeschäft. Wenn Sie hundert Euro verleihen und Sie bekommen 3,50 Euro im Monat, dann müssen sie natürlich viel, viel, viel Geld verleihen. Deswegen ist es ja auch unheimlich schwierig ein Leihhaus zu eröffnen, weil Sie unheimlich lange im Minus laufen. Also wir haben hier teilweise bis zu 300 Kunden am Tag." Thomas Käfer

    Schätzungen bei Schmuck oft schwierig

    Käfer ist ursprünglich Juwelier und hat vor gut zwanzig Jahren sein Pfandleihhaus eröffnet – eher aus der persönlichen Krise heraus, erzählt er. Aber heute ist er froh darüber. Das Schätzen, Bewerten und letztlich auch oft Helfen mache ihm Spaß. Bleibt nur noch die Frage, wie der Wert der Gegenstände geschätzt wird. Bei Elektronikartikeln, erzählt Käfer, ist das kein Problem – da gibt es eine Preisempfehlung. Schwieriger wird es bei Schmuck. Wie zum Beispiel bei einem Ring.

    "Es ist kein Unterschied, ob Sie das jetzt toll verpackt haben, da sind wir nicht zu beeindrucken. Was uns vielleicht beeindrucken kann, ist, wenn in dem Ring ein Name steht. Von einer Marke. Einer ganz, ganz großen Weltmarke. Wir rechnen einfach, beispielsweise: Das sind 1,3 Gramm, 14 Karat Gold. Dann rechnen wir den Goldpreis aus von heute. Und dann würden Sie jetzt hier 37,70 Euro, ich würde jetzt aufrunden auf 40 Euro – also einen Kredit von 40 Euro." Thomas Käfer

    In der Corona-Zeit sind auch viele neue Kunden dazugekommen. Gastronomen beispielsweise, oder Menschen aus der Unterhaltungsbranche. Die hatten dann manchmal teure Uhren zu verpfänden und verlängern ihre Pfandleihe immer wieder. Standardmäßig können gepfändete Gegenstände drei, maximal vier Monate im Leihhaus bleiben. Braucht der Kunde länger, um das Geld wieder zu beschaffen, kann das aber individuell vereinbart werden.

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