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Gehen Haushaltsgeräte heutzutage schneller kaputt? | BR24

© pa/dpa/Markus Scholz

Ausrangierte Haushaltsgeräte auf einem Wertstoffhof

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Gehen Haushaltsgeräte heutzutage schneller kaputt?

Alles geht schneller kaputt! Das Verbrauchergefühl ist oft, dass Geschirrspüler, Waschmaschinen oder auch Staubsauger nicht mehr so lange halten wie früher. Belege gibt es dafür schon, aber die Ursache ist nicht unbedingt der geplante Verschleiß.

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Das Gerücht hält sich hartnäckig und nährt sich aus mutmaßlich gehörten oder selbst erlebten Erfahrungen: Die Industrie soll ganz bewusst sogenannte Sollbruchstellen einbauen – in der Fachsprache "geplante Obsoleszenz" genannt – um die Lebensdauer ihrer Produkte auf absehbare Zeit zu begrenzen.

Die Gelackmeierten dabei wären die Verbraucher und die Umwelt. Denn dadurch landen Berge von Schrott der Industriegesellschaften meist wieder in der sogenannten Dritten Welt und gefährden dort und weltweit Mensch und Natur. Neu gekaufte Geräte oder Produkte halten heutzutage angeblich wesentlich weniger lang als früher. Kaum ist die Garantie oder Gewährleistungspflicht abgelaufen, gehen der Kühlschrank, die Waschmaschine oder das Smartphone kaputt. Soweit ein gängiges Gefühl vieler Verbraucher.

Mythos: Geplante Obsoleszenz

Allerdings: Dieser geplante Verschleiß ist nur schwer bis gar nicht nachzuweisen und – je nach Produktart – auch unterschiedlich gelagert. Gut für die Industrie, denn verlässliche Basisdaten gibt es bislang nicht. Was auch an der aufwändigen Untersuchungsanordnung liegt, die solche Nachweise mit sich bringen. Um den Verschleiß einer Waschmaschine in zehn Jahren zu simulieren, muss sie bei der Stiftung Warentest ganze neun Monate im Dauereinsatz sein.

Das verdeutlicht vielleicht den immensen Aufwand, der betrieben werden muss, um hersteller- und produktübergreifend eine gültige Aussage über die Langlebigkeit einer Maschine zu treffen. Die problematische Beweisführung ist aber zugleich auch der Grund dafür, dass sich der Mythos der vorsätzlichen Obsoleszenz so hartnäckig hält. Selbst eine großangelegte Studie des Umweltbundesamtes (UBA) hat daran nicht viel geändert.

Kein Beweis für gesteuerten Verschleiß

Gleich vorweg: Die Untersuchung im Auftrag des UBA konnte keine gezielt kurze Produktlebensdauer durch eingebaute Mängel nachweisen. In Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut Freiburg und der Uni Bonn sind dafür Basisdaten gesammelt und zusammengeführt worden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten dafür Ergebnisse der Jahre 2004 bis 2012 auswerten und analysieren. Es ging darum, Belege für die Nutzungs- und vor allem die Lebensdauer von ausgewählten elektronischen Geräten zu finden und anschließend auch die Ursache für den Ausfall der Geräte.

Das Ergebnis: Wir nutzen eine Waschmaschine, einen Kühlschrank oder einen Fernseher nicht mehr so lange wie es noch unsere Eltern oder Großeltern getan haben. Gerade bei den Haushaltsgroßgeräten (Wäschetrockner, Waschmaschinen etc.) lag die sogenannte Erst-Nutzungsdauer in den Jahren 2004 bis 2012 immerhin noch bei 13 Jahren im Schnitt. Auffällig ist nur, dass der Anteil der Geräte, die schon in den ersten fünf Jahren kaputt gehen, stärker angestiegen ist (von 3,5 Prozent auf 8,3 Prozent der untersuchten Geräte).

© pa/dpa/BR24

Studie des Umweltbundesamtes: 60 Prozent der Fernseher werden ersetzt, obwohl sie noch funktionieren.

Wie sich bei der "Stiftung Warentest" auch gezeigt hat, bewähren sich gerade Produkte, die in der Anschaffung teurer sind, was ihre Langlebigkeit angeht. Anders gesagt: Qualität, die etwas mehr kostet, zahlt sich auf lang Sicht schon aus. Auch diese ersten Ergebnisse sind kein Beweis dafür, dass die Hersteller ihre Geräte absichtlich schon nach Ablauf der Garantie kaputtgehen lassen. Aber hier kann immerhin politisch der Hebel angesetzt werden, meint Dr. Ines Oehme vom Umweltbundesamt (UBA): "Also unter fünf Jahren sollte man nicht die Notwendigkeit haben, ein Haushaltsgroßgerät zu reparieren."

Das spricht gegen vorsätzlichen Verschleiß

Die meisten Elektronik- und Haushaltsgerätefirmen produzieren heute weltweit an ganz unterschiedlichen Standorten. Die Produktion ist darauf ausgerichtet, enorm effizient zu arbeiten, und das geht nur, wenn die gesamte Produktion standardisiert ist. Der gezielte Einbau von manipulierten Einzelteilen wäre enorm aufwändig und würde außerdem zusätzliche Kosten verursachen.

Rein rechtlich betrachtet ist es außerdem zwar so, dass es im europäischen Raum eine harmonisierte Gewährleistungsfrist gibt, aber über den Binnenmarkt hinaus wird es rechtlich vage und sehr individuell. Da würde – um juristische Folgen und Ansprüche der Kunden abzufedern – bedeuten, dass für jedes Land eine eigene Sollbruchstelle verbaut werden müsste. Selbstredend, was das an Mehraufwand und Kosten für den Hersteller verursacht.

Und noch ein weiterer wichtiger Punkt, der gegen geplante Obsoleszenz spricht: In Zeiten von Bewertungsportalen und sozialen Netzwerken wäre es der Markenselbstmord, wenn sich herumspräche, dass das Produkt eines bestimmten Herstellers ständig kaputtgeht.

Übrigens: Ein funktionierender Service ist oft wesentlicher Bestandteil eines Unternehmens - auch was die Kosten angeht. So orientiert sich die Bevorratung von Ersatzteilen auch immer an der kalkulierten Lebensdauer für ein Produkt. Wie die Stiftung Warentest bereits festgestellt hat, sind "Ersatzteile oft erfreulich lange zu bekommen. Wir prüften das für Waschmaschinen, Kaffeeautomaten, Staubsauger und Geschirrspüler, die wir vor etwa zehn Jahren getestet haben. Die meisten Anbieter konnten sämtliche Teile liefern, die nach unseren Recherchen oft kaputtgehen."

Perspektive: Langlebigkeit ausweisen

Bereits seit langem wird darüber diskutiert, wie Hersteller künftig verpflichtet werden könnten, die durchschnittliche Lebensdauer und Reparierbarkeit von Konsumprodukten auch auszuweisen. Entsprechende Anträge und Gesetzesvorlagen hat es bereits gegeben. Passiert ist bislang nichts. Ein Gesetz, das diese Kennzeichnung vorsieht, ist in Frankreich bereits in Kraft getreten. Hierzulande fehlt Verbrauchern oft die Orientierung was die Langlebigkeit von Produkten angeht.

Gerade im IT-Bereich gibt es nämlich Beispiele, wie Hersteller die Verbraucher am langen Arm verhungern lassen können. "Funktionale Obsoleszenz" wird die Möglichkeit genannt, zum Beispiel, indem einfach keine Updates mehr zur Verfügung gestellt werden. Damit laufen Geräte langsamer, verschiedene Funktionen können nicht mehr genutzt werden und die Möglichkeit, mit der Familie oder Freunden zu kommunizieren, ist teilweise eingeschränkt.

Das kann dermaßen nerven, dass man am Ende doch ein neues Gerät kauft, auch wenn es das alte eigentlich noch tut. Von Akkus, die so verbaut sind, dass sie nicht ausgetauscht werden können, oder von Geräten, die so verklebt werden, dass sie nicht zu öffnen sind, ohne zugleich beschädigt zu werden, gar nicht erst zu reden.

Seit einiger Zeit bieten einige Händler und Hersteller deshalb auch Zusatzgarantien an, und zwar über die gesetzlichen Gewährleistungsrechte hinaus. Die Länge dieser Garantiedauer gilt entweder für das Gesamtgerät oder auch einzelne Komponenten. Sie bietet zumindest eine Orientierungshilfe. Da diese Garantieverlängerungen aber immer mit zusätzlichen Kosten verbunden sind, lohnt es sich unbedingt, die Garantiebedingungen nochmal genau unter die Lupe zu nehmen.

© BR

Fernseher, Lampen, Telefone, Klimaanlagen. Ausrangiert und weggeworfen. Der Berg an Elektroschrott wächst weltweit. Im letzten Jahr kamen knapp 54 Millionen Tonnen dazu.

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