BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt | BR24

© pa / dpa
Bildrechte: pa / dpa

Preisnachlass bei einem Modehändler

298
Per Mail sharen

    Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

    Handelsketten, Shopping-Center-Betreiber und Modehersteller sind durch den Lockdown unter großen Druck geraten. Viele Einzelhändler sind mit der Geduld nun am Ende und wollen Öffnungen auch vor Gericht durchsetzen.

    298
    Per Mail sharen
    Von
    • BR24 Redaktion
    • Rüdiger Hennl

    Bei immer mehr Einzelhändlern in Deutschland reißt nach Monaten des Lockdowns der Geduldsfaden. Die Folge: Auf die deutschen Gerichte rollt derzeit eine Klagewelle zu, mit der die Elektronikhändler, Baumärkte und Modegeschäfte ein Ende der Ladenschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erzwingen wollen.

    Rufe nach der "verantwortungsvollen Perspektive"

    So erklärte der Eigentümer des größten deutschen Schuhhändlers Deichmann, Heinrich Deichmann, immer mehr Einzelhändler kämen in eine bedrohliche Lage. Es bestehe "die akute Gefahr, dass viele Menschen in der Branche in den nächsten Monaten ihren Arbeitsplatz verlieren und dass Ladenschließungen zur Verödung von urbanen Räumen führen", so Deichmann. Der stationäre Handel brauche "zeitnah alternative Öffnungskonzepte für eine sichere, kontrollierte und verantwortungsvolle Perspektive".

    "Es drohen zahlreiche Pleiten"

    Alexander Otto, Chef des Shopping-Center-Betreibers ECE, betonte, viele Händler stünden schon jetzt mit dem Rücken zur Wand. Sie könnten einen immer weiter andauernden Lockdown nicht mehr lange durchhalten.

    "Es drohen zahlreiche Insolvenzen und Pleiten, das Verschwinden hunderter Handelsunternehmen, die Schließung tausender Geschäfte und der Verlust zigtausender Arbeitsplätze." Alexander Otto, Chef des Shopping-Center-Betreibers ECE

    Handel sieht sich nicht als Infektionstreiber

    Man werde die Innenstädte nicht mehr wiedererkennen, warnt Otto. Dabei hätten Studien gezeigt, dass der Handel kein Infektionstreiber sei. Rund 80 Prozent der Kundenkontakte fänden ohnehin im geöffneten Lebensmittelhandel statt. Dennoch gebe es dort keine erhöhten Infektionszahlen.

    Der Geschäftsführer der größten deutschen Buchhandelskette Thalia, Michael Busch, warnte vor den langfristigen Folgen der durch den Lockdown gerissenen Finanzlöcher: "Mit jedem Tag Lockdown geht dem Handel die Innovationsfähigkeit für die Zukunft verloren."

    "Müssen lernen, mit der Pandemie zu leben"

    Der Chef des Bekleidungsherstellers s.Oliver, Claus-Dietrich Lahrs, drängt darauf, eine Balance zwischen Gesundheitsschutz und Wirtschaftsinteressen herzustellen: "Wir müssen lernen, mit der Pandemie zu leben." Die Zeit dränge, sagte er.

    "Wir gehen fest von einer Wiederöffnung am 8. März aus. Wir brauchen diese verbindliche Öffnungsperspektive." Claus-Dietrich Lahrs, CEO der S.Oliver Group

    Andernfalls führe kein Weg an tiefgreifenden Restrukturierungen vorbe, so Lahrs. "Bei uns geht es dann unmittelbar um viele Arbeitsplätze und um unsere Flächen in den Innenstädten", warnte er.

    Zahreiche Klagen gegen den Lockdown

    Viele andere Einzelhändler wollen allerdings nicht mehr auf Zugeständnisse der Politik warten. Mehrere Handelsketten haben bei den Gerichten Eilanträge auf Aussetzung der Ladenschließungen eingereicht. Auf die deutschen Justiz rollt eine regelrechte Klagewelle zu, mit der die Elektronikhändler, Baumärkte und Modegeschäfte ein Ende der Ladenschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erzwingen wollen.

    Deutschlands größter Elektronikhändler MediaMarktSaturn etwa hat beim Oberverwaltungsgericht Münster einen Eilantrag auf Aufhebung der Betriebsschließungen in Nordrhein-Westfalen gestellt. Anträge in weiteren Bundesländern sollen folgen.

    "Die bereits seit mehr als zwei Monaten bestehenden Betriebsschließungen in Deutschland sind unverhältnismäßig. Der Einzelhandel war nachweislich nie ein Infektionshotspot", begründete Deutschland-Chef Florian Gietl, Deutschland-Chef MediaMarktSaturn

    "Maßnahmen sind nicht verhältnismäßig"

    Auch die Baumarktkette Obi, sowie die Textilketten Peek&Cloppenburg in Düsseldorf und der Modehändler Breuninger ziehen vor Gericht: "Wir haben Klagen vor den Verwaltungsgerichtshöfen in Baden-Württemberg, in Hessen, in Nordrhein-Westfalen, in Thüringen und Sachsen eingereicht - überall dort, wo wir Häuser haben. Ziel ist die sofortige Aussetzung der Lockdown-Maßnahmen, weil sie nicht verhältnismäßig sind und eine Ungleichbehandlung gegenüber dem Lebensmittelhandel bedeuten", sagte ein Breuninger-Sprecher. Alternativ fordere das Unternehmen Entschädigungen.

    Zusammen gegen Schließungen

    Der Handel rückt im Kampf gegen den Lockdown enger zusammen. Das spürte auch das schwäbische Modehaus Riani, das vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim auf Gleichstellung mit den Friseuren klagt und seine Geschäfte zum 1. März öffnen will. Der von Riani gestarteten Kampagne #HandelnfuerdenHandel haben sich mittlerweile mehr als 170 Einzelhändler und Modehersteller angeschlossen. Darunter bekannte Namen wie Gerry Weber, Marc Cain, Ludwig Beck und der Hemdenhersteller Olymp.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!