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Sorge vor weiterem Lockdown wegen Corona: Demonstration des Hotel-und Gaststättenverbandes

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    Gastronomie und Handel warnen vor neuem Lockdown

    Die Gaststätten sind voll, die Menschen gehen wieder einkaufen. Doch die Inzidenzzahlen steigen. Der Handel sowie die Gastronomie- und Hotelbranche warnen vor einem erneuten Lockdown im Herbst. Was passiert, wenn die nächste Corona-Welle kommt?

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    Von
    • Tom Fleckenstein

    Anton Wittmann betreibt die Antonius-Schweige in Ingolstadt. Die Traditionsgastgaststätte ist seit über 100 Jahren in Familienbesitz. Und jetzt? Sieben Monate musste der dreifache Familienvater im letzten Lockdown schließen. Nun brummt der Laden wieder. Vor allem der Biergarten bei schönem Wetter.

    Gastronom mit gemischten Gefühlen

    Sein Hygienekonzept steht: Registrierung der Gäste, Desinfektion, Testangebot vor Ort, Abstand bei den Tischen und Trennwände. Erst neulich kam das Gesundheit unangemeldet zur Kontrolle. Doch was ist, wenn die Delta-Variante anrollt? Ein bisschen Bammel habe er schon, sagt Anton Wittmann. Markus Söder habe zwar versprochen, dass nicht mehr zugesperrt werde, doch das glaube er erst, wenn es so weit sei.

    Sein Wunsch: Entscheidungen nicht nur an der Inzidenz festgemachen, sondern auch an der Krankenhausauslastung. Seine 26 Mitarbeiter konnte er im Betrieb halten. Eine Ausnahme. In vielen Betrieben sind die Beschäftigten während der Pandemie in anderen Branchen abgewandert. Um mehr Rücklagen bilden zu können, sollte die Mehrwertsteuer für Speisen und Getränke dauerhaft bei sieben Prozent bleiben, sagt Anton Wittmann.

    Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband gegen Schließungen

    Die Präsidentin des Bayerischen Hotel und Gaststättenverbandes, Angela Inselkammer, freut sich, dass die Zahlung von Hilfsgeldern gut geklappt hat. Gleichzeitig warnt sie vor erneuten Schließungen. "Es besteht keine Notwendigkeit mehr, diese Branche zuzusperren", so Angela Inselkammer, die Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands.

    Die Branche brauche Planungssicherheit von der Politik, sagt Inselkammer. Garantien will der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nicht abgeben, beruhigt die Unternehmen aber.

    "Die Politik ist sich über die Parteigrenzen sehr einig, dass wir im Herbst Schulen, Gastronomie und Geschäfte nicht wieder schließen müssen." Hubert Aiwanger, Bayerischer Wirtschaftsminister

    Doch neben dem Impfen müssten Testen, Abstand, Maske und Lüftung aufrechterhalten werden, so Aiwanger im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

    Hotels Opfer der Homeoffice-Offensive

    Das Live & Work Hotel in Ingolstadt hat 10.000 Euro in Lüfter investiert. Alles geprüft vom Fraunhofer-Institut. Laut Studie würden 95 Prozent der Viren und Bakterien aufgefangen, versichert der Besitzer Stefan Wild. Er ist auf Geschäftsreisende spezialisiert. Die Zimmer werden nach jedem Gast vollständig mit einer Spezialmaschine desinfiziert. Der Sprühnebel aus Wasser, Natriumsalz und Chlor wirke nicht nur gegen Viren, sondern auch gegen Bakterien, Keime und Schimmelpilze. Die Gäste selbst müssen geimpft, genesen oder getestet sein.

    Die Auslastung des Hotels liegt derzeit bei 20 Prozent. Der Grund: Tagungen werden abgesagt. Immer mehr Menschen arbeiten von zu Hause aus. "Homeoffice ist der Tod der Business-Hotellerie auf Raten", so drückt es Stefan Wild aus.

    Keine Schließungen mehr – Händlerin vertraut Versprechen der Politik

    Viele kaufen auch immer mehr Online ein. Die Folge: Leerstand – selbst im reichen Ingolstadt.

    Das Kaufhaus Mayr existiert seit 227 Jahren. Elke Mayr, ihr Mann Franz Xaver und ihr Team mit 30 Mitarbeitern haben sich mit Click and Collect und dem Verkauf über soziale Medien über Wasser gehalten. Einen Online-Shop wollen sie nicht aufmachen. Die Chefin setzt mehr auf individuelle Beratung für 37.000 Artikel, hauptsächlich Mode. Sie vertraut auf das Versprechen der Politik, den Einzelhandel nicht mehr zu schließen. Doch Normalität wird wohl erst in zwei, drei Jahren wieder einkehren, glaubt sie.

    Es wird lange dauern, bis Branche sich von Corona erholt

    Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern schätzt, dass die Maskenpflicht mindestens bis zum Herbst bestehen bleibt – als wirksame Waffe gegen die Delta-Variante. Um die Einzelhändler in den Innenstädten zu unterstützen, wünscht er sich einen staatlich finanzierten Corona-Gutschein im Wert von 200 Euro als Anreiz und Kaufkraftschub. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hält das nicht für durchsetzbar wegen möglicher Wettbewerbsverzerrung. Er plädiert für verkaufsfreie Sonntage.

    Sonntag ist für Anton Wittmann aus der Antonius Schweige ein ganz normaler Arbeitstag - am Tresen. Eine Million Euro hatte er vor sieben Jahren in seine Gastwirtschaft investiert. Auch wenn es gerade wieder brummt - der dreifache Familienvater blickt mit Sorgen ins Reservierungsbuch. Er sei noch keine einzige Weihnachtsfeier gebucht, die Leute würden sich nicht trauen. Es wird noch lange dauern, bis sich die Branche erholt hat.

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