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Galeria Karstadt Kaufhof: Nürnberg bleibt – aber München? | BR24

© BR/Dirk Vilsmeier

Sechs weitere Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof sind gerettet. Dazu gehört auch die Filiale in Nürnberg Langwasser. Damit werden in Nürnberg beide Häuser erhalten. Unklar ist noch, wie es in München weitergeht – hier geht es um drei Filialen.

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Galeria Karstadt Kaufhof: Nürnberg bleibt – aber München?

Sechs weitere Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof sind gerettet. Dazu gehört auch die Filiale in Nürnberg Langwasser. Damit werden in Nürnberg beide Häuser erhalten. Unklar ist noch, wie es in München weitergeht – hier geht es um drei Filialen.

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Es sind unerwartete Erfolge, die sich bei Galeria Karstadt Kaufhof eingestellt haben. Eigentlich hatte der Konzern vor einem Monat verkündet, dass 62 Filialen deutschlandweit zumachen müssen – darunter sechs in Bayern. Mittlerweile geht es bundesweit "nur" noch um 50 Häuser.

Insgesamt zwölf Standorte konnten in den vier Wochen seit Mitte Juni gerettet werden. Für sechs Filialen wurde vor zwei Wochen bekannt gegeben, dass sie weiterbetrieben werden – darunter in Nürnberg das Haus an der Lorzenzkirche. Seit Freitag ist auch die Rettung der Filiale in Nürnberg Langwasser bekannt.

Fünf Filialen außerhalb Bayerns gerettet

Hinzu kommen, außerhalb von Bayern, die Filialen in Berlin-Lichtenberg, in Bielefeld, im Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg, in Leonberg und in Singen. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates sind mit dem Erhalt dieser sechs Warenhäuser auch gut 500 weitere Arbeitsplätze bei dem Traditionsunternehmen gerettet.

Keine Informationen über Galeria Karstadt Kaufhof-Häuser in München

Die Galeria Kaufhof-Filiale in Ingolstadt wird zum Oktober schließen. Offen ist, wie viel Hoffnung es noch für die drei Filialen in München gibt, die geschlossen werden sollen. Während der Vorsitzende der Galeria-Geschäftsführung, Miguel Müllenbach, in einem Brief an die Beschäftigten schreibt, dass es keine Hoffnung auf weitere Einigungen im letzten Augenblick gebe, ist der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl zuversichtlich. Er hofft, noch weitere Häuser vor der Schließung zu bewahren. Die jüngsten Entwicklungen zeigten, dass es sich lohne, bis zum letzten Tag zu kämpfen.

In München versammelten sich erneut rund 50 Mitarbeiter, um gegen das Aus für ihre Häuser zu demonstrieren. Von der geplanten Schließung betroffen sind knapp 180 Beschäftigte am Stachus in der Innenstadt, am Nordbad und im Olympia Einkaufszentrum.

Verdi wirft Stadt München Tatenlosigkeit vor

Bei der Protestaktion kritisierte die Gewerkschaft Verdi unter anderem die Stadt München. Verdi wirft ihr vor, sie habe bislang noch keine klaren Ansagen gemacht. Niemand wisse, ob es konkrete Verhandlungen mit dem Vermieter und dem Unternehmen gab.

Die Gewerkschaft fordert schon seit Wochen einen runden Tisch mit Vertretern von Galeria Karstadt Kaufhof, den Vermietern und Oberbürgermeister Dieter Reiter, dem Verdi Tatenlosigkeit vorwirft. Im Rathaus heißt es allerdings, dass derzeit Gespräche laufen. Es sei aber nicht möglich, über deren Inhalte zu reden, da dies den Prozess gefährden würde. Aus Verhandlungskreisen heißt es, dass es möglicherweise in der kommenden Woche Fortschritte geben wird.

Führte der "Nürnberger Weg" zum Erfolg in Franken?

In Nürnberg reklamiert die Gewerkschaft Verdi für sich den "Nürnberger Weg". Er stehe für einen engen Schulterschluss und gemeinsamen Kampf von Politik, Stadtverwaltung, Gewerkschaft und Kunden für den Erhalt der Filialen, sagte Thomas Vieweg, Betriebsrat der Karstadt-Filiale an der Lorenzkirche.

Gewerkschaft und Betriebsrat hätten schon im März Kontakt mit der Stadt Nürnberg und Mandatsträgern aufgenommen. Dieser gemeinsame Kampf sei bundesweit wahrgenommen worden. Es habe auch geholfen, dass mehr als 25.000 Kunden für den Erhalt der Filialen unterschrieben hätten, so Vieweg. Am Ende konnten Geschäftsleitung und Vermieter damit eine Lösung für den Weiterbetrieb finden.

Vermieter sind zentrale Figuren in den Gesprächen

Die Vermieter gelten mit als Schlüsselfiguren in den Verhandlungen über den Erhalt von Filialen, da sie über mögliche Mietreduzierungen die laufenden Kosten mitbestimmen. Thorsten Brehm, Fraktionschef der Nürnberger SPD, sagte, wenn Immobilieneigentümer nun die Mieten senken und damit ihren Beitrag zur Standortsicherung leisten, sei das ein kluger Schritt und langfristig auch in ihrem wirtschaftlichen Interesse.

In München laufen Verhandlungen im Geheimen

In München dagegen scheint die Strategie zu sein, hinter den Kulissen die Details zu erörtern. Das kann an der unterschiedlichen Vermieterstruktur liegen, aber auch den Rahmenbedingungen, die anders als in Nürnberg sind.

Auf der einen Seite hat Galeria Karstadt Kaufhof in München mehrere weitere Filialen, die Umsatz übernehmen könnten. Und aus Sicht der Stadt sind die Standorte, die schließen sollen, möglicherweise nicht ganz so wichtig, als zentrale Magneten, um Kundschaft auch für andere Läden anzuziehen. Auch wenn klar betont wird, dass alle Standorte erhalten werden sollen.

Außerdem unterscheiden sich die Standorte auch innerhalb der Stadt sehr. Während die Filiale am Stachus ein sehr großes Innenstadtgeschäft ist, ist das Haus am Nordbad eher eine kleine, in die Jahre gekommene Filiale, die zur Stadtteilversorgung beiträgt und das Haus im OEZ ist Teil eines Einkaufszentrums mit einer weiteren Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof.

Offen ist damit allerdings, welche Strategie am Ende erfolgreicher ist. Denn auch für München scheint es noch Hoffnung zu geben, dass nicht alle drei Standorte schließen müssen.

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