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Fürstenfeldbrucker Bank verlangt Strafzinsen ab dem ersten Cent | BR24

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz rät Geldinstituten davon ab, von kleinen Sparern Strafzinsen zu fordern.

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Fürstenfeldbrucker Bank verlangt Strafzinsen ab dem ersten Cent

Mehrere Banken geben bereits Negativzinsen an die Kunden weiter, doch bislang galt das erst bei größeren Vermögen. Bei der VR Bank Fürstenfeldbruck trifft es nun auch den kleinen Sparer. Finanzminister Scholz hält nicht viel davon.

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Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck hat als erstes Kreditinstitut in Deutschland einen Negativzins von 0,5 Prozent ohne Freibetrag, also ab dem ersten Cent eingeführt. Auf ihrer Internetseite schreibt die Volksbank, dass alle privaten Tagesgeldkonten, die seit dem ersten Oktober eröffnet wurden, davon betroffen sind. Die Regelung gilt also nur für Neukunden, wie ein Bankvorstand auf BR-Anfrage betonte.

Zwar erheben immer mehr Geldinstitute Strafzinsen, doch Privatkunden sind bei den meisten Instituten nur betroffen, wenn sie mindestens 100.000 Euro auf dem Konto liegen haben. Dass Tagesgeld-Neukunden bereits ab dem ersten Cent mit einem "Verwahrentgelt" von 0,5 Prozent belastet werden, ist jedoch neu.

Scholz hält nichts von Strafzinsen für Sparer

Bundesfinanzminister Olaf Scholz riet Geldinstituten heute erneut davon ab, von kleinen Sparern sogenannte Strafzinsen zu verlangen. Scholz sagte in Schwerin, er glaube, dass die Banken schlecht beraten seien, wenn sie der breiten Masse ihrer Kundinnen und Kunden Negativzinsen in Rechnung stellen. Das sei ohnehin überwiegend nicht der Fall.

Der Bundesbank zufolge sind die negativen Sparzinsen in Deutschland aber längst zu einem Massenphänomen geworden. 23 Prozent der Banken hätten für den September einen negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz über alle Beträge hinweg gemeldet. Das heißt, dass kleinere Sparbeträge in der Regel frei davon sind, während Großbeträge nicht mehr kostenlos angelegt werde können.

Vor allem Unternehmen sind laut Bundesbank davon betroffen. Als Firmenkunden müssten 58 Prozent von ihnen bei Geschäftsbanken bereits Zinsen für ihre Sichteinlagen bezahlen. Vor allem Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken wie die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck berechneten negative Zinsen.

Bislang vor allem Kontogebühren erhöht

Was bei Unternehmen fast schon die Regel ist, war bei Privatkunden bislang eine seltene Ausnahme. Statt negative Sparzinsen zu nehmen, erhöhten viele Kreditinstitute in den letzten beiden Jahren ihre Gebühren für Kontoführung und viele andere Dienstleistungen.

Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck sagte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", ihr gehe es darum, dass sie keine neuen Kunden haben wolle, die ihr Geld bei ihr anlegen wollten. Vorstand Robert Fedinger versprach, dass andere Kunden nicht davon betroffen seien. Fedinger erkläre gegenüber dem BR zudem: Weil Geldhäuser bei großen Summen vermehrt Strafzinsen erheben, schichteten viele ihr Geld auf Tagesgeldkonten bei anderen Banken wie der VR Bank um. Dies verursache aber Kosten für das Geldinstitut.

Scholz verweist auf Schutz von Bestandskunden

Bundesfinanzminister Scholz verwies auf die Rechtslage, die Bestandskunden weitgehend schützt. Sofern sie für ihre Konten bereits eine Gebühr bezahlen, darf die Bank nicht zusätzlich negative Zinsen einführen. Sie kann das nur dann tun, wenn sie ihre Kundinnen und Kunden dazu überredet, ein entsprechendes neues Konto bei ihr zu eröffnen. Wer sich dazu bereit erklärt, muss damit rechnen, auf diesem neuen Konto dann negative Sparzinsen zu zahlen.

Die Debatte über Strafzinsen für Sparer hatte angesichts der Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank Fahrt aufgenommen, nachdem die Währungshüter den Einlage-Zinssatz auf minus 0,5 Prozent setzten. Diesen Strafzins müssen Finanzinstitute zahlen, wenn sie bei der Zentralbank Geld parken.