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Friseure und Händler: Finanziell und nervlich am Abgrund | BR24

© pa/dpa/K. Schmitt

Am Abgrund: Friseure und Händler in der Krise

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Friseure und Händler: Finanziell und nervlich am Abgrund

Nach mehreren Monaten warten viele Unternehmer immer noch auf die Corona-Finanzhilfen. Ein Nürnberger Herrenausstatter, Inhaberinnen eines Münchner Trachtenmode-Geschäfts und ein Eichstätter Friseur geben Einblick in die schwierige Lage.

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Von
  • Stephan Lina

Schnelle und unbürokratische Hilfen. Das war das Versprechen der Politik an Wirte, Einzelhändler und Dienstleister wie Friseure, als es im Winter in den zweiten Corona-Lockdown ging. Doch nach mehreren Monaten warten viele von ihnen auf dieses Geld.

Raimar Bradt vom Nürnberger Herrenausstatter Bube und König spricht von mindestens 70 Prozent Verlust aufgrund des Lockdowns. Man sei aber mit auch mit den 30 Prozent noch "happy". Schließlich gebe es viele Händler, denen es noch schlechter ginge. Bradt spricht mit ruhiger, fester Stimme über die verheerenden Umsatzzahlen seines Geschäftes.

Von den Hilfen "kein Cent" angekommen

Für das Interview hat er sich in Schale geworfen: Akkurat gestutzter Oberlippenbart, rote Krawatte, schwarze Strickweste. So, als würde er an diesem Tag dutzende Kunden erwarten, und nicht nur den Postboten und den Reporter des Bayerischen Rundfunks. Raimar Bradt und seine Partner hofften zunächst auf die von der Politik versprochenen schnellen und unbürokratischen Hilfen. Doch davon sei bis Mitte Februar "kein Cent" angekommen, so Bradt.

Und nicht nur der finanzielle Druck sei in den Monaten seit dem Beginn des Lockdowns gestiegen. Die Unsicherheit und die Zukunftsängste hätten das Team zermürbt.

Wenig Hoffnung auf die Wiesn

Ortswechsel nach München, zu Sonja und Steffi Ragaller. Die beiden Schwestern haben vor einigen Jahren ihr Unternehmen "Almliebe" gegründet, zunächst als Online-Shop, dann auch noch als Ladengeschäft in der Nähe des Hofbräuhauses. Sie verkaufen junge, hochwertige Trachtenmode. Dann kam Corona, und plötzlich wurden nahezu alle Volksfeste und großen Hochzeiten abgesagt. Also genau die Anlässe, für die sich ein Großteil der Kundschaft bei den Schwestern eindeckt. Und auch 2021 wird es wohl nicht viel besser werden.

Sonja Ragaller kann sich derzeit nur schwer vorstellen, dass das Oktoberfest – zumindest in der gewohnten Form – stattfinden wird. Sie und ihre Schwester hoffen wenigstens auf eine kleinere, abgespeckte Version. Aber sie sei realistisch und rechne deshalb damit, dass die Wiesn und alle anderen größeren Feste ausfallen.

Ungewissheit über die Zahlungen

Friseurmeister Dirk Rudloff ist zuversichtlicher. Am 1. März darf er seinen Salon in der Eichstätter Altstadt wieder aufsperren. Auch Friseuren wie Dirk Rudloff hatte die Politik einen Ausgleich für den unverschuldeten, weil verordneten Umsatzverlust versprochen. Doch der Eichstätter Friseurmeister ist skeptisch. Es habe lange gedauert, bis man überhaupt einen Antrag habe stellen können. Und auch jetzt wisse er noch nicht, ob nur die Fixkosten ersetzt werden oder auch der Umsatzausfall, so Rudloff.

Dirk Rudloff ist wie viele andere Mittelständler verunsichert und auch ratlos. Bis die Hilfen fließen, und bis wieder frische Umsätze in die Kasse kommen, wird es für ihn und tausende andere Kleinbetriebe in Bayern, die auf den direkten Kontakt zu ihren Kunden und Gästen angewiesen sind weiter ein Ritt entlang des finanziellen und auch nervlichen Abgrundes bleiben.

© BR

Die Corona-Pandemie setzt vielen Unternehmen in Deutschland zu. Viele beklagen, dass Finanzhilfen durch den Staat zu schleppend kämen. Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat deshalb zu einem virtuellen Krisengipfel geladen.

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