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Seit Mitte Dezember sind alle Friseurläden in Bayern geschlossen. Salonmieten und Mitarbeitergehälter aber laufen weiter. Da kommt manch schwarzes Schaf in Versuchung, Einnahmen durch Schwarzarbeit zu erwirtschaften.

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Friseure im Lockdown: Unmoralische Angebote am Telefon

Seit Mitte Dezember sind alle Friseurläden in Bayern geschlossen. Salonmieten und Mitarbeitergehälter aber laufen weiter. Da kommt manch schwarzes Schaf in Versuchung, Einnahmen durch Schwarzarbeit zu erwirtschaften.

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Von
  • Tobias Burkert

"Schwarzarbeit gab es schon vor Corona und jetzt natürlich erst recht", sagt Friseur Marcel Schneider. Er betreibt seit 22 Jahren ein Friseurgeschäft in Nürnberg Altenfurt. Normalerweise würde er hier mit seinem Team locker ein Dutzend Kunden gleichzeitig bedienen können, seit dem 16. Dezember aber wird hier kein Haar mehr gekrümmt. Marcel Schneider ist trotz Lockdown regelmäßig im Salon, um nach dem Rechten zu sehen, Blumen zu gießen, die Post abzuholen – ein bisschen Alltag zelebrieren, obwohl es keinen gibt.

Unmoralische Angebote an Friseure

Das Bedürfnis vieler Menschen nach einem befreienden Haarschnitt sei sehr groß, so der Coiffeur, bei manchen läge der letzte Friseurbesuch Monate zurück. So wundere es ihn auch nicht besonders, dass doch immer wieder Anrufe kämen, von Kunden, aber auch von fremden Personen, mit der Bitte, doch eine Ausnahme zu machen. Sogar den doppelten Preis wolle man zahlen für einen haarschneidenden Hausbesuch. Keine Chance, auf sowas lasse er sich nicht ein. Das wäre nicht nur illegal, sondern auch höchst unmoralisch und unfair gegenüber den Kollegen, die sich an die Regeln halten, meint Marcel Schneider.

Schwarzarbeit schwierig zu ahnden

Mal schnell unter der Hand gegen Bezahlung einem Kunden die Haare schneiden, natürlich ist das verlockend und gerade jetzt im Lockdown wird jeder Cent gebraucht, dennoch ist der unerlaubte, kommerzielle Haarschnitt alles andere als ein Kavaliersdelikt. Es drohen Strafen bis zu 25.000 Euro. Die Dunkelziffer ist hoch, denn "Schwarzarbeiter" auf frischer Tat zu ertappen, sei sehr schwierig, sagt Elke Schönwald vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Läge ein konkreter Verdacht vor, gehe man dem natürlich nach, aber die Polizei könne nicht einfach ohne besonderen Grund in Wohnungen gehen. In Mittelfranken seien derartige Vergehen bisher nicht zur Anzeige gebracht worden.

Promibonus für Fußballer und Co.?

Friseur Marcel Schneider kritisiert, dass wohl nicht überall dieselben Regeln gelten. Professionelles Haareschneiden sei offiziell verboten, gleichzeitig sehe man ständig Fußballer, Politiker oder andere Prominente frisch geschnitten und gefärbt in der Öffentlichkeit. Wie solle das möglich sein, ohne die Bestimmungen zu brechen? Gerade von diesen Persönlichkeiten erwarte er mehr Vorbildfunktion. Die ersten Kunden rufen nun wieder an, lassen sich Termine für Februar geben. Sollte es keine weitere Verlängerung des Lockdowns geben, dürfen die Friseurläden ab dem 15. Februar wieder öffnen. Marcel Schneider will optimistisch bleiben, trägt Kunde um Kunde in den Organizer ein, der 15. Februar jedenfalls wäre, wenn alles klappt, schon bestens gebucht. Das sei auch mehr als nötig, denn Marcel Schneider will keinen seiner fünf Mitarbeiter verlieren.

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