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Nach eigenen Angaben ist Semikron aus Nürnberg der einzige unabhängige und global ausgerichtete Hersteller von Halbleiterbauelementen in Familienbesitz. Wie geht das Unternehmen in die Zukunft? Ein Unternehmensporträt.

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Fränkischer Global Player: Wie geht Semikron in die Zukunft?

Semikron aus Nürnberg ist ein "Global Player" im Bereich der Leistungselektronik. Wie geht es dem Unternehmen aber in der Coronakrise? Was ist die Antwort auf die "Gretchenfrage", Elektro-Antrieb oder Wasserstoff? Semikrons Weg in die Zukunft.

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Von
  • Nicolas Eberlein

In einem der großen Produktionsräume von Semikron in Nürnberg stehen Menschen in weißen Kitteln vor den Maschinen, Roboterarme drehen sich um die eigene Achse, greifen ein Fertigungsteil, legen es ab, drehen sich zurück und greifen wieder eines Teile. An der Fertigungsstraße von Semikron herrscht geschäftiges Treiben. Hier werden Leistungsmodule für elektrische Motorantriebe in der Industrie hergestellt, den "MiniSkiiP". "Das ist eines unserer ältesten und meistverkauften Leistungsmodule, die wir hier produzieren", sagt Harry Schuster, Fertigungsleiter für den Bereich Module und Systeme, während es im Hintergrund laut rattert und klackert.

Leistungsmodule für elektrische Motorantriebe

Harry Schuster überwacht die Arbeit an der ersten Station der Produktionslinie. In Bruchteilen von Sekunden werden hier dutzende Federn in kleine, weiße Kunststoffgehäuse gesetzt. Das fertige Produkt wird in Umrichtern für elektrische Motorantriebe eingesetzt.

"Wenn Sie sich vorstellen, Sie haben einen Elektromotor und Sie geben einfach Strom drauf, dann läuft der mit der Spannung, die Sie draufgeben, volle Pulle los. Das soll er natürlich nicht, sonst würden Sie in der Straßenbahn durch den Wagen fliegen, das soll ganz langsam anlaufen. Und solche Steuerungen zum Beispiel übernimmt unser Leistungsmodul." Harry Schuster, Fertigungsleiter für den Bereich Module und Systeme bei Semikron

Einfach ausgedrückt: Das Produkt, das hier gefertigt wird, funktioniert wie eine Kupplung in einem Verbrennerfahrzeug.

2019: Konjunkturerwartung lässt Produktion still stehen

Paris, Rom, Sao Paolo. Semikron produziert an neun Standorten auf der Welt, beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter. Produziert wird auch am Stammsitz in Franken, in der Nürnberger Sigmundstraße, wo etwa die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet. Dort standen allerdings Teile der Produktion vor fast genau einem Jahr kurzzeitig still, die erwarteten Umsatzrückgängen mit vorausschauenden Maßnahmen gegengesteuert werden.

Vorteil: Lokale Produktion in der Krise

Eine heimische Produktion ist in Krisenzeiten wie aktuell während der Corona-Pandemie aber von Vorteil. Bislang ging es bei Semikron noch ohne Entlassungen, so Geschäftsführer Karl-Heinz Gaubatz. Die Lieferketten des Unternehmens seien sehr lokal. Natürlich seien auch Kunden und Lieferanten von Semikron im Lockdown gewesen, was die Versorgung zeitweise erschwerte, so Gaubatz weiter. Der Standort Nürnberg habe das aber abfedern können und manche Dinge, die vielleicht in Ländern wie Indien noch schwierig sind, kompensieren können.

Strategie der Zukunft

Dennoch: Asiatische Märkte – vor allem in China – müssten von Standorten vor Ort bedient und Produktionen in Niedriglohn-Ländern aufgebaut werden, um zukünftig wettbewerbsfähig zu sein, meint der Geschäftsführer. Und zukünftig ist der nächste Mega-Trend: Big Data. Neben Klimawandel und der CO2-Reduzierung sowie der verstärkten Urbanisierung sei es DAS Thema der Zukunft.

"Der Speicherbedarf für Daten verdoppelt sich alle drei Jahre weltweit, und solche großen Speicherfarmen benötigen Klimaanlagen, die benötigen unterbrechungsfreie Stromversorgungen, das ist alles unser Markt für elektronische Leistungsmodule." Karl-Heinz Gaubatz, CEO Semikron

Wer gewinnt das Rennen? E-Antrieb oder Wasserstoff?

Deren Anwendungsgebiete sind heute, neben Windkraftanlagen, Motorenantriebe, auch im Bereich der Elektro-Mobilität. Die Automobilzuliefererkrise betrifft das Unternehmen aber nur marginal. Im Gegenteil, vom globalen Wandel zur sauberen Energie profitiert Semikron. Da spielt es Gaubatz zufolge keine Rolle, ob E-Antrieb oder Wasserstoff das Rennen mache.

"Jedes Mal, wenn elektrische Energie erzeugt wird, sei es durch Wind-, Solar-, oder Wasserkraft, wenn die elektrische Energie verteilt wird, wenn sie zwischengespeichert wird, sei es in Batteriezellen oder durch Erzeugung von Wasserstoff, und ganz am Ende, wenn die elektrische Energie verbraucht wird, ist auch wieder ein Leistungselektronikmodul notwendig. Solange der elektrische Energiebedarf steigt, werden wir davon profitieren." Karl-Heinz Gaubatz, CEO Semikron

Die Zukunft wird immer elektrischer. So sieht sich das fränkische Unternehmen, das im kommenden Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, auch langfristig im Trend.

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