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Förderoffensive für E-Autos: Lohnt sich jetzt der Umstieg? | BR24

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Elektroautos boomen, besonders gut verkaufen sich Plugin-Hybride. Der Staat fördert sie mit hohen Zuschüssen, Kritiker sprechen von Klimabetrug.

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Förderoffensive für E-Autos: Lohnt sich jetzt der Umstieg?

Wer sich jetzt für ein E-Auto entscheidet, erhält Förderungen von Bund und Hersteller von bis zu 9.000 Euro. In bestimmten Fällen sogar noch mehr. Das beflügelt zwar die Nachfrage, doch einige Probleme bleiben.

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Die Elektroautos sind in diesem Jahr auch hierzulande aus der Nische herausgefahren, mit hoher Geschwindigkeit, wenn man sich die Zulassungszahlen anschaut. Während die Verkäufe bei Benzinern und Diesel in den vergangenen Monaten - sicherlich auch Corona-bedingt - deutlich zurückgingen, schnellten die Neuzulassungen von Elektroautos nach oben.

Im vergangenen Monat waren es rund 50.000, reine E-Autos und Plug-in-Hybride. Demgegenüber stehen weiterhin 200.000 zugelassene Fahrzeuge mit Verbrenner-Antrieb. Damit lag der Elektroanteil an den Neuzulassungen bereits bei 17,5 Prozent. Der Autoexperte Stefan Bratzel rechnet damit, dass dieser Trend anhält. Er schätzt, dass bereits 2025 etwa 20 bis 25 Prozent der Neuzulassungen elektrisch unterwegs sein werden.

Großzügige staatliche E-Auto-Förderung zeigt Wirkung

Wer ein Elektroauto kauft, bekommt vom Staat und dem Hersteller bis zu 9.000 Euro, für einen Plug-in-Hybriden gibt es bis zu 6.750 Euro. Seit ein paar Tagen ist auch wieder die Kombination dieser Prämien mit anderen öffentlichen Förderprogrammen möglich - mit Länder-, Kommunal- und auch Bundesprogrammen.

Die Förderung kann also noch höher ausfallen. Allerdings weist der ADAC auf eine Besonderheit beim Leasing hin. Die volle Förderung bekommt man nur, wenn man zwei Jahre oder länger least.

Neben der staatlichen Unterstützung gibt es aber auch noch andere Gründe, warum man immer mehr Elektrofahrzeuge hierzulande auf den Straßen sieht: So kommen immer mehr Modelle auf den Markt, wie beispielsweise der ID.3 von VW oder der elektrische Mini.

Reichweiten der E-Autos steigen, Preise sinken

Elektroautos galten bisher als sehr teuer. Auch die zum Teil niedrigen Reichweiten schreckten viele ab. Doch gerade hier tut sich viel. Die neue Generation an Elektroautos lobt man beim ADAC als schon sehr alltagstauglich. Diese haben mittlerweile Reichweiten von 300 bis 400 Kilometern.

Und auch die Preise sinken, wie ADAC-Sprecher Christian Buric meint. Vor zwei Jahren seien Elektroautos vor allem im Premiumsegment zu finden gewesen. Jetzt gebe es Fahrzeuge, die jeder zu erschwinglichen Preisen kaufen oder leasen könne. So ist der Renault Zoe, das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland, das durch die hohen Förderungen nun noch günstiger geworden ist.

Lange Wartezeiten gefährden Elektro-Förderung

Allerdings brauchen Kunden zum Teil viel Geduld, bis sie ihr bestelltes Fahrzeug bekommen. Einige Autos sind derzeit gar nicht mehr bestellbar wie der VW e-up!. Nachdem die Lieferzeiten auf 16 Monate gestiegen waren, stoppte der Konzern die Bestellmöglichkeiten, wie VW auf BR-Anfrage mitteilte. Im Juli habe man mehr als 9.700 Bestellungen gehabt, heißt es.

Kunden rechneten heute fest mit der Förderung von 9.000 Euro. Doch diese gelte nur für Lieferung bis Ende 2021. Da man mittelfristig die Kapazität nicht in der Größenordnung erhöhen könne, habe man im September vorübergehend die Bestellsysteme geschlossen.

Denn es gilt: Die hohen Prämien erhält man erst bei der Anmeldung des Elektroautos. Es kann also passieren, dass die Förderung ausläuft, bevor man das Auto bekommt.

Doch nun gab es hier eine wichtige Änderung. Die hohen Prämien sollen nun bis Ende 2025 gewährt werden, wie auf dem Autogipfel in dieser Woche beschlossen wurde. Möglicherweise kann man also demnächst wieder einen VW e-up! bestellen. An der Wartezeit dürfte sich aber kurzfristig nicht viel ändern.

BMW: Lange Lieferzeiten für E-Autos

Beim elektrischen Mini SE beträgt die Lieferzeit laut Angaben im Internet zwölf Monate. BMW selbst gibt die Lieferzeit mit bis zu acht Monaten an. Recht lange warten müssen auch die Kunden auf die Plug-in-Hybride X3 und X5 von BMW.

Die Behauptung, dass sich die Hersteller mit der Auslieferung von E-Autos extra Zeit lassen, um im nächsten Jahr die strengeren europäischen CO2-Vorgaben erfüllen zu können, weist der BMW-Vertriebsvorstand Pieter Nota aber zurück. Man bediene Kundennachfrage so gut man könne. Man schiebe da nicht.

Zu wenige Ladesäulen für E-Autos

Sorge bereitet den Autobossen der im Vergleich zu den Neuzulassungen immer noch schleppende Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Bis zum Ende dieses Jahres wird es Schätzungen zufolge mehr als 30.000 öffentliche Ladepunkte geben - viel zu wenig, heißt es unter anderem bei VW. Bis 2025 bräuchten man mindestens zehnmal so viele.

Und beim Branchenverband VDA rechnet man vor, dass sich aktuell im Schnitt 13 Elektroautos einen Ladepunkt teilen müssten. Schon in einem halben Jahr kämen voraussichtlich 20 Autos auf einen Ladepunkt.

Autoexperte Bratzel warnt, dass an der mangelnden Ladeinfrastruktur der Markthochlauf tatsächlich zu scheitern drohe. Deswegen müsse alles daran gesetzt werden, dass eben diese Ladeinfrastruktur in den nächsten Jahren mit der Marktentwicklung Schritt halten könne.

Tankstellenbetreiber sollen Fördergelder erhalten

Die Gefahr hat auch die Bundesregierung erkannt, wie die jüngsten Beschlüsse nach dem Autogipfel zeigen. So soll es unter anderem deutlich mehr Schnelllade-Punkte an Tankstellen geben. Dazu werde man zeitnah Gespräche mit der Mineralölwirtschaft führen, mit dem Ziel einer Selbstverpflichtung zur Erreichung dieser Ziele. Die Tankstellenbetreiber könnten bis Ende 2022 auf bestehende Fördergelder zum Aufbau der Ladeinfrastruktur zurückgreifen. Sofern danach die vereinbarten Ziele nicht erreicht würden, werde die Bundesregierung durch eine Versorgungsauflage die genannten Anteile gesetzlich regeln, heißt es in einer Pressemitteilung der Bundesregierung.

Geplant sind daneben auch die gesetzliche Regelung für ein einheitliches Bezahlsystem an Ladesäulen und die staatliche Förderung der privaten Ladeinfrastruktur über ein KfW-Programm.

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Wer sich jetzt für ein Elektro-Auto entscheidet, erhält bis zu 9.000 Euro an Förderungen, in Sonderfällen sogar noch mehr. Inzwischen haben die populärsten Modelle lange Lieferzeiten.