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Fleisch: Wie regional soll "geprüfte Qualität aus Bayern" sein? | BR24

© Lorenz Storch/BR

Siegel "Geprüfte Qualität Bayern" auf abgepacktem Hackfleisch

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    Fleisch: Wie regional soll "geprüfte Qualität aus Bayern" sein?

    Mehr bayerisches Futter und weniger Soja aus dem Regenwald für bayerische Schweine, Hühner und Rinder. Dieses Ziel wollen mehrere Organisationen jetzt mit einer Petition erreichen, die auf ein bekanntes Gütesiegel abzielt.

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    Das Siegel "Geprüfte Qualität Bayern" zeigt die bayerischen Rauten – und es ist Verbrauchern im Freistaat schon lange vertraut. Weil es in ähnlicher Form schon seit den 1980er Jahren vor allem auf Fleischprodukten prangt und eine bayerische Herkunft verspricht. Dieses Versprechen soll künftig besser eingehalten werden, fordert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Deren Vorsitzender Josef Schmid findet: "Wo Qualität aus Bayern drauf steht muss auch Qualität aus Bayern drin sein."

    Regionalkriterium auch für das Futter

    Bisher verlangt das Bayern-Siegel bei Fleisch und Eiern vor allem, dass der Stall der Tiere in Bayern steht. Die AbL will, unterstützt von Bund Naturschutz, Misereor und anderen Organisationen, erreichen, dass das Regionalkriterium künftig auch für das Futter gilt. Wenn das Fleisch als regional erzeugt beworben wird, dürfen die Schweine, Hühner und Kühe nicht mit Sojafutter aus Südamerika gefüttert worden sein, für das womöglich Regenwald abgeholzt wurde – findet die AbL.

    Die Hälfte des Futters vom eigenen Hof, der Rest zumindest aus Europa, das wäre der neue Standard, wenn es nach der Initiative ginge. Ist das realistisch? Im Prinzip durchaus, sagt Robert Schätzl, der sich an der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft mit dem Thema Eiweißfutter befasst: "Das sollte relativ kurzfristig umsetzbar sein. Allerdings wird die Fütterung natürlich dann teurer."

    10 Cent mehr pro Kilo Schweinefleisch – zu teuer?

    Wie viel teurer, das kann er recht genau beziffern: 10 Cent mehr für das Kilo Schweinefleisch, ein halber Cent mehr für ein Ei. Eher geringe Beträge, die Verbraucher möglicherweise nicht abschrecken würden. Auf der Seite von Erzeugern und Handel summieren sich die Centbeträge jedoch auf große Summen, gibt Schätzl zu bedenken. Und es sei ungewiss, ob diese Kosten dann am Ende die Verbraucher tragen würden, die Lebensmittelketten – oder nicht doch die Landwirte selbst als schwächstes Glied in der Kette.

    Landwirtschaftsministerium will Bauern nicht überfordern

    Ob die Petition für ein strengeres bayerisches Herkunftssiegel Erfolg haben wird, ist fraglich. Die Grünen haben ähnliche Anträge bereits mehrfach im Landtag gestellt, die von der CSU-Mehrheit jedoch stets abgelehnt wurden. Und auch jetzt heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium auf BR-Anfrage, man wolle die Landwirte nicht überfordern: "Die definierten Standards müssen erfüllbar bleiben, damit wir die Landwirte anspornen können, diese auch anzustreben."

    Nur 20 Prozent des Eiweißfutters kommen aus Bayern

    Gleichzeitig verweist das Ministerium auf sein Förderprogramm für heimisches Eiweiß-Futter: In den vergangenen sieben Jahren sind die Soja-Importe der bayerischen Landwirtschaft nach Angaben des Ministeriums merklich gesunken: von 800.000 auf 500.000 Tonnen jährlich. Vor allem Rinder bekommen inzwischen weniger Import-Soja. Bei Schweinen verläuft die Umstellung jedoch langsamer. Unter dem Strich liegt Bayerns Selbstversorgungsgrad mit Eiweißfutter noch immer nur bei 20 Prozent.

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