BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Fleisch: Werbung mit Schnäppchenpreisen verbieten? | BR24

© BR/Julia Haas

Billig-Angebote für Fleisch sind umstritten. Wenn es nach Tierschützern geht, dann soll Fleischwerbung komplett verboten werden. Julia Klöckner will nur Werbung mit Fleischpreisen verbieten. Doch was sagen Landwirte, Handel und Verbraucher dazu?

60
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Fleisch: Werbung mit Schnäppchenpreisen verbieten?

Billig-Angebote für Fleisch sind umstritten. Wenn es nach Tierschützern geht, dann soll Fleischwerbung komplett verboten werden. Julia Klöckner will nur Werbung mit Fleischpreisen verbieten. Doch was sagen Landwirte, Handel und Verbraucher dazu?

60
Per Mail sharen
Von
  • Julia Haas

Hackfleisch - reduziert um 27 Prozent. Schweineschnitzel - über die Hälfte günstiger, nur 45 Cent je 100g. Mit solchen Aktionen wirbt fast jeder Discounter in seinen Prospekten. Geht es nach Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, dann werden diese Preisangebote bald verboten. Fleisch soll nicht als Ramschware gelten. Das Ziel: die Wertschätzung steigern - für Tier und Erzeuger.

Erzeuger: "Froh über jedes Angebot"

Die Erzeuger selbst sind aber nicht unbedingt überzeugt von der Idee. Denn ein Produkt ohne Preis am Markt anzubieten, das funktioniere nicht, meint Franz Beringer von der Erzeugergemeinschaft Südbayern. Gerade jetzt sei der Landwirt sogar auf Werbung angewiesen. Durch Corona, Handelsbeschränkungen und die Afrikanische Schweinepest steckt der Markt in der Krise.

Nur über Angebote werden Mengen abgesetzt und der Landwirtschaft helfe durch die Exportbeschränkungen gerade nur der Mengenabsatz, so Beringer. "Da müssen wir eigentlich froh sein um jedes Angebot."

Handel fürchtet: Werbungs-Verbot für Milch und Eier könnte folgen

Auch der Handel schlägt Alarm. Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern betont, dass auch günstige Milch- oder Eierpreise in der Werbung eingesetzt werden. Wenn bei Fleisch ein solches Preiswerbeverbot kommt, stelle sich ihm die Frage: "Was kommt als Nächstes?" Günstige Lebensmittelpreise seien in Deutschland gefragt. Laut Ohlmann sei der Verbraucher sehr preissensibel und schaue auf jeden Cent. Günstige Angebote sind also das Mittel der Wahl, um Kunden in die Läden zu locken.

Auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels sieht das geplante Werbeverbot für Fleisch sehr kritisch und verfassungsrechtlich fragwürdig. So ein Verbot würde die berufliche Freiheit der Unternehmen erheblich einschränken. Momentan wird das von Julia Klöckner geplante Werbeverbot mit Fleischpreisen rechtlich geprüft.

Tierschützer wollen komplettes Werbeverbot

Greenpeace dagegen schlägt vor, Fleisch gar nicht mehr zu bewerben. Ein komplettes Verbot könne helfen, den umweltschädlichen Fleischkonsum zu verringern und der Klimakrise entgegenzuwirken, heißt es in der Pressemitteilung. Auch der deutsche Tierschutzbund findet: ein Preiswerbeverbot alleine bringt nichts. Dort fürchtet man, dass anstelle von Preisen dann mit irreführenden Haltungsformen und beschönigenden Bildern geworben wird.

Zu viele Labels: Verbraucher verwirrt

Und der Verbraucher? Der ist beim Fleischkauf ohnehin schon verwirrt, sagt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale in München. Verbrauchertäuschung sei schon jetzt ein Problem.

In Brandenburg hat die Verbraucherzentrale vergangenes Jahr bereits einen Discounter abgemahnt. Der hatte ein Foto von Schweinen auf grüner Wiese neben das Logo für Haltungsstufe 1 gedruckt, das für Stallhaltung unter dem gesetzlichen Mindeststandard steht.

Laut Krehl wisse der Verbraucher einfach nicht, woran er sich orientieren kann. Der Grund: zu viele unterschiedliche Labels und Siegel. Der Preis sei auch nicht unbedingt ein Hinweis, ob es dem Tier nun gut ging oder nicht. Mehr Transparenz bei der Fleischwerbung, das wünschen sich eigentlich alle.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!