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Firmen zahlen 6,6 Milliarden Euro für 5G-Frequenzen | BR24

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Symbolbild 5G

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Firmen zahlen 6,6 Milliarden Euro für 5G-Frequenzen

Die Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzen ist abgeschlossen. Die vier teilnehmenden Firmen - die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch - bezahlen insgesamt knapp 6,6 Milliarden Euro an den Staat - deutlich mehr als erwartet.

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Mehr als zwölf Wochen lang haben sich die vier Provider bei der Auktion der Frequenzen für das ultraschnelle mobile Internet (5G) immer wieder überboten. Nun ist der Hammer gefallen.

Experten hatten mit höchstens fünf Milliarden Euro gerechnet

Die längste Auktion von deutschen Mobilfunkfrequenzen ist beendet. Die vier Provider - die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch - bezahlen für die 5G-Frequenzblöcke insgesamt 6,55 Milliarden Euro, wie die Bundesnetzagentur mitteilte. Das ist mehr als erwartet - Fachleute hatten nur mit drei bis fünf Milliarden Euro gerechnet. Mit dem Ende der Auktion wurde ein wichtiger Meilenstein zur Einführung der fünften Mobilfunkgeneration (5G) erreicht.

Erlös will der Bund für Digitalisierung verwenden

Bei der Mobilfunk-Auktion 2015 waren 5,08 Milliarden Euro erlöst worden. Ein Grund für den höheren Wert: Diesmal nahmen vier und nicht wie 2015 nur drei Netzbetreiber teil. Der Neueinsteiger Drillisch erwies sich als zahlungsfreudiger Mitbieter. Das Geld geht an den Bund, der es in die Digitalisierung stecken will.

Deutsche Telekom Meistbietender mit rund 2,17 Milliarden Euro

Am meisten zahlt die Deutsche Telekom, und zwar rund 2,17 Milliarden Euro. Vodafone zahlt 1,88 Milliarden Euro und Telefónica 1,42 Milliarden Euro. Drillisch muss 1,07 Milliarden Euro berappen - die Tochterfirma des rheinland-pfälzischen Konzerns United Internet hat bisher kein eigenes Netz, stattdessen nutzt sie bisher die Antennen der Konkurrenz.

Versteigert wurden Blöcke im 2-Gigahertz- und im 3,6-Gigahertz-Frequenzbereich. Die 2-Gigahertz-Blöcke waren deutlich teurer, da man in diesem Frequenzbereich höhere Reichweiten erzielen kann. Diese Blöcke sind allerdings erst ab 2021 oder sogar erst ab 2026 nutzbar.

"Startschuss für 5G in Deutschland"

Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sprach nach dem Ende der Auktion von einem "Startschuss für 5G in Deutschland".

"Ich freue mich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau in Wettbewerb treten. Die Frequenzen sollen nicht nur für den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Deutschland eingesetzt werden." Jochen Homann, Leiter der Bundesnetzagentur

Die Versteigerung war durchgeführt worden an dem Mainzer Technikstandort der Bonner Regulierungsbehörde.

Das Wettbieten war umkämpft: Mit 497 Runden in mehr als 12 Wochen war es die längste Frequenzauktion in Deutschland, die jemals stattfand. Der bisherige Höchstwert ist von 2010, als die Versteigerung nach knapp sechs Wochen und 224 Runden vorbei war. Damals kamen aber nur 4,4 Milliarden Euro in die Staatskasse.

5G steht für 5. Mobilfunkgeneration

Das Kürzel 5G steht für die 5. Mobilfunkgeneration. Der Standard ist der Nachfolger von 4G, auch LTE genannt. 5G ist wesentlich schneller im Download und verfügt über eine geringere Reaktionszeit. Daten werden praktisch in Echtzeit verarbeitet. 

Kritik an hohen Versteigerungskosten

Bereits vor Ende der 5G-Auktion kritisierten FDP, Grüne und Verdi die voraussichtlich hohen Einnahmen aus der Versteigerung, da sie negative Folgen für die Mobilfunk-Kunden befürchten.

Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass die Firmen durch hohe Frequenzkosten gezwungen sein könnten, höhere Kredite als bisher geplant aufzunehmen oder externe Investoren an Bord zu holen. Dadurch würde der Renditedruck steigen. Die Branche könnte also stärker als bisher darauf dringen, möglichst schnell mit 5G Geld zu verdienen. Dies wiederum könnte zu Stellenabbau führen, um Personalkosten einzusparen.

UMTS-Auktion mit Erlös von 50,8 Milliarden Euro bleibt Rekordhalter

Als abschreckendes Beispiel gilt die UMTS-Auktion im Jahr 2000. Die damals erzielten rund 50 Milliarden Euro führten zu einer hoch verschulden Branche, die nur wenig Geld für einen umfassenden Ausbau übrig hatte - Funklöcher von damals bestehen mancherorts bis heute.

"Pflicht zur Daseinsvorsorge"

Bereits vor Auktionsende stellte Kanzleramtschef Helge Braun ein staatliches Eingreifen in Aussicht. "Ich bin dafür, dass der Staat auch selbst Funkmasten für die Betreiber aufstellen kann, wenn es sonst keiner macht", sagte Braun im April der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Alternativ könne die Förderung für eine bessere Netzabdeckung weiter verbessert werden. "Jedenfalls haben wir allen Bürgern gegenüber eine Pflicht zur Daseinsvorsorge", hob Braun hervor.

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Autor
  • Nadja Stempel
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