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Feuerwerks-Verbot: Branche steht vor großen Schwierigkeiten | BR24

© BR/Johannes Lenz

Silvester wird heuer still. Denn als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ist der Verkauf von Feuerwerk verboten. Die Hersteller stürzt das in eine schwere Krise. Im Zweifel drohe die Insolvenz des gesamten Wirtschaftszweigs heißt es.

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Feuerwerks-Verbot: Branche steht vor großen Schwierigkeiten

Silvester wird heuer still. Denn als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ist der Verkauf von Feuerwerk verboten. Die Hersteller stürzt das in eine schwere Krise. Im Zweifel drohe die Insolvenz des gesamten Wirtschaftszweigs heißt es.

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Von
  • Antonia Böhm
  • Leonie Thim

"Dies wird ein stilles Silvester", so hat es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in einem BR Extra im BR Fernsehen angekündigt. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus gilt heuer ein Verkaufsverbot für Feuerwerk. Darauf haben sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geeinigt. Außerdem gelten auch zum Jahreswechsel Ausgangsbeschränkungen zwischen 21 und 5 Uhr sowie ein An- und Versammlungsverbot.

Verkaufsverbot de facto ein Böllerverbot

Das sei faktisch ein Böllerverbot, sagte Söder im BR Fernsehen. Als Grund nannte er, dass die "normalen Verletzungen", die es jedes Jahr durch Böller gebe, verhindert werden sollten. Kämen die hinzu, seien die Krankenhäuser nicht mehr aufnahmefähig. Mit dem Verbot des Feuerwerksverkaufs sollen die Krankenhäuser entlastet werden.

Feuerwerksindustrie vor der Insolvenz

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) zeigte sich nach eigenen Angaben "geschockt" von dem Verkaufsverbot für Feuerwerk. Im Zweifel könne der gesamte Wirtschaftszweig Pleite gehen, sagt der Verband.

Feuerwerksindustrie: Volle Lager, leere Kassen

Auch für Peter Sauer, den Geschäftsinhaber der ältesten noch existierenden Feuerwerks-Fabrik in Gersthofen bei Augsburg, ist das Feuerwerksverbot ein herber Schlag. Die Produktion hat er bereits heruntergefahren. Drei seiner sechs Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Der kleine Familienbetrieb lebt hauptsächlich von Veranstaltungen mit Großfeuerwerken, vor allem auf Volksfesten. In diesem Jahr ist das fast komplett weggebrochen.

Silvester-Knaller produziert das Unternehmen selber nur wenige, das Meiste wird zugekauft. Inzwischen sind seine Lager voll. "Mit vollen Lagern und leerer Kasse ins neue Jahr zu gehen, das wär für mich ein Riesenproblem", erklärt Sauer. Er müsse die Ware verkaufen, "also das ist für mich existenzwichtig."

Feuerwerksindustrie: 90 Prozent des Jahresumsatzes vor Silvester

Wie dem Familienbetrieb aus Gersthofen geht es den meisten Pyrotechnik-Herstellern. Laut dem Verband der pyrotechnischen Industrie fürchten viele Unternehmen in der Feuerwerksbranche eine Insolvenz. Denn die drei Verkaufstage vor Silvester machen 90 Prozent des Jahresumsatzes aus. Bricht das weg, gleiche das einem Totalausfall.

Der Verband vertritt 21 Mitgliedsunternehmen aus Deutschland, die Silvester-, Groß- und Bühnenfeuerwerke sowie pyrotechnische Munition herstellen. Für sie fordert der VPI den vollumfänglichen Ausgleich der entstehenden Umsatzverluste. Diese lägen im dreistelligen Millionenbereich. Im vergangenen Jahr hatte die Feuerwerksbranche deutschlandweit einen Umsatz von 122 Millionen Euro.

Suche nach alternativen Produkten

Peter Sauer wird versuchen, sich mit Nischenprodukten über das Jahr retten zu können. Unter anderem produziert er Notsignalfackeln für die Polizei. Auf der Ware in seinen Lagern, den zahlreichen Silvesterböllern, wird es wahrscheinlich heuer sitzen bleiben.

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