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Feiertagsausflug: Ein Biergarten als Mikrokosmos der EU | BR24

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Keine Langeweile: Biergartenleiter Ruben Alexandre kam aus Portugal nach München.

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Feiertagsausflug: Ein Biergarten als Mikrokosmos der EU

EU-Bashing ist eines der beliebtesten Hobbys unter Europas Populisten. Vergessen wird dabei, welche Chancen der europäische Verbund seinen Bürgern bietet. In einem Münchner Biergarten kann man sich ein Bild von den Vorteilen der EU machen.

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Ruben Alexandre kommt aus Portugal. Sein Arbeitsplatz ist das Gasthaus Hirschau mitten im Englischen Garten in München.

Arbeitslos in Portugal, Biergartenleiter in München

Bayerische Tracht gehört zu Rubens Dienstkleidung. Der Portugiese leitet den Biergarten. Für ihn beginnt gerade die Hauptsaison. Er ist oft im Dienst, wenn andere frei haben. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in seiner Heimat ist er vor sechs Jahren nach Bayern gezogen.

"In Portugal, bevor ich hierher gekommen bin, gab es sehr viele Arbeitslose. Die jungen Leute sind alle ausgewandert, weil sie keine Chance zum Arbeiten hatten. Ich war einer davon, der aus dem Land weggegangen ist, weil ich keine Arbeit hatte." Ruben Alexandre, Biergartenleiter

Der gelernte Elektriker hat Karriere gemacht: Vom Abräumer über Küchenhilfe in eine Führungsposition mit Personalverantwortung. Er hat die Chancen der Europäischen Union genutzt.

Zwischen Heimweh und Brexit-Sorgen

Nur noch wenige Tage, bis Oberkellnerin Adina Ioneac Urlaub hat und mal wieder nachhause fahren kann. Als EU-Bürgerin darf die Rumänin ohne Einschränkungen in Deutschland arbeiten und unterstützt mit ihrem Einkommen die Familie in der Heimat. Tochter Cristina studiert Zahnmedizin - ohne finanzielle Hilfe der Mutter unmöglich. Seit zehn Jahren schon pendelt die 44-Jährige zwischen zwei Welten.

"Ich habe schon sehr, sehr viel Heimweh. Am Anfang war es sehr schlimm, aber dann gewöhnst du dich daran und dann geht es schon. Nach langer Zeit hast du praktisch zwei Leben: eins in Deutschland und eins in Rumänien." Adina Ioneac, Oberkellnerin

In der Küche ist der Arbeitsplatz von Koch Alex Steward aus Schottland, der schon seit 1977 in Deutschland lebt. München ist längst zu seiner Heimat geworden - aber jetzt macht dem Koch der drohende Brexit Sorgen, der auch ihn als Schotte betreffen würde.

Nach 42 Jahren hat er deshalb die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt und in jeder freien Minute für den Einbürgerungstest gelernt. Jetzt wartet er noch auf das Ergebnis der Deutschprüfung. Als Tscheche hat sein Kollege Martin Holemý diese Probleme nicht. Der Vater von vier Kindern kommt nur zum Geldverdienen nach München. Eine Woche Arbeit, eine Woche Freizeit mit seiner Familie.

Koch aus Tschechien - Freude über Arbeitnehmerfreizügigkeit

Das Pendeln zahlt sich für Koch Holemý aus. Sein Gehalt ist in Deutschland rund drei Mal so hoch wie in der Heimat. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU bringt für ihn viele Vorteile.

"Ich brauche keine Arbeitserlaubnis und keine anderen Papiere. Ich werde wie jeder normale Deutsche hier behandelt und ich verdiene wie jeder andere Deutsche hier. Damit, würde ich sagen, geht es mir sehr gut." Martin Holemý, Koch

Das Gasthaus Hirschau: Ein Stück vereintes Europa mitten in München. Jeder Mitarbeiter hat seine eigene Geschichte - aber alle vier profitieren von den Vorteilen der EU und ihrem Arbeitsplatz in Deutschland.