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Die Fastenzeit ist die Hochsaison für den Starkbierverkauf. Doch wie geht es den bayerischen Brauereien während des Lockdowns?

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Fastenzeit – Starkbierzeit: Durststrecke für Brauereien

Die Fastenzeit ist Hochsaison für den Bierkonsum. Das Starkbier soll über die enthaltsame Zeit hinweghelfen. Doch der Lockdown hat den Brauereien arg zugesetzt. Die wohl einzige bierbrauende Ordensschwester der Welt bleibt dennoch optimistisch.

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Von
  • Barbara Fuß

Die enthaltsame Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag hat begonnen. Damit das Fasten nicht ganz so schwer fällt, wird hinter Klostermauern seit jeher ein besonders starkes Bier gebraut – wie etwa im niederbayerischen Mallersdorf im Landkreis Straubing-Bogen.

Starkbierverkauf hilft der Klosterbrauerei während Corona-Krise

Schwester Doris, die wohl einzige bierbrauende Ordensschwester der Welt, weiß, worauf es bei der Bierherstellung ankommt. Das Fastenbier hat die 72-Jährige schon im Januar gebraut, damit es pünktlich zu Aschermittwoch fertig war. Viel Malz gibt dem nahrhaften Doppelbock den richtigen Gehalt.

"Es heißt ja bei den Benediktinern in der alten Regel: Was flüssig ist, bricht Fasten nicht. Also hat der Brauereimeister dementsprechend ein starkes Bier gemacht, damit sie sich ernähren konnten." Sr. M. Doris, Brauereimeisterin und Ordensschwester Kloster Mallersdorf

Rund 76 Hektoliter kann die Schwester der Armen Franziskanerinnen an einem Tag in zwei Gängen brauen. Der Großteil wird in Flaschen in der Region verkauft. Dadurch bekommt die Klosterbrauerei im Gegensatz zu den meisten anderen Betrieben die Folgen der Pandemie wirtschaftlich weniger zu spüren.

Andere Brauereien leiden stärker unter den Folgen der Pandemie

"Wir haben normal an Fronleichnam unser Gartenfest, da braucht man schon 20 bis 25 Hektoliter und elf Klostermärkte fehlen", sagt Schwester Doris. Beim Jahresschluss sei sie sehr erstaunt gewesen, dass vor allem im November und Dezember so viel Flaschenbier verkauft wurde, dass die Feste mehr oder weniger aufgefangen worden seien. Schwester Doris ist fest davon überzeugt, dass die Klosterbrauerei Mallersdorf die Krise übersteht. Aber die Lage vieler Brauereien macht ihr Sorgen: "Mir tut jede Brauerei leid. So kann es nicht weitergehen. Das gibt es nicht, dass man jede Wirtschaft auf dem flachen Land zumacht."

Kleine Brauereien stark betroffen

Etwa 50 Kilometer weiter in der Oberpfalz bei der Schlossbrauerei Eichhofen sieht es ganz anders aus. Michel-Andreas Schönharting führt das Unternehmen in dritter Generation. Mit seinen 15 Angestellten braut er das Eichhofener Bier vorwiegend für die eigene Gaststätte und für den Verkauf rund um den Kirchturm. Der Lockdown hat den Familienbetrieb stark getroffen.

"Wir haben auf einen Schlag unsere ganze Gastronomie-Kundschaft verloren, alle Vereinsfeste, unser Brauereifest. Unsere eigenen Veranstaltungen durften nicht mehr stattfinden, und das war schon ein dramatischer Einbruch – um minus 20 Prozent." Michel-Andreas Schönharting, Inhaber Schlossbrauerei Eichhofen

Gerade kleine Brauereien, deren Absatz auf regionalen Festen sehr hoch ist, leiden stark, berichtet Michel-Andreas Schönharting. Im Brauereigasthof steht nun alles still: keine Stammtische, keine Hochzeiten oder Kulturevents. Wirtshaus-Chefin Daniela Schönharting hat seit Monaten keinen Gast mehr bewirtet.

Keine Corona-Hilfe für den Familienbetrieb

Weil Brauerei und Gasthof in der Hand der Familie sind, handelt es sich um einen sogenannten Mischbetrieb. Die Krux: Es gibt nur dann die November- und Dezemberhilfe, wenn der Gasthof mindestens 80 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. "Das ist eine große Ungerechtigkeit und das kann man so nicht stehen lassen", findet der Inhaber der Schlossbrauerei. "Es kann nicht angehen, dass andere Kollegen Hilfe bekommen, zum Beispiel Bäckereien mit einem angeschlossenen Café oder Metzgereien mit ihrem Imbiss. Wir haben hier auch Arbeitsplätze, die wir sichern wollen und wir brauchen auch dringend diese Förderung."

Brandbrief an die Politik

80 Prozent ihres Geschäftes macht die Brauerei Eichhofen mit Flaschenbier. Doch der Lockdown beschränkt das gesellige Zusammensein. Ein Einbruch, den Michel-Andreas Schönharting spürt. Doch er kämpft: Das Fassbier, das er nicht verkaufen kann, lässt er bei einer regionalen Destillerie zu einem Bierschnaps brennen. Und er hat mit anderen Brauereien einen Brandbrief an die Politik geschickt, mit dem sie auf die Bedrohung ihrer Existenz aufmerksam machen wollen. "Wir wollen uns zusammensetzen und die Politik in Berlin wachrütteln. Dass sie endlich unsere Forderungen, unsere Bedürfnisse hier in Bayern auch würdigen und die Förderung der kleinen Brauereigasthöfe unterstützen."

Durststrecke ohne Starkbierfeste

Ohne die Starkbierfeste geht die Durststrecke für die kleinen Brauereien und ihre regionalen Partner zunächst weiter. Da hilft es auch nicht, dass das Brauereihandwerk erst jüngst zum "immateriellen Kulturerbe" erkoren wurde. Ob Klosterpforten und Brauereigasthöfe bis Ostern, dem Ende der Fastenzeit, wieder für Gäste geöffnet sind, steht derzeit noch in den Sternen.

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Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger hat zum "bayerischen Brauereigipfel" eingeladen, um sich mit Vertretern der Branche aus dem ganzen Freistaats zu treffen. Besonders die kleinen Brauer befinden sich in einer schwierigen Lage und brauchen Hilfe.

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