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Fasten-Boom: Hilft der Verzicht wirklich? | BR24

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Das Fasten erlebt derzeit einen regelrechten Boom. Experten sind skeptisch, denn nicht jeder Verzicht müsse den gewünschten Effekt mit sich bringen. Doch es gibt Zwischenwege - wie die Besuche in einem Kloster und bei einer Fastentrainerin zeigen.

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Fasten-Boom: Hilft der Verzicht wirklich?

Das Fasten erlebt einen regelrechten Boom. Experten sind skeptisch, denn nicht jeder Verzicht bringe den gewünschten Effekt mit sich. Doch es gibt Alternativen - wie die Besuche in einem Kloster und bei einer Fastentrainerin zeigen.

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Die Fastenzeit beginnt - im Kloster Plankstetten in der Oberpfalz kehrt Stille ein. Für die Benediktiner-Mönche bedeutet das bis Ostern: Zurückhaltung beim Essen und innere Einkehr. Aber auch Besucher können an einwöchigen Fastenkursen im Kloster teilnehmen. Davon sollen beide Seiten profitieren, sagt Pater Josef Maria.

"Für uns ist es einfach wichtig, dass wir in unserer klösterlichen Tradition nicht nur für uns bleiben. Sondern, dass das, was wir wichtig für uns und wertvoll erleben, ein wenig mit den Menschen teilen. Und es wird gut angenommen." Josef Maria, Pater im Kloster Plankstetten

Spaziergang an der frischen Luft verstärkt Fastenwirkung

Es gibt auch nicht-konfessionelle Angebote. Zum Beispiel Fasten und Wandern am Dreiburgensee im Bayerischen Wald. Die Bewegung in der frischen Luft verstärkt den Effekt des Fastens. In der Gruppe fällt das Durchhalten leichter. Die ausgebildete Fastentrainerin Susa Winter ist regelmäßig ausgebucht.

"Wir haben jedes Jahr vollere Touren. Ich glaub, dass die Leute einfach mehr auf ihre Gesundheit achten. Dass man entdeckt, dass so alte Mittel wie Fasten einfach alte Heilungswege sind, die man früher schon angewendet hat. Und das kommt jetzt wieder." Susa Winter, Fastentrainerin

Flüssiges Fasten - eine mehr als 100 Jahre alte Methode

Gefastet wird nach der über 100 Jahre alten Methode des Arztes Otto Buchinger, Pionier des Heilfastens. Dabei nehmen die Teilnehmer nur flüssige Nahrung zu sich. Frisch gepresster Saft aus Bio-Mandarinen, Sellerie, Fenchel und Birnen - das tut gut nach einem Fußmarsch von 10 Kilometern. Heute ist der dritte Fastentag. Sie habe schon gemerkt, dass sie ruhiger geworden sei und besser schlafen könne, so eine Kursteilnehmerin.

Fasten ist "in" - Experten warnen

Das Fasten ist in Mode. Davon profitieren auch die Verlage. Es gibt ständig neue Bücher zum Thema. Zum Teil mit einer Auflage von bis zu 2,5 Millionen Exemplaren. Neue wissenschaftliche Studien sollen die Vorteile des Fastens belegen: Entschlackung, Regeneration von Körper und Seele, positive Effekte bei Rheuma, Bluthochdruck sowie bei hohen Zucker- und Fettwerten.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt zu Bedenken: Viele der vermeintlich positiven Wirkungen des Heilfastens seien aus wissenschaftlicher Sicht zumindest nicht genügend belegt. Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, warnt vor möglicherweise falschen Erwartungen an das Fasten.

"Wenn ich zum Beispiel Gewicht reduzieren möchte, ist es fraglich. Denn dieser temporäre Nahrungsentzug führt nicht unbedingt dazu, dass man dauerhaft abnimmt." Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Positive Erfahrung einer Fastentrainerin

Fastentrainerin Susa Winter hat Fasten mit Wandern kombiniert, und dabei selbst gute Erfahrungen gemacht. Sie sei stark übergewichtig gewesen nach der Geburt ihrer Tochter. Zu dem Zeitpunkt habe sie das Fastenwandern zum ersten Mal ausprobiert und sei so wieder zu Kräften gekommen.

Im Kloster Plankstetten bereitet Klosterbäcker Frater Bonifatius eine traditionelle, 1500 Jahre alte Fastenspeise zu - sogenannte Schucksen. Das ist ein Hefeteig mit Sultaninen und Vanillesoße. Vielen dürfte das Fasten auf diese Art ziemlich leicht fallen.