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Enkeltrick: Wie schützt man sich vor dem Betrug? | BR24

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Eine Masche, die jährlich Millionenschäden verursacht. Die Betrüger handeln raffiniert und skrupellos. Wie können sich Senioren vor dem Enkeltrick schützen?

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Enkeltrick: Wie schützt man sich vor dem Betrug?

In ganz Europa warnt die Polizei mit Videos vor Betrügern, die sich als Enkel oder Neffen und Nichten ausgeben, um von Senioren Geld zu ergaunern. Dahinter stecken professionell vorgehende Banden. Über den Fall einer Geschädigten aus Schwaben.

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Der polnischen Polizei gelingt es 2017, den Erfinder des Enkeltricks, Arkadius L., festzunehmen und hinter Gitter zu bringen. Fast 20 Jahre lang hatte der Pole ein Betrugsimperium aufgebaut und angeführt.

Nach weiteren Festnahmen gingen in Bayern die Straftaten durch den Enkeltrick zunächst zurück, zogen aber im letzten Jahr wieder stark an - auf über 2.200 Fälle. 2018 lag der Schaden der Enkeltrickmasche im Freistaat bei fast zweieinhalb Millionen Euro.

Großmutter aus Schwaben mit Enkeltrick um 38.000 Euro betrogen

Bei einer Familie aus dem Schwäbischen, die unerkannt bleiben will, erbeuten Betrüger 38.000 Euro. Die Tochter berichtet dem BR, dass bei der Mutter zum finanziellen Schaden jetzt noch große psychische Probleme kommen.

"Es belastet meine Mutter extrem, sie hat seither schwerwiegende Schlafstörungen, kann keine Nacht mehr durchschlafen. Und zermartert sich das Hirn darüber, wie ihr so etwas passieren konnte, wie sie so manipuliert werden konnte." Tochter eines Betrugs-Opfers

In einem Gespräch, das für diese Form des Betrugs typisch verlief, soll die Dame auf die falsche Enkelin so hereingefallen sein:

Falsche Enkelin: "Ich bin gerade mit einer Freundin hier und will eine Wohnung kaufen. Dafür brauche ich ganz schnell Geld, um die Anzahlung machen zu können. Sonst ist die Wohnung weg. Und die hätte ich gerne. Wie viel Geld hättest du denn?" Betrugsopfer: "Oh, das kommt jetzt ganz plötzlich, da müsste ich erst nachschauen und rechnen."

Die alte Dame zählt all ihre Ersparnisse zusammen. Dann bekommt sie den nächsten Anruf von der vermeintlichen Enkelin - und sagt dieser 38.000 Euro zu. Die Betrügerin zeigt sich damit erst einmal sehr zufrieden: "Oh, Omi, das ist perfekt, weil genauso viel bräuchte ich für die Anzahlung."

Bankangestellte übergeht offenbar interne Leitlinie

Die Seniorin eilt zur Bank. Nachdem sie dort alles bar abheben will, soll die Bankangestellte laut Darstellung der Tochter des Betrugsopfers bei der hohen Summe zwar den Verdacht einer Unregelmäßigkeit gehegt - und auch festgestellt haben, dass es sich eigentlich um einen Meldefall handelte. Schließlich habe sie aber eine Ausnahme gemacht.

Als das Betrugsopfer mit den 38.000 Euro nach Hause kommt, klingelt das Telefon wieder. Ihr selbst sei etwas dazwischen gekommen, behauptet die falsche Enkelin. Eine Notariats-Angestellte komme vorbei, um den Stapel Bargeld abzuholen.

Betrugsopfer: "Aber ich kann doch nicht so viel Geld einer Person geben, die ich nicht kenne." Falsche Enkelin: "Doch doch Omi: Das kannst du, vertrau' mir."

Kurz darauf übergibt die alte Dame wie ferngesteuert einer wildfremden Person 38.000 Euro. Innerhalb von eineinhalb Stunden ist alles vorbei.

Was unternehmen Geldinstitute gegen Enkeltricks?

Warum hat die Bankangestellte das Geld ohne Rückfragen ausbezahlt und nicht die Polizei verständigt? Das fragt die Tochter der Geschädigten. Die Bank antwortet: "Nachdem Ihre Mutter ausdrücklich die Barauszahlung wünschte, ist unser Haus verpflichtet, den Anspruch auf Auszahlung von Guthaben zu erfüllen."

Bei der Sparkasse München sind die Mitarbeiter geschult, heißt es. Sie können gefährdete Personen mit einem Flyer aufklären und bei einem Experten für Betrug rückfragen. Aber all diese Maßnahmen sind lediglich Empfehlungen.

"Das Problem, vor dem wir stehen, ist: Kunden sind natürlich geschäftsfähig, solange uns nichts anderes bekannt ist, und damit können sie frei über ihr Vermögen verfügen. Und sie können damit theoretisch auch ihr Vermögen mitnehmen, bar mitnehmen. Wir haben hier keine juristische Handhabe, um das zu verhindern. Wir können nur appellieren, wir können sensibel reagieren und im Zweifelsfall die Polizei einschalten, die alles Weitere klärt." Joachim Fröhler, Stadtsparkasse München

Auch bei den Genossenschaftsbanken bleibt es bei Empfehlungen. Man kenne die Gewohnheiten der Kunden, heißt es. Und der Zusammenschluss der Geschäftsbanken beteuert, ausreichend Vorsorge zu leisten.

Polizei klärt potentielle Opfer und Verwandte auf

Die Fallzahlen schnellen im Moment extrem nach oben. Die Polizei München schafft es nicht, den Enkeltrick zu unterbinden. Obwohl sich allein 25 Mitarbeiter um Prävention und Opferschutz kümmern. Im Netzt klärt sie mit Videos auf.

Arno Helfrich ist Leiter der Präventionsabteilung. Letzten Endes gehe es darum, erst einmal abzuwarten, wenn man spürt, dass was nicht stimmt: "Wenn Sie das Gefühl haben, das kann nicht der Enkel sein, einfach auflegen und dann bitte die Polizei verständigen."