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Faire Mode statt Fast Fashion: Jeder Konsument kann etwas ändern | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/David Kavaler/RAFFAUF/obs

Die Bekleidungsindustrie produziert jedes Jahr riesige Mengen an Müll und CO2. Unnötig viel – wie immer mehr Menschen glauben. Sie sind deshalb zunehmend an fairer und nachhaltiger Mode interessiert. Auch Seconhand findet immer mehr Abnehmer.

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Faire Mode statt Fast Fashion: Jeder Konsument kann etwas ändern

Die Bekleidungsindustrie produziert jedes Jahr riesige Mengen an Müll und CO2. Unnötig viel – wie immer mehr Menschen glauben. Sie sind deshalb zunehmend an fairer und nachhaltiger Mode interessiert. Auch Secondhand Ware findet immer mehr Abnehmer.

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Von
  • Leonie Thim

Die Corona-Pandemie wirkt sich massiv auf sämtliche Bereiche des täglichen Lebens aus, auch auf das Einkaufverhalten. Laut Statistischem Bundesamt shoppen die Deutschen vermehrt online - auch Bekleidung. Das Thema Klimawandel scheint dabei keine große Rolle gerade zu spielen. Die "Greenstyle Munich" will jetzt auf einer zweitägigen, digitalen Konferenz zeigen, wie Mode nachhaltiger werden kann.

Kleidung soll umweltfreundlicher und sozialer hergestellt werden

Die Münchnerin Mirjam Smend hat einen Traum. Sie will die Modewelt ein stückweit revolutionieren und Verbraucher über faire und nachhaltige Kleidung aufklären. Denn jeder sei ein Konsument und habe eine Stimme, sagt die ehemalige Modejournalistin. Und die sei nicht zu unterschätzen. Mirjam Smend geht es darum, die Textilindustrie und den Kleiderkonsum umweltfreundlicher und sozialer zu gestalten.

Entscheidung für schnelle oder faire Mode

Nach einem Jahr Corona-Pandemie wird deutlich, dass immer mehr Verbraucher Mode und Schuhe nicht mehr in den Innenstädten, sondern online einkaufen. Die deutschen Mode- und Schuhläden haben nach Angaben des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr knapp 74 Prozent weniger Umsatz gemacht als noch im Jahr 2019. Der Internet- und Versandhandel hingegen hatte ein gutes Jahr. Er steigerte seinen Umsatz 2020 preisbereinigt um rund 34 Prozent.

Mirjam Smend möchte Verbraucher für einen nachhaltigen Konsum sensibilisieren. Zum einen gehe es darum zu überlegen, wie viel man shoppt und was man kaufe, sagt sie. "Und da können wir uns natürlich entscheiden, ob wir faire Mode oder schnelle Mode kaufen."

EU-Studie: Fast Fashion verursacht klimaschädliches CO2

Die sogenannte Fast Fashion steht zunehmend in der Kritik. Unter Fast Fashion, also schneller Mode, versteht man das Geschäftsmodell großer Bekleidungsketten, laufend neue Kollektionen möglichst billig herzustellen und anschließend schnell und zu einem niedrigen Preis zu verkaufen. Mode wird zur günstigen und oft weniger haltbaren Massenware, weil weniger langlebige Materialien genutzt werden. Das hat Folgen für die Umwelt.

Laut einer Studie des EU-Parlaments aus dem Jahr 2019 verursacht die Textilindustrie weltweit im Schnitt 1,7 Milliarden Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr - mehr als die Luft- und Schifffahrt ausstößt. Das CO2 entsteht zum Beispiel durch lange Transportwege, wenn Kleidung in Asien oder Afrika hergestellt und anschließend nach Europa zum Verkauf transportiert wird. Außerdem benötigt die Textilindustrie etwa beim Anbau von Baumwolle Unmengen an Wasser und die Färbemittel von Kleidung können aus giftigen Stoffen bestehen.

Der Konsum von günstiger, qualitativ minderwertiger Kleidung bringt eine weitere Herausforderung. Die aussortierte und weggeworfene Mode produziert viel Müll - insgesamt über 90 Millionen Tonnen im Jahr weltweit. Laut Zahlen der britischen Ellen-MacArthur-Stiftung werden aktuell weniger als ein Prozent aller Materialien, die für Kleidung genutzt werden, auch wieder für Kleidung recycelt. Der Rest ist Abfall und wird häufig wie anderer Haushaltsmüll verbrannt.

Von Fast Fashion zu Fair Fashion

Um Verbraucher besser über die möglichen Folgen ihres Konsums aufzuklären, veranstaltet Mirjam Smend seit 2016 eine Messe für nachhaltige und faire Mode, die Greenstyle Munich. In diesem zweiten Pandemie-Jahr findet die Messe wieder als Online-Konferenz statt.

Secondhand wächst am schnellsten

Zwei Tage lang diskutiert die ehemalige Modejournalistin auf der Online-Konferenz mit Experten aus der Branche darüber, wie Kleidung umweltfreundlicher und sozialer werden kann. Unter anderem wird darüber gesprochen, dass Secondhand der wohl schnellste wachsende Wirtschaftszweig innerhalb der Modeindustrie ist. Denn:

"Das nachhaltigste Kleidungsstück tatsächlich ist das, was man schon hat." Mirjam Smend, Konferenz-Veranstalterin

Secondhand ist Mode, die schon existiert und für die keine neuen Ressourcen benutzt werden. Durch einen Wiederverkauf bleibe sie länger im Kreislauf, erklärt Mirjam Smend. "Was unseren Planeten schützt." Eine weitere Möglichkeit, um Kleidung nachhaltiger zu gestalten, sei Mode zu mieten, erklärt sie.

Zusammen mit dem Generaldirektor von Oeko-Tech, Georg Dieners, diskutiert Mirjam Smend über das neue Lieferkettengesetz, das große deutsche Firmen in Zukunft verpflichtet, ihre Zulieferer im Ausland besser zu kontrollieren. Bei jedem Herstellungsschritt sollen Menschenrechte und Umweltschutz eingehalten werden. Das Gesetz tritt im Januar 2023 in Kraft.

Faire und nachhaltige Mode noch Nischenmarkt

Die Branche der fairen und nachhaltigen Mode scheint trotz Corona auf dem Vormarsch zu sein, doch noch ist sie eher ein Nischenmarkt, der wenig wissenschaftlich untersucht ist. Zum Beispiel gibt es keine aktuellen Studien über die wirtschaftliche Bedeutung der fairen und nachhaltigen Kleidungsindustrie in Deutschland.

Die jüngste Untersuchung ist aus dem Jahr 2015. Die Unternehmensberatung KPMG und das wissenschaftliche Institut des Handels EHI haben darin allgemeine Trends in der Modeindustrie untersucht. Damals prognostizierten die Experten, dass der Umsatz der nachhaltigen und fairen Mode um 20 bis 25 Prozent pro Jahr steigen würde. Seit der Studie ist viel geschehen und zahlreiche neue Firmen sind entstanden.

Bewusstsein für nachhaltigen Konsum stärken

Diesen Trend sieht Mirjam Smend positiv und sie möchte ihn mit ihrer Online-Konferenz "Greenstyle Munich Summit" unterstützen. Die Konferenz ist bundesweit verfügbar und kostenlos. Wer möchte, kann Geld spenden.

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