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Fahrradhelme: Wie findet man den passenden? | BR24

© dpa-Bildfunk

Ein perfekt sitzender Fahrradhelm kann ein Schädel-Hirn-Trauma verhindern

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    Fahrradhelme: Wie findet man den passenden?

    Nicht einmal jeder fünfte Radler trägt hierzulande einen Helm. Dabei ist ein Schädel-Hirn-Trauma laut Deutscher Gesellschaft für Unfallchirurgie die häufigste Verletzung bei einem Fahrradunfall. Ein guter Schutzhelm kann Verletzungen verhindern .

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    Nur 18 Prozent aller Radler in Deutschland tragen einen Helm. Es gibt zahlreiche Gründe, warum viele auf einen Fahrradhelm verzichten: Er ruiniert die Frisur, sieht hässlich aus, ist unbequem... - Alles schwache Argumente, denn eine wissenschaftliche Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zeigte, dass über 70 Prozent der in Lebensgefahr schwebenden Fahrradfahrer schwer am Kopf verletzt waren.

    Helm halbiert Risiko

    Dabei kann das Tragen eines Helmes dieses Risiko so gut wie halbieren, sagt Prof. Peter Biberthaler, Direktor der Unfallchirurgie des Klinikums rechts der Isar in München. Das Klinikum behandelt rund 1.000 Schädel-Hirn-Trauma-Patienten pro Jahr, davon sind bis zu 20 Prozent verunglückte Radfahrer.

    Wäre eine gesetzliche Helmpflicht sinnvoll?

    Unfallchirurgen wie Prof. Peter Biberthaler halten eine Helmpflicht nicht für sinnvoll: "Man muss aufpassen, dass man nicht zu sehr reglementiert, Radfahren soll Spaß machen." Außerdem habe sich in Untersuchungen gezeigt, dass in einigen Ländern die Helmpflicht nicht dazu geführt hat, dass der prozentuale Anteil der Radfahrer mit Helm zunimmt, sondern: "Die Anzahl der Radfahrer hat einfach abgenommen. Und das ist etwas, das wir nicht wollen", sagt Prof. Biberthaler. Daher möchte er an die Vernunft der Menschen appellieren und sie so vom Helmtragen überzeugen.

    "Wenn wir mit Fakten den Leuten klarmachen, dass sie mit Helm ihr Risiko halbieren können, dann ist das ein starkes Argument." Prof. Peter Biberthaler

    Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) lehnt eine Helmpflicht ab.

    "Es liegt in der Verantwortung eines jeden. - Und man muss sagen, der Helm verhindert keinen Unfall." Petra Husemann-Roew, Landesgeschäftsführerin ADFC

    Deshalb fordert der ADFC Bayern, den Straßenverkehr für Radler zum Beispiel durch entsprechenden Ausbau von Fahrradwegen sicherer zu machen.

    Helmkauf: Worauf muss man achten?

    Vom City-Helm für den Stadtradler bis hin zum Mountainbiker-Helm für Sportler, die im Gelände unterwegs sind – die Auswahl im Fachhandel ist riesig. Doch egal für welches Einsatzgebiet, generell gilt: Der Helm muss perfekt sitzen! Petra Husemann-Roew rät, sich Zeit beim Helmkauf zu nehmen. Zunächst gilt es, die richtige Größe zu finden. Beim ersten Aufsetzen sollte man gleich ein gutes Tragegefühl haben und dann unbedingt den Schütteltest machen, sagt die ADFC-Expertin.

    Tipp: Schütteltest zeigt, ob der Helm richtig sitzt

    Dazu stellt man den Helm mit dem hinteren Verstellmechanismus fest ein, schließt aber den Kinnriemen noch nicht. Vornübergebeugt schüttelt man dann den Kopf, dabei sollte der Helm nicht verrutschen. Ist der Schütteltest bestanden, wird der Kinnriemen eingestellt. "Zwischen Riemen und Kinn sollte nicht mehr als einen Finger breit Platz sein", erklärt Petra Husemann-Roew, "zudem sollten die seitlichen Riemen das Ohr gut umfassen, also davor und dahinter verlaufen ohne zu stören."

    Der Helm sollte an beiden Schläfen bis weit über die Wange und die Ohren reichen. Und er muss waagerecht auf dem Kopf sitzen, also nicht tief in den Nacken oder die Stirn gezogen werden.

    Nur Helme mit Prüfsiegel kaufen

    Ein Fahrradhelm muss die Prüfnorm DIN EN 1078 (CE) erfüllen. Das bedeutet: Schlägt der Radfahrer mit dem Kopf auf einer ebenen Fläche auf, schützt der Helm bei einer Aufprallgeschwindigkeit von bis zu 19,5 Stundenkilometern. Prallt der Kopf dagegen zum Beispiel auf eine spitze Kante, reicht die Schutzwirkung nur bis zu einer Aufprallgeschwindigkeit von bis zu 16,5 Stundenkilometern.

    Das CE-Zeichen auf der Helminnenseite bestätigt, dass das Produkt den geltenden Standards und Sicherheitsanforderungen entspricht. Im Idealfall ist auch ein Herstellungsdatum ausgewiesen, denn nach etwa fünf Jahren sollte man sich einen neuen Helm anschaffen.

    Nach einem Aufprall muss der Helm ausgetauscht werden

    Doch selbst wenn ein Fahrradhelm äußerlich noch gut aussieht, er kann nur für begrenzte Zeit zuverlässigen Schutz bieten, denn das Material ermüden, kann feine, kaum sichtbare Risse bekommen und porös werden.

    Helme können noch besser werden

    An der Universität Straßburg hat der Biomechaniker Rémy Willinger ein Verfahren entwickelt, um Radhelme praxisnäher zu testen. In herkömmlichen Standardtests prallt ein Modellkopf samt Helm vertikal auf eine horizontale Fläche. Der Franzose lässt in seinen Tests die Helme auch auf eine Schräge knallen. Denn bei Unfällen stürzen die Radler meist schräg, etwa gegen eine Windschutzscheibe oder eine Bordsteinkante. Dieser schräge Aufprall bewirkt Rotationskräfte, die das Gehirn sehr stark belasten und verletzen, sagt Willinger: "Wir wissen schon seit langem, dass der Kopf Rotationsbeschleunigung nicht so gut verträgt wie eine lineare Beschleunigung."

    Das "Straßburger Kopfmodell" ermöglicht, diese Rotation und die Dehnung des Gehirns bei einem Aufprall zu berechnen, um Helme noch sicherer zu machen. Die Bewertungen verschiedener Helme, die auch mit Hinblick auf Rotation getestet worden sind, können unter der Seite www.certimoov.com abgerufen werden (bislang nur in französischer und englischer Sprache).