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Fachkräftemangel: Kunden müssen länger auf Handwerker warten | BR24

© BR / Irini Bafas

Wer derzeit einen Handwerker braucht, wartet teilweise mehr als 14 Wochen. Seit Jahren schon fehlt es an Fachkräften. Ein Grund: Immer mehr Jugendliche wollen studieren.

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Fachkräftemangel: Kunden müssen länger auf Handwerker warten

Wer derzeit einen Handwerker braucht, wartet teilweise mehr als 14 Wochen. Seit Jahren schon fehlt es an Fachkräften. Ein Grund: Immer mehr Jugendliche wollen studieren.

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Kunden müssen wegen des Fachkräftemangels immer länger auf Handwerker warten. Im Bauhauptgewerbe etwa können die Wartezeiten einer Umfrage der Bayerischen Handwerkskammern zufolge derzeit bis zu 14,6 Wochen liegen – sofern es sich nicht um einen Notfall handelt.

Im Handwerk für den privaten Bedarf beträgt die Wartezeit derzeit bis zu 4,7 Wochen. Die Betriebe arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen und suchen händeringend nach Nachwuchs.

Jugendliche wollen lieber studieren

Denn auch wenn die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge für eine Handwerksausbildung in den letzten Jahren in Bayern relativ konstant war, blieben allein im letzten Jahr etwa 7.400 Ausbildungsplätze unbesetzt. Der Bedarf steigt, die Bewerberzahl aber nicht.

Laut den bayerischen Handwerkskammern liegt diese Entwicklung unter anderem am Trend zur Akademisierung.

"Die Zahl der jungen Leute, die studieren wollen, steigt. Aber wenn man sie dann fragt, was sie mit ihrem Studium machen wollen, ist da ein großes Fragezeichen." Serkan Engin, Fachberater für Berufsausbildung der Handwerkskammer für München und Oberbayern

Gerade in den Großstädten wollen immer mehr Jugendliche Abitur machen und studieren. Auch Schüler an Berufs- und Mittelschulen entscheiden sich immer häufiger für eine akademische Karriere.

An der Max-Mannheimer-Mittelschule in Garching bei München könnte sich etwa die Hälfte einer zehnten Klasse vorstellen, später mal zu studieren. Ins Handwerk wollen bisher nur drei Schüler.

"Mein Ziel ist es, Ingenieur zu werden. Ich will erst den mittleren Schulabschluss, dann Fachoberschule, dann Studium. Ich will etwas machen, das mich später glücklich macht." Omar Adwan (17), Mittelschüler

Boomende Konjunkturn ist beste Ausgangslage für junge Handwerker

Dabei könnte die Ausgangslage derzeit für angehende Handwerker nicht besser sein: Die Konjunktur boomt, die Aufträge stapeln sich und die Umsätze steigen.

Hinzu komme, dass derzeit viele Betriebe zur Übernahme anstehen, da die geburtenstarken Jahrgänge nach und nach in den Ruhestand gehen. Die Chance, sich als Handwerker selbstständig zu machen, ist laut dem bayerischen Handwerkstag im Moment ungewöhnlich hoch.

“Das Handwerk hat goldenen Boden, sagt man ja. Das gilt erst recht in der heutigen Zeit. Wir haben seit Jahren eine starke Konjunktur und diejenigen, die ihr Handwerk verstehen, können auf jeden Fall gutes Geld verdienen." Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer Bayerischer Handwerkstag

Handwerker verdienen teils mehr als Akademiker

Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit verdient man in manchen Handwerksberufen mehr als mit einem Bachelor-Studienabschluss.

Vollzeitbeschäftigte Maurer, Kfz-Mechatroniker und Augenoptikmeister verdienen demnach im Durchschnitt etwa zwischen 3.100 und 3.500 Euro im Monat. Anders ist es jedoch bei Maßschneidern und Bäckern – hier betragen die Monatsgehälter lediglich 2.100 bis 2.300 Euro.

Nicht nur der Verdienst in vielen Bereichen, sondern auch die Arbeitsbedingungen in der Branche hätten sich in den letzten Jahren verbessert. Dennoch seien viele der Berufe mit Vorurteilen behaftet.

"Viele Klischees sind sicherlich zutreffend, zum Beispiel die frühen Aufstehzeiten beim Bäcker, die nun mal Fakt sind. Anderes, die schwere körperliche Arbeit etwa, ist heute teilweise gar nicht mehr so. Durch die Digitalisierung, durch moderne Maschinen ist vieles, was früher körperlich anstrengend war deutlich leichter." Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer Bayerischer Handwerkstag

Nur wenn Politik und Gesellschaft beginnen, das Handwerk und akademische Berufe gleichwertig zu behandeln, könne die derzeitige Lücke geschlossen und der Fachkräftemangel behoben werden, so Hüpers.