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Fachkräfte anwerben: DGB will ein "atmendes System" | BR24

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Die Bundesregierung will verstärkt qualifiziertes Personal aus dem Ausland nach Deutschland locken. Ein notwendiger Schritt, meint der DGB-Arbeitsmarktexperte Johannes Jakob. "Es sollte immer nur nach Bedarf angeworben werden", betont er.

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Fachkräfte anwerben: DGB will ein "atmendes System"

Die Bundesregierung will verstärkt qualifiziertes Personal aus dem Ausland nach Deutschland locken. Ein notwendiger Schritt, meint der DGB-Arbeitsmarktexperte Johannes Jakob. "Es sollte immer nur nach Bedarf angeworben werden", betont er.

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Nach dem Fachkräftegipfel im Kanzleramt äußert sich der Deutsche Gewerkschaftsbund positiv im Hinblick darauf, dass Deutschland mehr Fachkräfte aus dem Ausland anwerben möchte.

Johannes Jakob, Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik beim DGB Bundesvorstand, macht aber Einschränkungen. Die Gewerkschaften möchten, "dass es ein atmendes System ist, es soll dann immer nur nach Bedarf angeworben werden", sagte Jakob in der radioWelt auf Bayern 2. "Wenn also die Arbeitslosigkeit in Deutschland zunehmen sollte, dann muss das natürlich beendet oder auf bestimmte Berufe beschränkt werden", so der Arbeitsmarktexperte vom DGB.

"Es ist nicht die beste Lösung, aber unter den derzeitigen Bedingungen halten wir es auch für notwendig. Wir müssen sehen, dass in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen werden, sodass wir ein deutliches Missverhältnis haben zwischen denen, die in Rente gehen und denen, die am Arbeitsmarkt nachkommen. Da müssen wir sowohl aus der EU als auch aus den Drittstaaten Fachkräfte anwerben." Johannes Jakob, DGB

"Gute Perspektive bieten"

"Wer einmal hier ist, soll erst mal hier bleiben", betonte Johannes Jakob. Das gelte, auch wenn der DGB grundsätzlich ein Anwerben nach Bedarf vertrete. "Das ist wichtig, denn wenn man immer auf gepackten Koffern sitzen würde, würden die Menschen erst gar nicht kommen."

Deutschland stehe im harten Wettbewerb um Fachkräfte. "Es ist nicht so, dass die Leute massenhaft an der Grenze stehen und warten, dass sie jetzt endlich in Deutschland arbeiten können", so Jakob. "Gerade Fachkräfte haben andere Optionen."

"Die englischsprachigen Länder haben den Vorteil, dass ihre Sprache deutlich verbreiteter ist. Wir haben außerdem ein spezielles Berufesystem in Deutschland, was es für Fachkräfte schwer macht, ihre Berufsanerkennung zu bekommen. Insofern müssen wir die Bedingungen günstig machen und dazu gehört, dass wir eine gute Perspektive bieten und die Menschen hier integrieren." Johannes Jakob, DGB

Qualifizierung der Einheimischen als Priorität

"Die Qualifizierung der Einheimischen muss erste Priorität haben", betonte der Arbeitsmarktexperte.

"Die Bundesagentur für Arbeit hat ihre Mittel dafür zwar ausgeweitet, aber insbesondere für die, die schon länger arbeitslos sind, die also in der Grundsicherung, im so genannten Hartz IV, sind, könnte mehr getan werden." Johannes Jakob, DGB