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Fabrikjob statt Bauernhof: Nachwuchsmangel in der Landwirtschaft | BR24

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Allein die Landwirtschaft um Feuchtwangen könnte den halben Landkreis ernähren – doch auch hier müssen Bauern aufgeben. Viele junge Leute ziehen einen geregelten Job in der Industrie vor.

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Fabrikjob statt Bauernhof: Nachwuchsmangel in der Landwirtschaft

Immer mehr Landwirte geben ihren Hof auf. Daran schuld: Billigpreise großer Discounter und Nachwuchsmangel. Viele junge Leute wollen lieber einen geregelten Job statt den Familienbetrieb zu übernehmen. Besuch einer Familie in Mittelfranken.

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Familie Rummel bewirtschaftet einen kleinen Hof am Ortsrand von Feuchtwangen. Tochter Veronika, 31, wohnt noch im Elternhaus. In ihrer Freizeit packt sie in der Landwirtschaft mit an. Übernehmen möchte sie den Betrieb aber nicht.

"Das ist eine sehr harte Arbeit und das Geld ist anderweitig leichter verdient. Man hat seinen Feierabend, man hat 30 Tage Urlaub, man muss nicht morgens und abends immer da sein am Hof." Veronika Rummel, Industriekauffrau

Landwirt beklagt Nachwuchsmangel

Viele junge Leute denken wie Veronika. Die Landwirtschaft leidet schon länger unter Nachwuchsmangel. Veronikas Vater hat Verständnis und sieht die Ursache in den strukturellen Rahmenbedingungen, mit denen es die Hofbetreiber heute zu tun haben.

"Die Auflagen, die wir heute haben, da ist es fast niemand mehr zumutbar, dass er da einsteigt. Zum anderen ist unser Betrieb auch zu klein. Man müsste da groß investieren, und das lohnt sich heute nicht mehr." Hans Rummel, Landwirt

Als gelernte Industriekauffrau ist Veronika beim Kunststoffhersteller Rehau AG + Co angestellt. Das deutsche Tochterunternehmen der zentral in der Schweiz verwalteten Rehau Gruppe ist der größte Arbeitgeber in Feuchtwangen - Jahresumsatz fast 3,5 Milliarden Euro. Klingt nach Sicherheit, doch die Branche hat mit einer schwächelnden Konjunktur zu kämpfen. Vor Kurzem wurde bei Rehau AG die Führungsspitze ausgetauscht.

Veronikas Arbeitsalltag dreht sich um Kunststoffe und Zollformulare

Am mittelfränkischen Standort von Rehau AG + Co sind fast 1.700 Menschen in zwei Werken beschäftigt. Veronika kümmert sich im Versandbüro um den internationalen Vertrieb der fertigen Produkte. Im Arbeitsalltag heißt das: Zollformulare ausfüllen und schauen, dass die Lastwagen richtig beladen werden.

Bei den Produkten dreht es sich um Plastik: Abdeckungen für den Innenraum von Flugzeugen, Industrieschläuche, medizinische Schläuche für Bluttransfusionen und Gartenschläuche. Die Branche steht vor Herausforderungen, denn auch sie wurde von der Debatte rund um Plastikmüll und die Folgen für die Umwelt erfasst. Dem Phänomen würde man aber schon seit langem durch konkrete Recycling-Maßnahmen begegnen, sagt Werksleiter Hans-Martin Bachmann dem BR.

"Selbstverständlich ist das Thema Kunststoff in aller Munde, und für uns wird es auch ein Problem. Aber wir recyceln schon seit vielen Jahren, seit 30 Jahren, zum Beispiel Gartenschlauch-Abfälle. Wir machen daraus wieder neue Gartenschläuche. Wir kennen das Problem und wir stellen uns der Verantwortung." Hans-Martin Bachmann, Werksleiter Rehau AG + Co, Standort Feuchtwangen

Zukunft in der Bienenzucht

Nach Feierabend hilft Veronika auf dem Feld der Eltern. Die Familie bewirtschaftet 40 Hektar Land, baut Weizen, Gerste, Mischkorn und Mais an. Nach dem Dreschen wird der Boden auf die Aussaat im nächsten Jahr vorbereitet. Auch nach acht Stunden in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb empfindet Veronika das Mithelfen auf dem Feld als einen "Ausgleich zur Arbeit".

Zumindest die Zukunft des Hofes scheint gesichert. Seit März ist Veronika Hobby-Bienenzüchterin und betreibt eine kleine Imkerei auf dem Anwesen der Eltern. Auch wenn es mit der Landwirtschaft der Eltern eines Tages nicht mehr weitergehen wird, will Veronika bleiben.