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EZB-Entscheidung: Banken müssen höhere Strafzinsen zahlen | BR24

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Der EZB-Rat hat am Donnerstag weitere Anleihekäufe angekündigt und die Strafzinsen für Banken erhöht. Der Leitzins bleibt auf Rekordtief. Die EZB wird für diese lockere Geldpolitik kritisiert. Doch was sind deren Folgen?

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EZB-Entscheidung: Banken müssen höhere Strafzinsen zahlen

Der EZB-Rat hat am Donnerstag weitere Anleihekäufe angekündigt und die Strafzinsen für Banken erhöht. Der Leitzins bleibt auf Rekordtief. Die EZB wird für diese lockere Geldpolitik kritisiert. Doch was sind deren Folgen?

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Dass der Leiter der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, schwere Geschütze auffahren könnte - also die Zinsen senken und das Kaufprogramm von Anleihen wieder aufnehmen - mit diesem Szenario hatten schon viele gerechnet.

EZB zieht alle Register: Höhere Strafzinsen und Anleihenkäufe

Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Die EZB macht mit der umstrittenen Erhöhung der Strafzinsen für Banken ernst: Die Währungshüter setzen den Zinssatz auf minus 0,5 von bisher minus 0,4 Prozent. Diesen Satz müssen Finanzinstitute zahlen, wenn sie bei der Zentralbank Geld parken. Die EZB kündigte zudem an, die im Dezember 2018 beendeten Anleihenkäufe erneut aufzunehmen. Sie will ab dem 1. November monatlich Papiere für 20 Milliarden Euro erwerben.

Leitzins bleibt auf Rekordtief: So wirken niedrige Zinsen

Die Leitzinsen legen fest, mit welchen Zinsen sich Banken bei der Zentralbank ihr Geld leihen können. Durch eine Leitzinssenkung wird das Geld der EZB für die Banken billiger.

Das bedeutet: Banken können selbst günstigere Kredite an andere vergeben. Wenn Kredite günstiger sind, dann investieren Firmen tendenziell stärker. Aber auch die Kauflaune steigt und Verbraucher konsumieren mehr. So sollen die niedrigen Zinsen gegen die Wirtschaftsflaute helfen und die Konjunktur ankurbeln.

Dazu kommt: Anlegerinnen und Anleger kaufen bei sinkenden Zinsen oft verstärkt Aktien, weil steigende Investitionen von Unternehmen auch eine höhere Rendite versprechen.

Das Risiko des billigen Geldes

Kritiker der lockeren Geldpolitik der EZB sagen: Bei besonders niedrigen Zinsen werden Banken dazu verleitet, Kredite für wenig rentable Projekte zu vergeben. Dabei berufen sie sich zum Beispiel auf die Immobilienblase in den USA und später auch in europäischen Ländern, denn auch der Hypothekenmarkt-Boom könnte angetrieben werden. Kurzum: Die neuen EZB-Milliarden könnten überall hin wandern und müssen nicht, wie von der EZB intendiert, in produktive Neuinvestitionen gehen.

Banken könnten als Reaktion Gebühren erhöhen

Auch für Bankkundinnen und Bankkunden könnte es teurer werden. Verbraucherschützer befürchten, dass Banken die Geldpolitik der EZB zum Anlass nehmen, Sparer zur Kasse zu bitten. Denn die Geldinstitute könnten ihre Kosten, die sie beim Parken von Geld bei der EZB haben, mit höheren Gebühren auf die Kundinnen und Kunden umlegen.

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EZB-Chef Draghi hat etwas verkündet, das den meisten Sparern nicht gefallen dürfte. Er hat die Strafzinsen erhöht für jene Gelder, die die Banken bei der EZB parken. Auch unsere Ersparnisse bei Banken und Sparkassen könnten bald etwas kosten.