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Seit Monaten steigen die Preise für Bauholz. Das hat unterschiedliche Konsequenzen: Sägewerke profitieren, Waldbesitzer bemerken den Preisanstieg eher weniger, Lieferzeiten für Zimmereien werden länger und Hausbauen wird teurer.

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Extrem teures Bauholz: Stimmen aus dem Landkreis Kitzingen

Seit Monaten steigen die Preise für Bauholz. Das hat unterschiedliche Konsequenzen: Sägewerke profitieren, Waldbesitzer bemerken den Preisanstieg eher weniger, Lieferzeiten für Zimmereien werden länger und Hausbauen wird teurer.

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Von
  • Julia Dechet

Die Preise für Holz steigen momentan stark an: "Wir haben Preissteigerungen seit ungefähr August 2020 und sind – Stand jetzt – ungefähr beim Doppelten", sagt Timo Vasicek vom Holzwerk Haidt bei Kleinlangheim im Landkreis Kitzingen dem Bayerischen Rundfunk. Sägewerke würden von der aktuellen Preissteigerung für Holz am meisten profitieren, heißt es von verschiedenen Seiten. "Das diktieren die Großsägewerke. Da gibt es in Deutschland so etwa zehn bis zwanzig Stück und die machen den Preis", sagt Vasicek. Das Holzwerk Haidt, das an Industrie- und Privatkunden oder Handwerksunternehmen verkauft, habe sich an die Preise der Großsägewerke angenähert.

Mehr "Heimwerker" in Zeiten der Corona-Pandemie

Während die Zukunft des Sägewerks im Landkreis Kitzingen vor einigen Jahren im Betrieb noch auf wackeligen Beinen stand, konnte das Holzwerk laut Vasicek 2020 und 2021 die Umsätze steigern. Das liege nicht nur an generell gestiegenen Preisen: "Wir haben viel mehr Privatkunden, die bei uns einkaufen, die Projekte im Garten realisieren", sagt Vasicek. Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie, in der die Menschen weniger reisen, hätten sie stattdessen "geheimwerkelt": Ein neuer Gartenzaun, ein Carport, ein Gartenhaus oder eine Terrasse.

Materialien für Hausbau teurer geworden

Von der aktuellen Preissteigerung betroffen sind laut Timo Vasicek eigentlich nur die Leute, die mit dem Bau direkt zu tun haben: Zimmereien, Dachdeckereien oder private Hausbauer. Speziell beim Hausbau seien zudem andere Materialien im Preis gestiegen, zum Beispiel Dämmmaterial. "Ein Haus wird wohl so ein Viertel mehr kosten, als noch vor einem Jahr", sagt Timo Vasicek. Warum der Preis für das Holz so angestiegen ist, kann Vasicek nur vermuten: "Angeblich liegt es am Exportmarkt, dass Amerika und China für horrende Preise Holz kaufen".

Borkenkäfer: Überangebot von Schadholz

Eine ähnliche Vermutung hat auch Dieter Rammensee. Er ist Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kitzingen, die zwischen Waldbesitzern und Sägewerken vermittelt. Schnittholz werde weltweit vertrieben und nachgefragt, daher orientiere sich der Holzpreis auch am Weltmarkt. Was den Holzmarkt außerdem beeinflusst hat, war laut Rammensee ein regelrechtes Überangebot an Schadholz im vergangenen Jahr. Schädlinge wie der Borkenkäfer richten mehr und mehr Schaden an. Dazu kommt: Wenn beispielsweise eine Fichte oder eine Kiefer vom Borkenkäfer befallen ist, muss sie entfernt werden und mit ihr rundherum eine gewisse Waldfläche, um die Schädlingsverbreitung zu stoppen. Schadholz ist generell weniger wert als sogenanntes Frischholz.

Zimmerer: Lange Lieferzeiten aber keine Krise

Eine Unsicherheit in der Holzbranche bemerkt auch Armin Wagenbrenner, Inhaber einer Zimmerei in Kleinlangheim: "Es ist nicht so, dass wir gewisse Produkte nicht bekommen. Sondern wir haben im Moment unglaublich lange Lieferzeiten, die wir so vor drei oder vier Wochen nicht gekannt haben." Wagenbrenner habe kürzlich Material bestellt, das in der Regel innerhalb weniger Tage da ist – im aktuellen Fall wurde ihm eine Lieferung erst Ende August zugesagt. Darauf müssen sich die Betriebe laut Wagenbrenner nun organisatorisch einstellen. "Das müssen wir ja zum Beispiel beim Benzinpreis auch machen, dass wir uns dem Markt in irgendeiner Form anpassen und trotzdem noch wirtschaftlich arbeiten können", sagt Wagenbrenner. Als "Holzkrise" würde er die aktuelle Situation aber nicht bezeichnen. Er geht davon aus, dass der Markt sich irgendwann von selbst wieder regelt und auf die neue Situation einstellt.

Sägewerke profitieren deutlicher als Waldbesitzer

Waldbesitzer selbst spüren die steigenden Holzpreise aber nicht so stark, wie etwa die Sägewerke. Das bestätigen Timo Vasicek und Dieter Rammensee. Wer einen eigenen Wald hat, bekommt derzeit, verglichen mit den vergangenen Jahren, eher wenig Geld für sein Holz. Gerechnet wird da in den sogenannten Festmetern. Ein Festmeter entspricht genau einem Kubikmeter fester Holzmasse. Als Richtwert gilt die Fichte, deren Holz am häufigsten verbaut wird. Laut Rammensee lag 2020 der schlechteste Preis für einen Festmeter Fichte im Landkreis Kitzingen bei 20 bis 30 Euro. "Die Diskrepanz wird aber aktuell ein bisschen kleiner zwischen Produzent und Produkt", sagt Rammensee. Pro Festmeter Fichte bekomme ein Waldbesitzer derzeit etwa 70 Euro gezahlt.

Dennoch: Gerade Nadelholzpreise schwanken immer wieder. Für Rammensee bleibt auch die Frage, wie zukunftsfähig die Fichte im von Trockenheit und Klimawandel geprägten Landkreis Kitzingen ist: "Ich persönlich glaube, dass wir in fünf Jahren keine Fichte mehr haben."

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Holzlager vom Holzwerk Haidt im Landkreis Kitzingen.

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