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Handelsexperte hält Kritik an Seidenstraße für Missverständnis | BR24

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Mit dem Mega-Infrastrukturprojekt "Neue Seidenstraße" soll die Wirtschaft in Dutzenden Ländern angekurbelt werden. Kritiker beklagen , Vorteile ziehe nur die Volksrepublik aus dem Projekt. Prof. Markus Taube widerspricht dem.

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Handelsexperte hält Kritik an Seidenstraße für Missverständnis

Markus Taube, Handelsexperte mit Schwerpunkt Ostasien, hält einen Großteil der Kritik an der neuen chinesischen Seidenstraße für unbegründet. Vieles beruhe auf anfänglichen Fehlern und Missverständnissen, so Taube im BR.

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Gerade erst hatte China zum zweiten internationalen "Seidenstraßen-Gipfel" nach Peking geladen. Aber die Kritik an dem Milliardenprojekt reißt nicht ab. Kurz nach dem Treffen kritisierte etwa Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), China müsse internationale Regeln wie Umwelt- und Sozialstandards einhalten.

In unterschiedlichen Werten und Standards sieht auch Markus Taube, Professor für Ostasienwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, das größte Konfliktpotenzial zwischen China und dem Westen. Ansonsten hält er viele der westlichen Vorbehalte aber für Missverständnisse.

"Schuldenfallen sind nicht im Interesse Chinas"

So glaubt Taube nicht, dass China kleinere Länder bewusst in die Schuldenfalle lockt. Vielmehr habe es in der Vergangenheit Fälle gegeben, in denen sich einzelne Länder wirtschaftlich schlicht übernommen hätten. Das könne China aber nicht gefallen, so der Handelsexperte, weil Peking bei dem Milliardenprojekt auf langfristigen Erfolg angewiesen sei.

Auch europäische Länder sind finanziell beteiligt

Überhaupt sei es ein Missverständnis, dass China das Projekt alleine stemme. Mindestens 50 Prozent der Investitionen stamme aus den OECD-Ländern, so Taube. Generell habe die Seidenstraße das Potenzial, die Weltwirtschaft insgesamt zu stimulieren. Und vor allem wirtschaftlich starken Ländern wie etwa Deutschland, eröffnen sich nach Meinung Taubes zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten in Drittstaaten wie zum Beispiel in Kasachstan.

Freie Marktwirtschaft vs. Staatskapitalismus

Teilweise hält Taube die Kritik aber auch für berechtigt. So habe China zeitweise den Eindruck erweckt, die Dritte Welt fördern zu wollen. Viele Aufträge seien dann aber an chinesische Unternehmen vergeben worden. Das habe zu Vorbehalten geführt.

Daneben prallten verschiedene Wertvorstellungen aufeinander. Der Westen gehe von einer freiheitlichen Gesellschaft aus, während China ein Ein-Parteien-System hat. Der Westen sei durch die freie Marktwirtschaft geprägt, "China hat einen knallharten Staatskapitalismus". Das sei nicht kompatibel.

Berechtigt sei auch die Kritik, China spalte Europa, indem es Verträge mit einzelnen, osteuropäischen Staaten abschließt. Entscheidend sei letztendlich, wie "smart" deutsche Unternehmer und Politiker auf die Herausforderung reagieren.