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Existenz von Klein-Unternehmern bedroht - trotz Finanzhilfen | BR24

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Hilfskredite im Wert von über 50 Milliarden Euro - damit will die staatliche Förderbank KfW Unternehmen in der Krise stützen. Doch der ersehnte Kredit ist für viele wie die Karotte vor der Nase. Schön, aber unerreichbar.

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Existenz von Klein-Unternehmern bedroht - trotz Finanzhilfen

Die staatlichen Soforthilfen für kleine Unternehmen stocken. Denn bei ihnen haften auch die Hausbanken, die die Vergabe abwickeln. So kommen in der Praxis viele Kredite nicht zustande - und die Existenzen von vielen Betrieben bleiben bedroht.

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Eigentlich kurbelt die Bundesregierung seit der Osterwoche die Vergabe von Corona-Hilfskrediten über die staatliche Förderbank KfW kräftig an. Für Betriebe ab elf Mitarbeitern werden diese Kredite zu 100 Prozent abgesichert.

Bei kleineren Unternehmen jedoch sichert der Bund die KfW-Kredite nur bis zu 90 Prozent ab, das restliche Risiko tragen die Hausbanken. Und hier liegt das Problem, wie zwei Beispiele aus Oberbayern zeigen.

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Angst der Unternehmer vor dem Aus

Das Bettenhaus Federl in Murnau am Staffelsee muss wie die meisten Geschäfte wegen der Coronakrise immer noch geschlossen bleiben. Chefin Stefanie Fischer hat bereits alles für die Wiedereröffnung vorbereitet: Schutz an der Kasse, Desinfektion am Eingang, Bodenmarkierungen für ausreichend Abstand. Eigentlich könnte sie wieder starten. Doch der Laden ist verwaist, keinerlei Umsatz.

Für ihre zehn Mitarbeiter musste Stefanie Fischer Kurzarbeit anmelden. Die Krise setzt ihr richtig zu.

"Für mich ist es extrem emotional. Ich habe einen Familienbetrieb, der ist 142 Jahre alt, ich bin die fünfte Generation und die Mitarbeiter sind ganz ganz lange bei mir. Wir haben mittlerweile Freundschaften entwickelt und ich habe eine soziale Verantwortung. Ich habe einfach Angst, dass es den Betrieb nicht mehr gibt. Dass meine Mitarbeiter keinen Job mehr haben, das ist eigentlich meine größte Sorge. Und natürlich die Existenzangst. Ich habe zwei Kinder, dass irgendwann – ich hafte mit meinem Privatvermögen - mein Gebäude, das auch in Familienhand ist seit ganz ganz vielen Jahren, einfach nicht mehr da ist." Stefanie Fischer

Stefanie Fischer muss die Löhne für die Kurzarbeit der Mitarbeiter zunächst vorstrecken. Erst im Folgemonat kann sie diese von der Agentur für Arbeit zurückfordern. Allerdings: Bis das Geld kommt, kann es Wochen dauern.

Auflagen der Hausbank für Kredit zu hoch

Bei ihrer Hausbank hat sie deshalb einen Überbrückungskredit aus den Fördertöpfen der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW beantragt. Doch die Hausbank macht hohe Auflagen.

"Es werden Dinge von mir verlangt, Liquiditätsplanungen, die ich aktuell gar nicht leisten kann. Weil ich ja gar nicht weiß, wie es bis Ende des Jahres aussieht für mich." Stefanie Fischer

Der Grund: Der Bund sichert die KfW-Kredite für kleine Unternehmen nur bis zu 90 Prozent ab. 10 Prozent Kreditausfallrisiko tragen die Hausbanken. Die aber befürchten, dass wegen Corona angeschlagene Unternehmen ihre Hilfskredite nicht zurückzahlen können und zögern deshalb mit der Vergabe.

So bekommt Stefanie Fischer erst einmal keinen Kredit. Bis zur Öffnung improvisiert sie nun, um wenigstens ein bisschen Umsatz zu machen. Sie nimmt telefonisch Bestellungen an, denn einen Onlineshop hat sie nicht. Und sie liefert persönlich aus. Kleinere Dinge, die sie vor die Türe legen kann. Über die Solidarität von den Kunden freut sie sich, doch sie mache nur noch 20 Prozent des regulären Umsatzes. Zu wenig, um fortwährend bestehen zu können.

Auch Kredit für Reitschule am Chiemsee stockt

Gar keinen Umsatz mehr hat die Western-Reitschule Pointnerhof in Bad Endorf nördlich des Chiemsees. Sie gilt als Sportstätte und wird wohl noch lange geschlossen bleiben. Nicole Heilmaier ist die Inhaberin des Familienbetriebes. Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll. Seit Mitte März sind ihre Einnahmen total weggebrochen. Doch die Pferde kosten Unterhalt und auch die Pacht für den Hof läuft weiter. Für Nicole Heilmaier und ihre Familie würde der Verlust des Betriebes auch den Verlust des Zuhauses bedeuten.

Sie ist also dringend auf Finanzhilfen angewiesen. Auch sie hat umgehend eine Corona-Hilfe der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW beantragt. Auch bei ihr stockt die Vergabe.

"Am meisten ärgert mich, dass von politischer Seite gesagt wird, wir können diese Kredite beantragen, die KfW übernimmt 90 Prozent, wir sollen zur Hausbank gehen. Und die Hausbank lässt einen einfach im Stich." Nicole Heilmaier

Ihre Bank verlangt zusätzlich einen privaten Bürgen, der die volle Summe noch einmal absichert. Für Nicole untragbar.

Soforthilfen werden verrechnet - und müssen versteuert werden

Einen Trost gibt es für den Pointnerhof. Gerade wurde die Landessoforthilfe von 5.000 Euro überwiesen. Nicole hat nun zusätzlich die Bundessoforthilfe von 9.000 Euro beantragt, in der Hoffnung, dann insgesamt 14.000 Euro zu bekommen. Doch weit gefehlt: Beide Hilfen werden verrechnet. Es bleibt bei insgesamt 9.000 Euro - und die müssen auch noch voll versteuert werden.

"Wir können mit diesen 9.000 gerade mal zwei Monate die Grundkosten tragen, aber wirklich davon leben nicht. Und es laufen trotzdem einfach noch Schulden auf." Nicole Heilmaier

Steuerstundung zu kurz

Nicole Heilmaier hat sich auch eine im März fällige Steuernachzahlung stunden lassen. Das wurde zwar genehmigt, doch mit Zahlungsaufforderung bereits für den 30. Juni. Da läuft ihr Geschäft mit Glück erst wieder langsam an.

"Die sollten das für uns Gewerbetreibenden wenigstens bis Jahresende aussetzen. Und nicht für acht Wochen, weil da ist uns wirklich nicht geholfen." Nicole Heilmaier

Nicole Heilmaier weiß nicht, wie sie über die Runden kommen soll. Die Betriebsschließung dauert einfach zu lange.

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