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Ex-Wirecard-Chef Braun und zwei weitere Vorstände in Haft | BR24

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Drei weitere Haftbefehle hat die Staatsanwaltschaft München I im Skandal um das Unternehmen erlassen. Oberstaatsanwältin Anne Leiding gab Auskunft über den Stand der Ermittlungen.

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Ex-Wirecard-Chef Braun und zwei weitere Vorstände in Haft

Der Finanzskandal um Wirecard weitet sich aus: Gegen drei frühere Führungskräfte wurden Haftbefehle erlassen. Zu ihnen gehört der Ex-Vorstandschef Markus Braun.

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Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um gewerbsmäßigen Bandenbetrug, um Untreue und Marktmanipulation bei dem Zahlungsabwickler. Alle drei beschuldigten früheren Wirecard-Vorstände wurden in München festgenommen. Mit dabei ist auch der frühere Konzernchef Markus Braun. Gegen ihn sei ein neuer, erweiterter Haftbefehl erlassen worden, teilte die Staatsanwaltschaft München mit. Ein erster Haftbefehl gegen ihn war vor wenigen Wochen gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro außer Vollzug gesetzt worden.

In allen drei Fällen sei jetzt die Haftfortdauer angeordnet worden, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde. Neben Braun sitzen nun der frühere Finanzvorstand Burkhard L. und der Chef der Buchhaltung hinter Gittern.

Wirecard schrieb seit 2015 rote Zahlen

Anlass für die Festnahmen waren nach Angaben der Ermittler, dass die Tatvorwürfe noch mal "ganz erheblich" erweitert werden mussten. Seit 2015 hätten die drei Manager die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen durch das Vortäuschen von Einnahmen aufgebläht. Dies habe sich aus der umfassenden Aussage eines Kronzeugen ergeben. Das tatsächliche Geschäft habe bereits damals Verluste geschrieben, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Vorwürfe der Strafverfolger laufen darauf hinaus, dass der Dax-Konzern womöglich seit 2015 von einer kriminellen Bande geführt wurde - ein in der Geschichte der deutschen Börsen-Oberliga noch nicht da gewesener Vorgang. Den Schaden für Banken und andere Investoren beziffern die Ermittler auf 3,2 Milliarden Euro. Für sie und die übrigen Gläubiger werde nicht viel übrig bleiben, hieß es.

Ex-Wirecard-Vorstand weiter auf der Flucht

Die Staatsanwälte rätseln noch, wie der Betrug so lange unentdeckt geblieben sein konnte, obwohl die Wirtschaftszeitung "Financial Times" und andere seit Jahren über Unregelmäßigkeiten berichtet hatten. Dort waren auch früh Zweifel an der Existenz der Partnerfirmen geschürt worden.

Der Zahlungsdienstleister aus dem Münchner Vorort Aschheim hatte im Juni zuerst mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und wenig später Insolvenz angemeldet. Es ist einer der größten Finanzskandale in Deutschland.

Der ehemalige für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand Jan Marsalek ist weiter auf der Flucht. Bisher gilt auch er als eine Schlüsselfigur in diesem Bilanzskandal und wird in Russland vermutet.

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Im Betrugs-Skandal um den insolventen Finanzdienstleister Wirecard gibt es neue Entwicklungen. Nämlich neue Haftbefehle. Auch der frühere Vorstandschef Braun wurde wieder festgenommen. BR-Wirtschaftsredakteur Karsten Böhne im Gespräch.

Sondersitzung Ende Juli

Eine Sondersitzung des Finanzausschusses des Bundestags findet wie geplant am 29. Juli statt. Wie der Linke-Obmann Fabio De Masi mitteilte, genehmigte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble die Sitzung. Ihr Kommen zugesagt haben demnach unter anderem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Sitzung soll am 29. Juli am Nachmittag beginnen und ist nicht-öffentlich. Die Opposition wirft der Bundesregierung vor, das Parlament und die Öffentlichkeit in diesem Fall nicht genügend informiert zu haben.

"Die Affäre Wirecard wird immer undurchsichtiger." Linke-Obmann im Finanzausschuss, Fabio De Masi

Der FDP-Obmann Florian Toncar wirft dem Finanzministerium und dem das Kanzleramt vor zu mauern. Sie gäben immer nur das zu, was sich nicht mehr geheim halten lasse. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss liege in der Luft. Die Opposition im Bundestag hätte gerne gewusst, wann genau die Regierung von Unregelmäßigkeiten bei dem Zahlungsabwickler wusste und ob sie zu wenig dagegen unternommen hat.

EX-Geheimdienstkoordinator warb für Wirecard

Auch der frühere Beauftragte für die Nachrichtendienste des Bundes, Klaus-Dieter Fritsche, hat sich nach Angaben eines Regierungssprechers im Kanzleramt für den umstrittenen Finanzdienstleister eingesetzt. Das geht aus einer Aufstellung des Kanzleramts über die Kontakte zu Wirecard hervor, die die Nachrichtenagentur Reuters auf Anfrage erhielt. Fritsche hatte danach am 13. August 2019 um einen Termin für Wirecard beim Abteilungsleiter Wirtschaft, Lars-Hendrik Röller, gebeten und sich auch später mit Röller und Vertretern des Unternehmens getroffen. Fritsche war bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 2018 Staatssekretär im Kanzleramt und dort für die Nachrichtendienste zuständig gewesen.

Der Einsatz Fritsches ist insofern interessant, als dass dem untergetauchten Vorstand Jan Marsalek ein Faible für Geheimdienste und Kontakte zu russischen Geheimdiensten nachgesagt werden. In Berlin haben sich gleich mehrere Persönlichkeiten für Wirecard eingesetzt, wie zum Beispiel der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

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Im Betrugs-Skandal um den insolventen Finanzdienstleister Wirecard gibt es neue Entwicklungen. Nämlich neue Haftbefehle. Auch der frühere Vorstandschef Braun wurde wieder festgenommen. Außer ihm noch zwei weitere Ex- Vorstände des Dax-Unternehmens.

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