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Ex-Wirecard-Chef Braun kommt gegen Millionenkaution frei | BR24

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Der festgenommene Ex-Wirecard-Chef Braun kommt erstmal wieder auf freien Fuß. Das Münchner Amtsgericht hat den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt.

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Ex-Wirecard-Chef Braun kommt gegen Millionenkaution frei

Der Ex-Chef des skandalgeschüttelten Finanzdienstleisters Wirecard, Braun, wird aus der U-Haft entlassen, gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro. Die Vorwürfe - es geht um Bilanz- und Marktmanipulation - sind damit aber nicht aus der Welt.

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Im Milliardenskandal beim Dax-Konzern Wirecard kommt der unter Verdacht stehende Ex-Vorstandschef Markus Braun nach einer Nacht im Gefängnis wieder auf freien Fuß. Gegen Zahlung von fünf Millionen Euro Kaution und wöchentliche Meldepflicht bei der Polizei hat das Amtsgericht München den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Das teilte die Staatsanwaltschaft München mit.

Markus Braun am Vorabend festgenommen

Braun war am Vorabend in München festgenommen worden. Der österreichische Manager war freiwillig aus dem heimischen Wien angereist - mutmaßlich weil er erfahren hatte, dass ihn die Staatsanwaltschaft per Haftbefehl suchte. Die Ermittler werfen Braun vor, die Bilanzsumme und die Umsätze seines Unternehmens durch vorgetäuschte Einnahmen aufgebläht zu haben. "Er hat im ersten Gespräch seine Mitarbeit zugesagt", sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde, Anne Leiding. Offen ist bislang, ob sich Braun selbst zu den Vorwürfen inhaltlich geäußert hat.

Vorgeworfen werden Braun derzeit "unrichtige Angaben" in den Wirecard-Bilanzen und Marktmanipulation, doch kommen auch andere Straftaten in Betracht - etwa gewerbsmäßiger Betrug. "Wir führen unsere Ermittlungen ergebnisoffen", sagte Leiding dazu.

Keine Aufhebung des Haftbefehls

Wie die Staatsanwaltschaft betonte, bedeutet die Entscheidung, Braun auf Kaution freizulassen, nicht, dass die Justiz mittlerweile von der Unschuld des früheren Wirecard-Chefs ausgeht. Der Haftbefehl sei nicht etwa aufgehoben, sondern werde derzeit nur nicht vollstreckt, so die Staatsanwaltschaft.

Den Behörden steht nun eine langwierige Ermittlungsarbeit bevor. Unter anderem geht es um die Frage, ob sie Markus Braun und möglicherweise auch anderen Wirecard-Managern Vorsatz nachweisen können. Davon hänge es auch ab, ob und wie lange Braun und mögliche Mitwisser und Helfer möglicherweise ins Gefängnis müssen.

Wirecard-Milliardenguthaben existiert offenbar nicht

Wirecard hatte Anfang der Woche eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in Südostasien verbucht waren, sehr wahrscheinlich nicht existieren. Im Zentrum des Skandals stehen der ehemalige Wirecard-Finanzchef in Südostasien und ein ehemaliger Treuhänder, der das mutmaßlich zum Großteil gar nicht existierende Geschäft mit Drittfirmen betreute.

Es gilt als sicher, dass vor den Münchener Behörden nun sehr komplizierte Ermittlungen liegen. Schließlich müssen zur Aufklärung des Falles nicht nur Unterlagen und Zeugen aus der Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München herangezogen werden, sondern es muss auch geklärt werden, welche Rolle Partner und Banken in diversen anderen Ländern gespielt haben.

Weitere Wirecard-Vorstände unter Verdacht

Der kürzlich von Wirecard gefeuerte Jan Marsalek war bis vergangene Woche für das Tagesgeschäft verantwortlich. Nach Leidings Worten ist möglich, dass Marsalek nun ebenfalls per Haftbefehl gesucht wird: "Das kann ich weder bestätigen noch dementieren", sagte die Oberstaatsanwältin. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Wochen gegen Braun und Marsalek, allerdings ursprünglich lediglich wegen des Verdachts, Anleger in zwei Ad-hoc-Mitteilungen falsch informiert zu haben. Auch zwei weitere Wirecard-Vorstände sind in dieser Hinsicht unter Verdacht.

Braun verkaufte Großteil seiner Wirecard-Aktien

Braun war erst am vergangenen Freitag vom Chefposten bei Wirecard zurückgetreten. Einen großen Teil seiner Aktien am Unternehmen hat er inzwischen abgestoßen. In einer Serie von Verkäufen erlöste Braun demnach am Donnerstag und Freitag insgesamt 155 Millionen Euro, wie das Dax-Unternehmen in mehreren Ad-hoc-Mitteilungen mitteilte.

Der Dax-Konzern hat insgesamt knapp 123,6 Millionen Aktien im Umlauf, überschlägig hat Braun nun über fünf Millionen seiner rund 8,7 Millionen Wirecard-Papiere verkauft. Die Wirecard-Papiere haben seit Mittwochabend über zehn Milliarden Euro an Wert verloren, Braun selbst dürften die Kursverluste um über eine halbe Milliarde Euro ärmer gemacht haben.

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