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Europäische Zentralbank lässt digitalen Euro testen | BR24

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Umstritten: Soll neben Euro-Banknoten und Münzen ein digitaler Euro eingeführt werden ?

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Europäische Zentralbank lässt digitalen Euro testen

Die Europäische Zentralbank sucht die Öffentlichkeit. Vor allem bei der Einführung des digitalen Euro ist das zu spüren. Der ist zwar noch nicht beschlossen, aber der Probelauf hat angefangen. Hinter den Kulissen wird bereits getestet.

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Ein Konsultationsverfahren wurde gestartet mit Befragung von Bürgern, Unternehmen und Politikern. Die EZB macht viel Werbung für dieses Projekt. Es wäre die dritte Form, Geld in Umlauf zu bringen: neben dem Bargeld und dem Buchgeld, das die EZB den Geschäftsbanken als Zentralbankgeld auf deren Konten bei der Notenbank überweist.

So etwas sei machbar, wenn man es wollte, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank: "Also ich sehe da technische überhaupt kein Problem, einen digitalen Euro einzuführen durch die Europäische Zentralbank, das ist nicht die Frage. Ich glaube, der eigentliche Grund dafür, dass jetzt viele westliche Zentralbanken und auch Zentralbanken in Asien darüber nachdenken, ist, dass sie Konkurrenz verspüren durch private Anbieter." Als Beispiel nennt Krämer "Libra". "Und die staatlichen Zentralbanken haben Angst, dass ihnen das Wasser abgegraben wird."

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Ist Bargeld bald Geschichte? Mit dem E-Euro soll die Währung fit für die Zukunft gemacht werden.

Angst vor Parallelwährungen

Libra, das geplante Digital-Geld von Facebook könnte direkt über soziale Netzwerke vertrieben und von Milliarden Menschen weltweit genutzt werden. Daraus könnte sich schnell eine globale Parallelwährung entwickeln.

Genau dazu soll der digitale Euro eine Alternative bieten. Aber auch hier stellen sich Fragen des Datenschutzes und der Rückverfolgung von Zahlungsvorgängen, - Stichwort "gläserner Kunde".

Für Krämer ist Misstrauen angebracht, nicht nur bei der Facebook-Währung Libra: " Alles in allem würde digitales Zentralbankgeld vermutlich den Staat auf Kosten seiner Bürger mächtiger machen." Dies könnte natürlich auch durch entsprechende Vorkehrungen vermieden werden, meint er. "Aber wie groß ist der Anreiz des Staates, das zu tun, und gerade im Euroraum haben wir ja schon so viele Vorschriften und Regeln gesehen, die gebrochen worden sind." Das mache ihn vorsichtig, meint der Volkswirt.

Gefahr für Privatsphäre der Bürger?

Die EZB könnte, wenn sie wollte, tatsächlich bei einem digitalen Euro jeden Zahlungsvorgang mit diesem Geld mitverfolgen. Das wäre der größtmögliche Unterschied zum Bargeld, das anonyme Geschäfte erlaubt. Es ist sogar eine reale Option, dass jeder Bürger direkt bei der Zentralbank ein Konto hätte, um nur mit Hilfe der Notenbank zu bezahlen. Die privaten Geschäftsbanken wären ausgeschaltet.

Das sind Befürchtungen, wie sie Tobias Tenner vom Bankenverband hat: "Wir begrüßen den digitalen Euro der EZB. Die Einbringung der Banken muss sichergestellt sein, um keine Risiken für die Stabilität der Banken auf den Plan zu rufen."

Bundesbank bleibt skeptisch

Auch die Bundesbank gibt zu bedenken, dass die Bürger im Fall einer Bankenkrise ihre Einlagen bei den Privatbanken nicht nur in Bargeld sondern eben auch in den digitalen Euro umtauschen könnten. Die neue elektronische Währung könnte damit zu einer Gefahr für die Banken werden.

Zurzeit wollen die Banken aber keine Spareinlagen haben - und schon gar kein Bargeld wegen der negativen Zinsen.

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