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Europäische Zentralbank ändert Inflationsziel

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Europäische Zentralbank ändert Inflationsziel

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Inflationsziel geändert und auf exakt zwei Prozent festgelegt. Wohnkosten sollen künftig in die Inflationsberechnung einbezogen werden.

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Von
  • Ursula Mayer

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr ihre geldpolitische Strategie runderneuert und sich ein neues Inflationsziel gesetzt. Die Währungshüter um Notenbank-Chef Christine Lagarde wollen künftig mittelfristig eine neue Teuerungsrate im Euro-Raum von 2,0 Prozent anstreben, wie die Notenbank am Donnerstag ankündigte.

Bei der Zielvorgabe handele es sich nun um ein "symmetrisches Inflationsziel", erklärte die EZB. Abweichungen nach oben und nach unten sollen künftig somit gleichermaßen verhindert werden. Die EZB hatte seit 1998 ein Inflationsziel von unter zwei Prozent verfolgt, seit 2003 gilt das Mantra "unter, aber nahe zwei Prozent".

Höhere Inflationsraten können künftig toleriert werden

"Der EZB-Rat geht davon aus, dass Preisstabilität mit einem Inflationsziel von zwei Prozent auf mittlere Sicht am besten erreicht werden kann", hieß es in der Erklärung. "Das könnte auch bedeuten, dass es zu einer Übergangsperiode mit Inflationsraten leicht über dem anvisierten Ziel kommen kann." Die Kursänderung bei der EZB ist das Ergebnis einer internen Prüfung der eigenen Geldpolitik, mit der im Januar 2020 begonnen worden war.

Wohnkosten in Neuberechnung der Inflationsrate aufgenommen

Zukünftig will die EZB außerdem auch die Wohnkosten von Hauseigentümern mit in die Inflationsrate einberechnen. Dies sei jedoch ein "mehrjähriges Projekt", erklärte die EZB. In der Zwischenzeit werde die EZB vorläufige Schätzungen der Wohnkosten von Menschen mit Eigenheim in ihre Inflationsberechnung einbeziehen.

Experten warnen vor höheren Inflationsraten

Der Ökonom Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim warnte, das neue Ziel bereite höheren Inflationsraten den Weg. "Weil eine Inflation unter zwei Prozent jetzt als genauso schlecht wie eine Inflation über zwei Prozent gilt, wird es der EZB-Rat künftig noch leichter haben, in den kommenden Jahren eine Fortdauer der extrem lockeren Geldpolitik und der Anleihekäufe zu rechtfertigen", erklärte er. Die EZB nehme damit zu viel Rücksicht auf die Absicherung hoher Schuldenstände einzelner Euro-Staaten, kritisierte er..

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