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Europa-Rente: Wie funktioniert sie? | BR24

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Junge Menschen werden ihr Arbeitsleben häufig in mehreren Ländern verbringen. Das Rentensystem ist darauf bisher nicht eingestellt.

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    Europa-Rente: Wie funktioniert sie?

    Im nächsten Jahr soll die Europa-Rente eingeführt werden. Pan-European Personal Pension Product wird sie im Englischen genannt – kurz PEPP. Mit dieser privaten Altersvorsorge wird erstmals ein europäischer Binnenmarkt für Rentenprodukte entstehen.

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    Rentenprodukte sind meistens national

    Eine Biographie, wie sie in den kommenden Jahren immer mehr Normalität wird: Francois ist 24 Jahre alt, derzeit arbeitet er in einer PR-Agentur in München.

    "Nach meinem Abitur bin ich nach Österreich gezogen, nach Wien, und habe dort meinen Bachelor gemacht. Gerade mache ich ein Praktikum in Deutschland und habe vor, nach diesem Praktikum meinen Master zu machen, das wird in Bozen stattfinden, in Südtirol, Italien." Francois, Mitarbeiter einer PR-Agentur

    Sein Großvater hat noch sein Leben lang in derselben Firma gearbeitet, so etwas kann sich der junge Mann nicht vorstellen. Schon jetzt kommt er viel rum, das wird sich auch in Zukunft kaum ändern. So wie ihm geht es mittlerweile vielen jungen und auch älteren Menschen.

    Private Altersvorsorge für international mobile Menschen

    Und hier setzt die Europa-Rente an: Das "Pan-European Personal Pension Product" – kurz PEPP - wird insbesondere für international mobile Menschen attraktiv sein, die privat für das Alter vorsorgen wollen.

    "Die PEPPs sollen ja auch grenzüberschreitend funktionieren, und das heißt: Wenn ich mich als junger Mensch in dem einen Mitgliedsstaat aufhalte, dann in ein anderes Land gehe, um dort zu arbeiten, dann kann ich das PEPP einfach mitnehmen und kann das von einem anderen Staat aus auch weiter bedienen, so dass das unproblematisch sein soll. Die spannenden Sachen sind ja genau dann die steuerlichen Regelungen, die Sozialversicherungsregelungen, und genau da wird PEPP ja auch die Mitgliedsstaaten herausfordern, um da vernünftige Lösungen zu finden." Axel Kleinlein, Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten und Präsident von Better Finance.

    Altersarmut in Europa bekämpfen

    "Wir haben in Europa eine ganze Reihe von Mitgliedsstaaten, bei denen die Altersvorsorge nicht richtig entwickelt ist, ganz besonders in Osteuropa ist das der Fall. Aber es ist notwendig, dass wir angesichts der demographischen Entwicklung auch in diesen Bereichen eine Altersvorsorge haben, die dann eben privat noch finanziert wird." Axel Kleinlein

    Wettbewerb zum Nutzen der Verbraucher

    Einfach sollen die Sparprodukte der Europa-Rente werden, leicht verständlich und für jeden machbar. Versicherte hoffen auf einen Wettbewerb, von dem alle Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren können:

    "Das worauf ich setze, was sich hier entwickeln wird, ist ein lebendiger, digitaler Markt, Stichwort Fintechs, Insure Techs, also einfache, schlanke, digitale Lösungen, ohne diesen teuren Vertrieb, wie wir ihn von den Versicherungsvertrieben her kennen, und auf die Art und Weise dann bessere Produkte." Axel Kleinlein

    Die Verbraucherschützer hoffen, dass mit der Europa-Rente die oft hohen Gebühren bei Lebensversicherungen und Fonds unter stärkeren Druck des europäischen Wettbewerbs geraten.

    Kosten sollen transparent sein

    Stichwort Kosten, hier geht es vor allem um eines: Transparenz. Die Anleger sollen genau wissen, was sie für ihr Produkt zahlen müssen. Eine Basis-Variante soll hier für den besten Überblick sorgen.

    "Das so genannte Basis-PEPP hat Vorgaben, was die Kosten angeht. Und die dürfen nicht höher sein als ein Prozent des angesparten Kapitals. Klingt wenig, ist aber relativ viel. Und es sollte auch den Anbietern, also den Investmentfonds und den Versicherungen genügend Spielraum geben, um hier vernünftige Produkte aufzulegen." Axel Kleinlein

    Versicherungsbranche sieht Europarente skeptisch

    Allerdings sind nicht alle Marktteilnehmer von der neuen Europa-Rente überzeugt. Klassische Vertriebsmodelle kommen unter Druck.

    "Die Versicherungsbranche sieht das PEPP sehr, sehr skeptisch. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Versicherer mehr Kosten erheben wollen, sie wollen mehr Geld für sich und die Vermittler abzwacken, und die Versicherungsgesellschaften, die sind es ja gewohnt, dass sie am Anfang immer ganz viel Geld wegnehmen, um das als Provision an die Vermittler geben zu können. Dadurch werden die Produkte von vorneherein ziemlich schlecht, weil der Zinseszinseffekt natürlich verloren geht, das wird beim PEPP so nicht funktionieren, deshalb setze ich stark darauf, dass auch noch andere Vorsorgeformen als Versicherungen hier zum Greifen kommen. Dass hier mit Fondsgesellschaften und vor allem mit digitalen Lösungen ein guter Weg gefunden werden kann." Axel Kleinlein

    Junge Fintech-Startups sehen Chancen

    Das Fintech Vantik will hier Lösungen anbieten. Nach Ansicht des Managements dieses Finanz-Startups bietet PEPP eine große Gelegenheit für den digitalen Vertrieb. Aber nicht nur das – das europäische Produkt habe einige Vorteile:

    Aus Verbrauchersicht ist die Europa-Rente ein deutlicher Fortschritt gegenüber der Riesterrente. Sie setzt mit dem Standardprodukt eine klare Benchmark, was Kosten, Beratung und Sicherheit angeht, an dem sich alle anderen Produkte messen lassen müssen. Außerdem ist sie deutlich flexibler in Bezug auf Wechsel, Mitnahmemöglichkeiten als auch in der Auszahlungsphase. Til Klein, Vantik

    Beratungsgespräch auch digital möglich

    Ein wesentliches Element der Europa-Rente ist das obligatorische Gespräch vor Vertragsabschluss. Dieses kann persönlich oder digital erfolgen. Die Beratung läuft dann etwa folgendermaßen ab:

    "Im ersten Schritt wird mein Bedarf ermittelt, dem werden meine bisherigen Ansprüche gegenübergestellt, die ich bereits aus der gesetzlichen oder einer betrieblichen Rente habe. Daraus kann dann meine Rentenlücke abgeleitet werden und auch ermittelt werden, wie viel ich sparen muss, um diese zu schließen." Til Klein

    Dann werden Präferenzen und Lebenssituation berücksichtigt: Wieviel Risiko kann ich eingehen, was kann ich sparen. Will man einen ETF Sparplan oder vielleicht eine Rentenversicherung? Oder will man zum nächsten Anbieter gehen und weiter vergleichen?

    Finanzbranche hofft auf steuerliche Anreize

    Lobbyisten aus der Branche hoffen, dass - wie bei anderen privaten Rentenprodukten - auch für PEPP steuerliche Anreize eingeführt werden. Die dürfte es auch brauchen, den gerade bei den jungen Menschen ist Altersvorsorge ein Thema, mit dem man sich nicht allzu häufig beschäftigt.

    "Ich kann jetzt noch nicht sagen, in welchem Land ich bleiben werde und arbeiten werde, oder ob ich überhaupt in einem Land lange bleiben werde. Ich würde sehr hoffen, dass meine Rente sich europaweit übertragen lässt, aber ehrlich gesagt, habe ich mir dazu noch nicht wirklich Gedanken dazu gemacht." Francois, 24 Jahre, Mitarbeiter einer PR-Agentur