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Bitcoin ist die wohl bekannteste digitale Ersatzwährung.

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    EU will Kryptowährungen regulieren

    Vor allem Kriminelle seien Nutznießer der Digitalwährungen, Geldströme würden sich nicht nachverfolgen lassen, sagen Kritiker. Die Politik will dagegen etwas tun und Regeln schaffen für die immer beliebter werdenden Bitcoins und Co.

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    Von
    • Thomas Pösl

    Ein Allgäuer ist fasziniert von Bitcoin. Als Markus Turm ist der Kemptner vielen Anhängern der bekannten Kryptowährung bekannt. Im Podcast mit dem Titel „Einundzwanzig“ bespricht er regelmäßig mit Gleichgesinnten und Gästen alles rund um das Thema Bitcoin. Über sich selbst will er nicht viel verraten. Sein Alter gibt er mit etwa 40 Jahren an. Und Markus Turm ist auch gar nicht sein richtiger Name.

    "Anfangs wie jeder andere auch, habe ich das für eine Spielerei gehalten. Also, ich kann mich noch erinnern. Als ich das erste Mal einen Artikel dazu gelesen habe, habe ich gedacht: Das total verrückt. Das ist Geld für Spinner." Markus Turm, Kryptowährungs-Fan

    Es müsse nicht jeder wissen, dass er, also die echte Person hinter Markus Turm, echte Bitcoins hält. Die sind mittlerweile nämlich viel wert. Seit Erfindung 2009 ist der Bitcoin von ein paar Euro gestiegen auf etwa 25.000 Euro. Markus Turm spekuliert darauf, dass der Wert noch weiter steigt. Auch andere Währungen sind entstanden, zum Beispiel Ethereum oder die Spaßwährung Dogecoin.

    Bitcoin-Fans erwarten Finanzmarkt-Revolution

    Anfangs war Bitcoin nur etwas für Computerfreaks. Eingefleischte Anhänger der Kryptowährung, wie der Allgäuer Podcaster, erwarten aber langfristig nichts weniger als eine Revolution auf dem Finanzmarkt.

    "Wir glauben, dass Bitcoin den US-Dollar als Weltwährung ersetzen wird und die größte Währung der Welt wird." Markus Turm, Kryptowährungs-Fan

    Politik muss sich mit Kryptowährungen befassen

    Bitcoin hat schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Und vielleicht fällt der Wert auch wieder auf Null, möglicherweise sogar dauerhaft. Niemand weiß das. Doch laut Experten steht die Kryptowährung noch am Anfang ihrer großen Karriere. Aktuell ist sie so groß geworden, dass sich die Politik damit beschäftigt. Ja, beschäftigen muss.

    Der schwäbische Europaabgeordnete Markus Ferber von der CSU ist in Brüssel und Straßburg Mitglied im Ausschuss ECON, der sich mit Finanzen und Währung auseinandersetzt. Und damit auch mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin.

    "Um die Wahrheit zu sagen. Wir stehen diesen Kryptowährungen schon skeptisch gegenüber. Weil bisher hat sich herausgestellt, dass das Geschäftsmodell doch in Bereichen liegt, die außerhalb der Legalität sind und insofern ist schon die Frage zu stellen, wer ist ein Nutznießer von solchen Kryptowährungen?" Markus Ferber, MdEP

    Markus Ferber und viele weitere im Parlament, auch in den anderen Parteien, sehen Gefahren in Kryptowährungen. Als Beleg nennen sie Fälle wie die mit der Hackergruppe ReVil vor kurzem. Sie hat Schadsoftware auf Firmencomputer eingeschleust wie mit einem trojanischen Pferd. Weltweit waren daraufhin Daten nicht abrufbar, weswegen sogar Supermärkte schließen mussten. Die Täter verlangten Lösegeld - in Form der Kryptowährung Bitcoin.

    EU will anonyme Transaktionen unterbinden

    Damit das in Zukunft nicht mehr passieren kann, will die Europäische Union Kryptowährungen regulieren. Anonyme oder pseudonyme Geldüberweisungen via Bitcoin soll es nach dem Wunsch vieler Parlamentarier nicht mehr geben. Sender und Empfänger auch von digitalem Geld müssen bekannt sein, fordern Politiker wie der Augsburger Europaabgeordnete Markus Ferber.

    Die EU-Kommission verhandelt daher ein Gesetz für “Märkte in Krypto-Assets”, kurz MiCA. Parlament und Mitgliedsstaaten versuchen gerade, ihre Position zu finden. Dabei geht es um Schutz vor Kriminalität, Verbraucherschutz oder auch die Frage nach der Rücktauschbarkeit von Kryptowährungen und darum, welche Transparenzregeln eigentlich gelten müssen für Währungen wie den Bitcoin.

    Das ist eine knifflige Aufgabe für Brüssel und Straßburg, sagt der Finanzexperte Markus Ferber.

    "Sie können sich vorstellen: Da gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. In Skandinavien können sie schon Bitcoin und Bitcoin-Derivate an der Börse handeln. In Deutschland ist es noch nicht möglich. Also da kommen auch unterschiedliche Kulturen in Europa zusammen, die man versuchen muss, unter einen Hut zu bringen." Markus Ferber, MdEP

    Nicht nur die EU-Mitgliedsländer müssen sich einigen. Um das Thema Kryptowährungen zu beherrschen, wäre eine weltweit geltende Regelung hilfreich. Denn Kryptowährungen kennen keine Ländergrenzen.

    Verbot steht nicht zur Debatte

    Ein Verbot von Kryptowährungen stehe nicht zur Debatte. Das sagt der CSU-Abgeordnete Markus Ferber. Oder auch Sven Giegold von den Grünen, der sich mit dem Thema Finanzkriminalität befasst. Es gehe darum, Mindestanforderungen für Kryptowährungen festzulegen. Für all das, was da noch kommt, im digitalen Finanzsektor. Und da kommt noch einiges auf uns alle zu, sagt der Bitcoin-Podcaster Markus Turm aus dem Allgäu. Bitcoin verbreitet sich nach seiner Meinung langsam aber stetig. Wie damals das Internet.

    "Ich glaube, der Bitcoin steht da jetzt da, wo das Internet 1998 war oder vielleicht 2000. Vielleicht sehen wir den großen Hype in 2000 noch. Die meisten Menschen der Welt haben davon schon gehört und haben sich vielleicht noch nicht damit beschäftigt. Aber sie wissen schon mal, dass es ihn gibt. Und auf jeden Fall werden sie noch sehr, sehr viel von Bitcoin hören über die nächsten Jahre. Davon bin ich fest überzeugt." Markus Turm, Bitcoin-Fan

    Kryptowährungen wie Bitcoin sind unabhängig von Banken und Regierungen. Befürworter sehen darin einen gesellschaftlichen Nutzen. Auch weil so Menschen ohne Bankkonto am Wirtschaftsleben teilhaben können. Ganz einfach per Handy. Die Politik wiederum hat Opfer von Kriminalität im Blick. Und sie will Sorge tragen, dass ihre Nationalwährungen stabil bleiben. Es ist ein Interessenkonflikt, der nicht einfach zu lösen ist.

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