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Fusion von Alstom mit Bombardier: EU stößt Siemens vor den Kopf | BR24

© picture-alliance/dpa

Beschäftigte von Alstom und Bombardier demonstrierten kürzlich vor dem Werk Henningsdorf gegen Umstrukturierungsmaßnahmen durch die Fusion.

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    Fusion von Alstom mit Bombardier: EU stößt Siemens vor den Kopf

    Der französische Bahntechnik-Konzern Alstom darf die Zugsparte des kanadischen Unternehmens Bombardier übernehmen. Im letzten Jahr hatten die EU-Wettbewerbshüter eine Fusion von Alstom mit der Zugsparte von Siemens noch untersagt.

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    Der Alstom-Konzern hatte das geplante Geschäft mit Bombardier im Februar angekündigt. Nach damaligen Angaben wird es die Franzosen etwa 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro kosten.

    Um Bedenken der EU-Kommission gegen die Übernahme auszuräumen, hatten Alstom und Bombardier vor drei Wochen angekündigt, die Bombardier-Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf bei Berlin zu verkaufen. Zudem will Bombardier Transportation unter anderem seinen Projektanteil an der Kooperation für den Hochgeschwindigkeitszug V300Zefiro abgeben.

    Wenn alles glatt läuft, soll das Geschäft im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden.

    Deal düpiert Siemens

    Brisant ist der Deal, weil Alstom im vergangenen Jahr an Bedenken der EU-Wettbewerbshüter mit dem Versuch gescheitert war, mit der Zugsparte von Siemens zu fusionieren. Damals hatten sich sowohl die Bundesregierung als auch die französische Regierung enttäuscht über die Entscheidung der EU-Kommission gezeigt.

    Jetzt hieß es aus Berlin nur: "Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nimmt die heutige Entscheidung der Europäischen Kommission zur Kenntnis. Die Zuständigkeit für die wettbewerbsrechtliche Prüfung des Zusammenschlusses lag allein bei der Europäischen Kommission."

    Hat politischer Druck von Frankreich zum Erfolg geführt?

    Siemens werde das Ergebnis prüfen und zu gegebener Zeit Stellung nehmen, sagte ein Konzernsprecher auf BR-Anfrage. Branchenkenner verweisen auf die schlechte wirtschaftliche Lage von Bombardier, die Verkäufe dieser Art erzwinge.

    Zuletzt hatte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire politischen Druck aufgebaut und davor gewarnt, auch das Geschäft mit Bombardier zu verhindern. Er argumentierte, dass der Aufbau europäischer Spitzenreiter ermöglicht werden müsse, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

    Beobachter: Fusion geboten, aber folgenreich

    Laut der Unternehmensberatung SCI Verkehr ist die Fusion "dringend geboten, um weite Teile der Arbeitsplätze der Bahnindustrie in Europa dauerhaft zu sichern". Überrascht ist SCI Verkehr dennoch von der Erlaubnis durch die EU-Wettbewerbskommission, da das neue Unternehmen eine starke Marktpräsenz haben werde.

    Mit dem Zusammenschluss der beiden größten europäischen Fahrzeughersteller werde sich die Wettbewerbslandschaft in Europa, aber auch weltweit massiv verändern. Schon vor dem Zusammenschluss seien 77 Prozent der neuen Schienenfahrzeuge von den Top-10-Herstellern weltweit geliefert worden. Das sind vier Prozentpunkte mehr als 2017. Mit der Übernahme gewinne der Konzentrationsprozess nun weiter an Dynamik.

    Mehr Fusionen, um wettbewerbsfähig zu bleiben

    Im Weltmarkt für Bahntechnik sind seit längerem Fusionsbestrebungen zu beobachten. Gemeinsam kämen Alstom und Bombardier fast an den Weltmarktführer CRRC aus China heran. Der kam im Geschäftsjahr 2018 laut einem Ranking der Beratungsfirma SCI Verkehr auf einen Bahnumsatz von 20,9 Milliarden Euro, Alstom und Bombardier zusammen auf 15,3 Milliarden. Wettbewerber Siemens Mobility kommt dagegen nur auf 8,9 Milliarden Euro Jahresumsatz.

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