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EU-Bürokratie: Dienstreisenden im Ausland droht teurer Ärger | BR24

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Die EU geht gegen Schwarzarbeit vor. Mit einer Bescheinigung für Angestellte, die in einem anderen EU-Land arbeitet. Doch das schaut man sich das sogenannte A1-Formular genauer an, erblickt man ein Bürokratiemonster.

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EU-Bürokratie: Dienstreisenden im Ausland droht teurer Ärger

Die EU bekämpft Lohndumping und Schwarzarbeit. Seit Jahresbeginn müssen Firmen für ihre Angestellten das sogenannte elektronische Antrags- und Bescheinigungsverfahren A1 nutzen. Doch viele Firmen wissen davon noch nichts. Mit teuren Konsequenzen.

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Wer auf Dienstreise in Europa unterwegs ist, sollte die sogenannte A1-Bescheinigung dabei haben. Seit Jahresbeginn müssen Arbeiter, Angestellte und Selbstständige die Bescheinigung in einem elektronischen Verfahren beantragen. Die Firma muss zunächst der Sozialversicherung mitteilen, dass der Mitarbeiter zur Arbeit ins Ausland fährt. Dann muss die Versicherung dies im A1-Formular rückbestätigen.

Geldstrafen trotz Sozialversicherungsnachweis

Wer die A1-Bescheinigung nicht vorweisen kann, dem drohen Geldstrafen zwischen 500 und 20.000 Euro. Den Fahrer eines Forstbetriebes aus dem Landkreis Weilheim-Schongau verdonnerte die österreichische Finanzpolizei zu 550 Euro Strafe. Obwohl ihr Mitarbeiter Sozialversicherungs- und Lohnnachweise mit sich führte, berichtet Firmenchefin Evi Ammer: "Einer der Fahrer war in der Kontrolle und er hatte dieses A1-Formular nicht dabei. Und so kam es zu der Strafe."

Weil die Beantragung der A1-Bescheinigung sehr umständlich ist und obendrein auch nicht sofort nach Beantragung zurückgeschickt wird, sondern meist erst nach Tagen per Post eintrudelt, fordert Manfred Gössl von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern praktischere und zeitgemäße Lösungen:

"Wir brauchen ein einfaches Verfahren, eine Plattform, Onlineanträge, schnelle Rückantworten, wie heutzutage üblich. Auf einem Handy kann sich ein Arbeitnehmer wie ein Geschäftsführer ausweisen und sagen: Ich bin in Deutschland sozialversichert." Manfred Gössl , IHK München und Oberbayern

Kritik an A1-Verfahren auch aus dem Haus Wittelsbach

Auch prominente Stellen der bayerischen Wirtschaft lassen es nicht an deutlicher Kritik fehlen. Luitpold Prinz von Bayern, dessen Firma König Ludwig International an vielen Unternehmensstandorten Kunden betreut, sieht die Arbeit seiner Brauerei durch die Vorgaben massiv behindert. Etwa dann, wenn ein Mitarbeiter seine Bescheinigung zwar beantragt, aber noch nicht bestätigt bekommen hat.

"Das Problem ist eben, wenn der Mann losfährt, der kann ja sagen, ich habe die A1-Bescheinigung bestellt. Online. Den Auszug kann er mitbringen. Aber er hat sie noch nicht." Luitpold Prinz von Bayern, König Ludwig International

Und das kann ein Riesenproblem werden. Denn nicht jedes Land akzeptiert einen Screenshot der Beantragung und der Sozialversicherungsunterlagen, solange die A1 von den Versicherern noch nicht zurückgeschickt wurde. Die jeweils zuständigen Behörden handhaben das A1-Verfahren in jedem Land der EU anders.

Wurde die Praxis nicht mitbedacht?

Außerdem sei den Angestellten und Selbständigen mit der A1-Pflicht jede Spontaneität auf Geschäftsreisen genommen, beklagt Thomas Laxhuber vom Trockenmaschinenhersteller Stela Laxhuber aus Massing bei Landshut:

"Wenn ein Vertriebsmitarbeiter einen Kunden in Ungarn besuchen möchte, dann muss er den Antrag stellen für seine Bescheinigung speziell für diesen Kunden. Er braucht diesen Antrag für Österreich, weil er ja durch Österreich durchfährt, genauso wie für Ungarn. Jetzt spinnen wir die Sache mal weiter. Es ruft ein Kollege diese ungarischen Kunden an, was weiß ich, 50 Kilometer entfernt: Ach bitte, fahr' bei mir doch auch mal schnell vorbei, ich habe eine Frage. Jetzt, rein theoretisch, dürfte dieser Mitarbeiter, der sich in Ungarn befindet, dort gar nicht diese 50 Kilometer hinfahren, weil seine Bescheinigung, die er hat, nicht für diesen Kunden ausgestellt ist. Das ist schlicht und ergreifend schizophren." Thomas Laxhuber, Trockenmaschinenhersteller, Massing bei Landshut

Das A1-Formular: eine Maßnahme mit berechtigten Zwecken, doch die Mittel gehören offenbar dringend überarbeitet.

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Die A1-Bescheinigung: Wer ist betroffen und an wen wenden sich Versicherte?