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EU-Bürger profitieren beim Reisen von vielen Rechten | BR24

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Die EU macht sich auch in der Luft bemerkbar: Wer mit dem Flugzeug unterwegs ist, kann sich auf in ganz Europa geltende Fluggastrechte verlassen. Und auch wenn man auf Reisen krank wird, hat Europa eine Antwort.

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EU-Bürger profitieren beim Reisen von vielen Rechten

Flug verspätet, Veranstalter pleite, Gepäck weg – in solchen Fällen haben die EU-Bürger genau definierte Rechte. Damit sind sie vor finanziellen Risiken ziemlich gut geschützt.

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Im Jahr 2018 brauchten Flugreisende gute Nerven. Flugausfälle und Verspätungen waren an der Tagesordnung. Aber wenigstens steht den Betroffenen in vielen Fällen eine Entschädigung zu.

Fluggastrechte in der EU genau geregelt

Seit 2005 sind die Passagierrechte bei Flügen, die in der EU starten oder von einer Fluglinie aus der EU betrieben werden, genau geregelt. Verzögert sich der Abflug um mehr als zwei Stunden, bei längeren Strecken um mindestens drei Stunden, muss die Fluggesellschaft für Mahlzeiten und Erfrischungen sorgen. Außerdem steht den Betroffenen zu, Faxe oder E-Mails zu senden oder zu telefonieren. Ist eine Übernachtung nötig, muss die Airline für das Hotel aufkommen.

Kommt ein Fluggast mehr als drei Stunden zu spät am Zielort an, hat er zudem ein Anrecht auf eine Entschädigung. Bei Flugstrecken

  • bis 1.500 km: 250 Euro
  • bis 3.500 km: 400 Euro
  • mehr als 3.500 km (ab vier Stunden Verspätung): 600 Euro

Rechte auch bei Bahn, Fernbus und Schiff

Seit 2009 müssen Bahnkunden Verspätungen nicht mehr einfach nur hinnehmen. Ab 60 Minuten haben sie Anspruch auf Verpflegung und Erfrischungen und darüber hinaus auf eine Entschädigung von 25 Prozent des Ticketpreises. Ab 120 Minuten können sie 50 Prozent des Ticketpreises verlangen. Ähnliche Regelungen gibt es bei Fernbussen, Schiffen und Fähren.

Rechte bei Pauschalreisen sind gesichert

Ist ein Reiseveranstalter pleite, hatten die Betroffenen bis zum Jahr 1994 schlichtweg Pech. Das Geld war weg, und war man bereits im Urlaub, musste man eventuell selbst für einen Rücktransport sorgen und den auch bezahlen. Doch seitdem gilt die sogenannte Pauschalreiserichtlinie. Veranstalter sind verpflichtet, die Kunden gegen die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens abzusichern. Wer eine Pauschalreise bucht, bekommt deshalb einen Sicherungsschein.

Meldet die bei einer Pauschalreise vorgesehene Fluglinie Insolvenz an wie zuletzt Air Berlin oder Germania, muss der Veranstalter sich um eine Ersatzbeförderung kümmern.

Im Juli 2018 wurden die Rechte der Pauschalreisenden noch verstärkt. Gibt es irgendeinen Mangel im Urlaub etwa im Hotel, kann der Kunde zwei Jahre lang Schadenersatz fordern. Außerdem sind jetzt auch im Internet oder im Reisebüro zusammengestellte Reisen besser abgesichert.

EU-Parlament hilft Verbraucherschützer

Ohne das europäische Parlament wären die gesetzlichen Bestimmungen bei Reisen bei weitem nicht so verbraucherfreundlich, ist Professor Ronald Schmid, Reiserechtsexperte an der TU Dresden, überzeugt. Die Lobbyisten der Tourismusbranche versuchten in Brüssel dauernd, die Regelungen zu lockern, sagt er, etwa derzeit besonders bei den Fluggastrechten.

"EU-Kommission und die nationalen Regierungen, auch unsere deutsche, sagen zwar immer, sie wollen den Schutzstandard wahren, aber in den Verhandlungen ist eher zu beobachten, dass man die Interessen der Airlines sehr berücksichtigt." Prof Ronald Schmid, Reiserechtsexperte an der TU Dresden

Wie es mit den Rechten von Reisenden weiter gehen wird, hängt laut Schmid auch davon ab, wie sich das künftige Europaparlament zusammensetzen wird.