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Eskalation im Nahen Osten: Öl und Gold als Kriegsgewinner? | BR24

© BR/Jürgen Seitz

Rohöl und Gold reagieren kurzfristig auf geopolitische Spannungen, langfristig sind wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen wichtiger

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Eskalation im Nahen Osten: Öl und Gold als Kriegsgewinner?

Mit deutlichen Preisanstiegen haben Rohöl und Gold auf die schwere Verschärfung der Spannungen zwischen USA und Iran reagiert. Doch was taugen der Rohstoff und das Edelmetall als Krisenbarometer wirklich? Eine Analyse.

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Der US-Ölpreis erreichte mit 63,84 Dollar den höchsten Stand seit Mai 2019. Damit wurde sogar der Höchststand vom vergangenen September übertroffen, der nach einem schweren Angriff auf saudi-arabische Ölanlagen markiert worden war. Der Preis für Nordseeöl kletterte heute bis auf 69,16 Dollar. Ein Beleg dafür, dass Öl kurzfristig auf geopolitische Spannungen reagiert.

Diese Ereignisse ließen den Ölpreis zuletzt steigen

Dahinter steckt die Angst der Marktteilnehmer vor Verknappung durch mögliche Embargos, Sanktionen oder gar Kriegshandlungen. So würde etwa eine Blockade der Straße von Hormus den Ölpreis deutlich steigen lassen, wie die Vorfälle im Sommer 2019 zeigten. Am 12. Mai meldeten die Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe vor ihrer Küste. Der Ölpreis (Sorte WTI, Tagesschlusskurse) stieg sofort um knapp fünf Prozent auf über 63 US-Dollar. Zehn Tage später allerdings war der Ölpreis bereits wieder auf rund 57 US-Dollar gefallen.

Ein ähnliches Bild einen Monat später: Am 13. Juni wurden zwei Öltanker im Golf von Oman attackiert, nachdem sie die Meerenge von Hormus passiert hatten. US-Präsident Donald Trump stoppte einen Vergeltungsangriff erst in letzter Minute. Der Ölpreis stieg in den folgenden Krisenwochen von 51 US-Dollar auf über 60 US-Dollar und fiel dann jedoch wieder auf 55 US-Dollar.

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Seit 2014 ist der Rohölpreis stark gefallen - Überangebot am Weltmarkt ist der Hauptgrund

Rohölpreis fällt jedoch seit Jahren

Blickt man jedoch auf die langfristige Preisentwicklung beim Öl, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran starteten mit dem 8. Mai 2018, als die USA einseitig das Iran-Atomabkommen aufkündigten. Unter Schwankungen fiel der Rohölpreis dennoch bis heute von rund 69 auf 63 US-Dollar.

2012 lag der Ölpreis sogar bei mehr als 100 US-Dollar und erlebte 2014 einen steilen Fall. Doch dahinter standen nicht weltpolitische Entspannungstendenzen, sondern ein globaler Verteilungskampf um die Marktanteile auf dem Ölmarkt. Seit die US-Amerikaner dank der neuartigen Fracking-Technik in der Lage sind, ihren Energiebedarf weitgehend selbst zu stillen, wird global gesehen mehr Öl produziert als verbraucht. Die weltweite Wirtschaftsschwäche verstärkte diese Entwicklung, weil Unternehmen, die weniger produzieren, auch weniger Energie benötigen. Die OPEC - also das Kartell der traditionellen Förderländer – drehte daraufhin den Ölhahn nicht wie gewohnt zu, um die Preise zu stabilisieren. Im Gegenteil sollte durch fortgesetzten Preissturz die Ölförderung in den USA unrentabel gemacht werden.

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Seit Mai 2019 steigt der Goldpreis wieder kräftig, in seiner übergeordneten Aufwärtsbewegung bereits seit 2002

Gold in längerfristigem Aufwärtstrend

Auch Gold stieg in den vergangenen Wochen in allen Währungen stark an, heute in der Spitze um mehr als 23 US-Dollar pro Feinunze. Trotzdem ist Gold entgegen allgemeiner Meinung kein Kriegsgewinner. Starke Preisanstiege gab es zwar 1979, als der persische Schah gestürzt wurde sowie 1982 während des Falkland-Krieges zwischen Großbritannien und Argentinien. Doch weder während zwei Weltkriegen, durch den Golfkrieg 1990/91 oder den Kosovo-Konflikt gab es beim Edelmetall einen Preisschub.

Die Gründe für steigende oder fallende Goldpreise sind laut Experten komplexer. Während geopolitische Risiken und Konflikte eher kurzfristigen Einfluss haben sind ökonomische Risiken stärker ausschlaggebend. Gold gilt als Alternative zum Papiergeld und sein Preis ist umgekehrt ein Zeichen für die Schwäche der Währungen, in dem man ihn misst.

"Die weltweite Geldpolitik der Geldmengenvermehrung spricht dafür, dass das - mengenmäßig begrenzte - Gold in langfristiger Perspektive, sagen wir in fünf und mehr Jahren, aufwertet gegenüber dem ungedeckten Papiergeld." Prof. Thorsten Polleit, Degussa-Chefvolkswirt

Fazit

Rohöl ist vergleichsweise nicht teuer, aber es wird gerade durch die politisch-militärische Eskalation wieder teurer. Ein steigender Ölpreis hilft ironischerweise den USA in dieser Situation sogar, weil er das Fracking-Öl der Amerikaner wettbewerbsfähiger macht.

Gold befindet sich ohnehin im Aufschwung. Die jüngsten geopolitischen Spannungen haben diesen Trend noch verstärkt und wirken als Zünglein an der Waage.